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Syrien-Krieg

Zivilisten zittern in Aleppo

Das Assad-Regime spricht von den "letzten Momenten vor dem Sieg". Die UN prangern entsetzliche Verbrechen in der syrischen Stadt an. Angeblich soll es aber in Kürze gesicherte Fluchtkorridore geben.

Zehntausende sitzen in der Falle. Und sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wer in den rapide schrumpfenden Rebellenarealen Aleppos zurückblieb, rechnet mit dem Schlimmsten. Denn die Regierungssoldaten rücken im Eiltempo voran.

UN-Sprecher Rupert Colville sagte in Genf, er habe schreckliche Vorahnungen für alle, die sich noch in der "höllischen Ecke" der Oppositionsgebiete aufhielten. Den Vereinten Nationen lägen Hinweise vor, wonach regimetreue Truppen dort in Häuser eindringen und Menschen willkürlich erschießen. Mindestens 82 Zivilisten seien auf diese Weise zu Tode gekommen.

Hunderte Männer verschwunden

Doch wer in jene Gebiete floh, die von der Armee erobert wurden, hat kaum bessere Perspektiven. Die UN berichten von hunderten Männern, die verschwanden, nachdem sie in Teile der Stadt gelangt waren, die die Regierung von Baschar al-Assad kontrolliert. Ihr Schicksal ist unbekannt. Aktivisten befürchten, sie könnten in Folterhaft sitzen oder gleich zum Militär eingezogen werden.

Syrien Leiden der Zivilbevölkerung in Aleppo (Reuters/A. Ismail)

Verzweifelte Flucht: Ein Mann fährt eine alte Frau im Handwagen in Aleppo

Die Berichte aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht unabhängig überprüfen, sie gelten aber als glaubwürdig. Längst kommen auch von Staats- und Regierungschefs, die gewöhnlich nicht zur Dramatik neigen, emotionale Alarmrufe. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin: "Die Situation ist desaströs. Sie bricht einem das Herz."

Frankreichs Präsident François Hollande erklärte nach einem Treffen mit Merkel, 120.000 Menschen würden in Aleppo "als Geiseln festgehalten" - weil es keine gesicherten Fluchtwege gebe. Der UN-Sicherheitsrat sei im Syrien-Konflikt blockiert, solange Russland als Schutzmacht Assads sein Veto-Recht missbrauche. Das Gremium wird an diesem Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Dürfen Zivilisten und Rebellen abziehen?

Laut mehreren Oppositionsvertretern einigten sich derweil Rebellen mit der Regierung in Damaskus auf einen Abzug aus Ost-Aleppo. Noch gibt es widersprüchliche Meldungen hierzu. Der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Witali Tschurkin bestätigte, die Kämpfer dürften Aleppo ebenso wie Zivilisten "binnen weniger Stunden" verlassen. Aus syrischen Armeekreisen verlautete allerdings, das Miltär habe keine Informationen über eine Feuerpause.

Syrien Familie mit verletztem Kind in Aleppo (Reuters/A. Ismail)

Infusion in Lebensgefahr: Vater mit seinem verletzten Kind in den verbliebenen Rebellengebieten Aleppos

In Aleppo stehen die Rebellen kurz vor ihrer endgültigen Niederlage. In der einst zweitgrößten Stadt Syriens herrschen Chaos und Angst. Viele Helfer in medizinischen Einrichtungen mussten ihre Arbeit einstellen. Die Malteser, die ein Kinderkrankenhaus und eine Blutbank in Ost-Aleppo unterstützen, teilten mit, Ärzte und Pflegepersonal seien im letzten verbliebenen Oppositionsgebiet eingeschlossen.

Syrien Zivilisten fliehen vor Gewalt im Gebiet Bustan al-Qasr in Aleppo (Getty Images/AFP/Stringer)

Das nackte Leben gerettet: Zivilisten versuchen, der Gewalt zu entkommen

Assad setzt offenkundig auf eine militärische Lösung und spielt auf Zeit. Seine Armee missachte Menschenrechte und internationales Völkerrecht auf ganzer Linie, erklären Hilfsorganisationen. Während das syrische Militär mitteilt, es könne "jeden Augenblick" die vollständige Kontrolle über Aleppo verkünden, wächst bei Helfern stündlich die Bestürzung. Der stellvertretende Leiter von Malteser International, Sid Peruvemba, brachte es in Köln auf den Punkt: "Das Leid der Menschen ist unvorstellbar."

jj/uh (dpa, afp, rtr, epd)

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