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Umwelt

Zoos als moderne Arche Noah

Waldrodungen und Elfenbeinhandel lassen die Zahl der Elefanten in Asien und Afrika dramatisch schrumpfen. Damit Zoos rettende Inseln für bedrohte Tierarten werden können, müssen sie jedoch besser zusammenarbeiten.

Drei Elefanten drehen dem Betrachter in einem Zoo den Rücken zu. (Foto: Paul Zinken/dpa)

Für Elefanten sind Zoos nicht der beste Ort, um die Arten zu erhalten. Die Tiere sind oft zu alt, die Bedingungen nicht gut genug.

Elefanten rühren uns an: Auch wenn sie täglich 400 kg Nahrung brauchen und ihre Jungen bereits bei der Geburt 100 Kilogramm auf die Waage bringen, finden wir sie niedlich. Der Elefant ist unbestritten eines der beliebtesten Zootiere.

Wider Erwarten sind Zoos bisher kein guter Ort, um Elefanten vor dem Aussterben zu retten. Die Gründe sind vielfältig: Einerseits sind die Elefantenbestände überaltert, weil sich die Zooleitungen in den vergangenen Jahrzehnten nicht systematisch um die Zucht gekümmert haben.

Auch ihre Umgebung hat die Elefanten nicht gerade dazu animiert, Nachwuchs zu zeugen: Zu wenig Auslauf, Langeweile, keine intakten Herden. Dadurch gibt es heute bei den Afrikanischen Elefanten zu wenige Bullen und zeugungsfähige Kühe.

Der europäische Wisent verdankt sein Überleben dem Zoo

Ein Wisent steht im Gegenlicht unter Bäumen, früher Morgen (Photo: imago/Harald Lange)

Ein zoologischer Erfolg. Der europäische Wisent hat nur durch Tierparks überlebt. Nicht jede Art lässt sich so retten.

Dabei gibt es durchaus Beispiele, in denen Zoos als moderne Arche fungierten und Tierarten vor dem Aussterben bewahren konnten: Anfang des 20. Jahrhunderts lebten nur noch zwölf europäische Wisente – und zwar in Zoos. Sie sind als größte Landsäugetiere auf dem Kontinent quasi die Elefanten Europas. 1923 wurde die „Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ in Frankfurt (Main) gegründet.

Schon drei Jahrzehnte später konnten die ersten dieser Wildrinder ausgewildert werden. Heute gibt es wieder mehrere Herden in Polen, der Ukraine, Weißrussland, Russland und Litauen. Eine zoologische Erfolgsgeschichte sozusagen. Es ist nicht die einzige: Auch der Kalifornische Kondor, das Przewalski-Pferd oder das Sumatra-Nashorn verdanken ihr Überleben dem Zoo.

Elefanten gehören in die Wildnis

Und die Elefanten? Einige zoologische Einrichtungen stehen vor der Frage, ob sie nun Elefanten aus der Wildnis importieren müssen oder ihre Elefantenhäuser langfristig schließen, wie es der Zoo Frankfurt getan hat. Als kleiner Innenstadtzoo mit elf Hektar Gesamtfläche konnte er den Tieren nicht genug Platz bieten.

„Wir sollten Elefanten in der Wildnis belassen“, sagt Daniela Freyer vom Verein Pro Wildlife, der sich für den Schutz der Tiere in ihrer Heimat einsetzt. Es gebe keinen Nachweis dafür, dass Zoos eine Rolle im Artenschutz spielen – im Gegenteil: „Zoos sind die größten Nettoverbraucher, weil mehr Tiere in deutsche Zoos gebracht wurden als dass sie eigenen Nachwuchs gezeugt haben.“

Tatsächlich wurden 292 Afrikanische Elefanten zwischen 1930 und 1988 nach Europa und Israel importiert. Dabei wurden nur 17 Tiere geboren. Im Zeitraum von 1989 bis heute sieht die Bilanz wesentlich besser aus: Hier stehen 61 Importe 100 Geburten gegenüber.

„Das zeigt, dass die Zoos sich erst dann um Zucht bemühen, wenn sie sich nicht mehr einfach Tiere aus der Wildnis holen können“, meint Olaf Töffels vom Verein Elefantenschutz Europa (EEG), der diese Zahlen zusammengetragen hat. Bei den Asiatischen Elefanten gibt es sogar so große Zuchterfolge, dass eine selbst erhaltende Population entstanden ist, so Töffels: Das mache Importe aus der Wildnis überflüssig. Allerdings hat es nicht dazu geführt, dass Elefanten ausgewildert werden.

Erfolgreiche Zucht in Europa würde Importe aus Afrika überflüssig machen

Kleine Elefanten in einem Gehege (Foto: Holger Hollemann/dpa)

Seltener Zuchterfolg: Um Jungtiere in Zoos zu haben, müssen sie allzu oft importiert werden.

Thomas Kauffels hat kein Problem mit den Importen. Der Direktor des privaten Opel-Zoos im hessischen Kronberg plädiert dafür, dass Zoos als vielbesuchter außerschulischer Lernort erhalten blieben: „Wir haben 33 Millionen Besucher im Verband der Zoologischen Gärten in Deutschland, das ist mehr als die Fußball-Bundesliga“, sagt er. Das Geld für die legale Importgenehmigungen hält er für eine gute Investition: „Das fließt zurück in die Nationalparks.“

Korruption lässt Gelder versickern

Genau das bestreitet Ofir Drori. Der Aktivist kämpft mit seiner Nichtregierungsorganisation LAGA in Afrika gegen Wilderei. Er stellt dabei mit seinem Team illegalen Tierhändlern nach, deckt Korruption auf und bringt beschlagnahmte Affen, Papageien oder Raubkatzen in Auffangstationen. „Es ist naiv zu denken, dass die Einnahmen zurück in den Artenschutz fließen“, sagt Drori. Meist würden sich dieselben korrupten Kreise bereichern, die auch vom Menschenhandel profitierten. Elefantenschutz sei nicht möglich, solange niemand den kriminellen Netzwerken das Handwerk lege. Bestechung sei in vielen afrikanischen Ländern an der Tagesordnung, legale Importgenehmigungen für Elefanten zu bekommen, kein Problem.

Ofir Drori war Zeuge, als von den letzten 50 Elefanten in Guinea acht verkauft werden sollten. Es ist nur ein Beispiel. Drori und seinem Team gelang es, das Vorhaben zu stoppen. Viel zu oft wälzten Zoos ihre Verantwortung auf die Verkäufer ab. Die Tierparks seien schließlich Unternehmen und daran interessiert, möglichst viele Besucher anzulocken. Doch ihr Bildungsauftrag, so Droris Botschaft, dürfe nicht so weit gehen, dass sie zur Ausrottung der Elefanten beitragen.