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Zollfrei

Manche Staaten schließen sich in einer Zollunion zusammen, andere schotten sich durch hohe Importzölle ab. In einem Zollstreit will dann keiner einen Zollbreit nachgeben. Obwohl das nur 2,54 Zentimeter wären.

Wer kennt die Frage nicht, wenn man aus dem Urlaub im Ausland heimkehrt und seinen Koffer an den Zollbeamten vorbeizieht. "Haben Sie etwas zu verzollen?" Hat man natürlich nicht. Mit festem Blick schaut man dem Zollbeamten ins Gesicht, setzt ein gewinnendes Lächeln auf – und zieht seinen Koffer weiter. Darin liegt vielleicht die eine oder andere Zigarettenschachtel oder Kaffeepackung zu viel oder ein Mitbringsel, für das eigentlich doch Gebühren – so genannte Importzölle – anfallen.

Etwas Nostalgie

Ziemlich langweilig erscheinen heute die Zollstationen an Flughäfen und am Rande von Autobahnen – verglichen mit den Zollhäuschen von früher, die an den Grenzübergängen von Deutschland zu seinen Nachbarstaaten standen. Bewacht von einem Zollwärter versperrten Zollschranken den Autofahrern die Weiterfahrt.

Eine Frau sitzt im Auto und bezahlt an einer Mautstation

Eine Mautstelle auf einer österreichischen Autobahn

Glückliche Entspannung machte sich breit, wenn die Schranke in die Höhe schnellte und man weiterfahren konnte. Mit dem Zusammenwachsen Europas wurden in den Staaten, die zum so genannten Schengen-Abkommen gehören, die Grenzhäuschen abgebaut. "Barrierefrei" kann man in diesen Staaten von einem Land ins andere fahren.

Die Zollunion

Den Zoll im Sinne einer Abgabe für Waren gibt es natürlich immer noch. Nicht nur, wenn man als Privatperson von einem Land ins andere reist. Auch Staaten untereinander erheben Zölle. Häufig werden dann Zollabkommen zwischen zwei oder mehreren Staaten geschlossen. Manche schließen sich zu einer Zollunion zusammen, wie zum Beispiel die innerhalb der EU bestehende Europäische Zollunion.

Wegen überhöhter Exportzölle oder Schutzzölle, die ein Staat erhebt, um den eigenen Markt gegen Fremdprodukte abzuschotten, gibt es auch schon mal Streit. Der kann mitunter sogar zu einem handfesten Zollstreit führen.

Etwas (Sprach)-Geschichte

Der Zoll ist fast so alt wie die Geschichte des Handels. Schon an den alten Handelsstraßen der Antike gab es die Zollhäuschen. Der Limes, die Grenze des Römischen Reiches, war auch gleichzeitig eine Zoll- und Wirtschaftsgrenze. An Zollstationen wurde damals zum Beispiel Salz- oder Kornzoll erhoben.

Das lateinische Substantiv tolonium endgültige Zahlung – ist denn auch die Grundlage für das heutige Wort Zoll. Erstmals verzeichnet ist das Wort im 8. Jahrhundert als zol – zunächst in der Bedeutung Zollhaus, später dann als Abgabe für Waren. Die lateinische Grundform hat sich noch im Plattdeutschen und im englischen Sprachraum erhalten. Der Zoll ist dort Toll.

Die Maut

Im Gotischen wurde der Wortsinn von Zoll mit einem eigenen Wort wiedergegeben: mota. Und von mota ist es nicht weit zu der Maut – dem Straßenzoll, den man zum Beispiel in Österreich bezahlen muss, wenn man auf bestimmten Autobahnen fahren will.

Autos passieren die Grenzstelle zwischen Kudowa (Polen) und Nachod (Tschechien)

Solche Grenzhäuschen wurden nach und nach abgebaut

Was den Österreichern die Maut, ist den Franzosen die péage, den Italienern die pedaggio. Diese Form des Straßenzolls hat ihren sprachlichen Ursprung im lateinischen pedaticum, was so viel heißt wie "das Recht haben, den Fuß auf etwas zu setzen". Wer also bestimmte Autobahnabschnitte befährt, muss dafür einen Wegezoll bezahlen. Ein Brückenzoll wird – wer hätte es gedacht – dafür erhoben, dass man eine Brücke benutzen darf, um seine Reise fortzusetzen.

Schmuggler und Zollfahnder

Obwohl die Zahl der Zollhäuschen immer mehr abnimmt, ist das Auge des Gesetzes weiter wachsam. In Zollgrenzbezirken, dem Gebiet entlang der Staatsgrenzen, wird häufig kontrolliert. Zollbeamte machen so Schmugglern das Leben schwer.

Zollfahnder bekämpfen im großen Stil den organisierten Schmuggel. In Deutschland arbeiten sie im Zollkriminalamt, das zum Bundesministerium der Finanzen gehört. Den Zollfahndern gelingt dabei schon mal der eine oder andere große Fang.


Redewendungen

Unwahrscheinlich ist, dass die Schmuggler den Fahndern dafür Respekt zollen. Denn Respekt zollt nur jemand einem anderen für etwas Besonderes, was dieser geleistet hat.

Haben sie allerdings unvorsichtig gehandelt, dann müssen sie der Sache Tribut zollen, ein Opfer bringen – wie Sportler, die sich zu sehr verausgabt haben und deshalb ein wichtiges Spiel verlieren. Manche Schmuggler wollen, selbst bei Fahndungserfolgen, oft keinen zollbreit von dem abweichen, was sie tun. Sie wollen so weiter machen.

Ein Finger breit

Ein Zollstock

Aufpassen: Beim Zusammenschieben nicht die Finger quetschen!

In zollbreit steckt die andere Bedeutung von Zoll. Es handelt sich um die Maßeinheit, die dem Zollstock seinen Namen gegeben hat. Der oder das Zoll ist zwischen zwei und vier Zentimetern lang. Heinrich der Erste führte die Längeneinheit im englischen Sprachraum ein. Das Inch entsprach der Breite seines Daumens.

Im englischen Sprachraum hat sich die Maßeinheit bis heute gehalten. Dort misst sie genau 2,54 Zentimeter. In Zoll angegeben werden aber weiterhin zum Beispiel der Durchmesser von Fahrrad- und Autofelgen und der Durchmesser von Computerbildschirmen.

Zollfrei?

Und Computerbildschirme sollte man bei der Einreise nach Deutschland möglichst verzollen, wenn Sie mehr als 175 Euro gekostet haben. Denn, so heißt es in einem Gedicht von Kaplan Flury: Das Schmuggeln ist ein Abenteuer, das dir den Urlaub sauer süsst.

Fragen zum Text

In den so genannten Schengen-Staaten …

1. wird man an der Grenze kontrolliert.

2. gibt es keine Grenzkontrollen mehr.

3. fährt man von einer Grenzstation zur nächsten.

Der Limes ist …

1. eine Zollstation in Italien.

2. ein antiker Grenzwall.

3. eine Mautstelle in Österreich.

Wenn man etwas vermessen will, dann nimmt man …

1. einen Inch-Stock.

2. einen Zollstock.

3. ein Zollband.

Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich über das so genannte Schengen-Abkommen: Verfassen Sie ein Referat darüber, wie es entstanden ist und was es für Europa bedeutet.

Autorin: Beatrice Warken

Redaktion: Ingo Pickel

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