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Nahost

Zivile Opfer bei Großoffensive im Irak

Bei Straßenkämpfen und Luftangriffen im Irak sind am Samstag und Sonntag (2./3.10.) mehr als hundert Menschen gestorben. Italiens Regierung deutete unterdessen einen Abzug ihrer Truppen nach der Wahl im Januar an.

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Ein US-Soldat auf Kontrollgang in Samarra nach dem Großeinsatz

Nach einer zweitägigen Großoffensive haben die US-Armee und mit ihr verbündete irakische Sicherheitskräfte die sunnitische Widerstandshochburg Samarra weitgehend unter Kontrolle gebracht. "Wir haben die Stadt von allen schlechten Menschen und Terroristen gesäubert", sagte der irakische Innenminister Falah el Nakib in Samarra.

Bei der Großoffensive sind nach Militärangaben vom Sonntag 125 Aufständische getötet worden; wieviele Verletzte es gab wurde nicht mitgeteilt. Anwohner erklärten, unter den Toten seien zahlreiche Zivilisten, Frauen und Kinder.

5000 Soldaten

Kämpfe in Samarra halten an

Soldaten der US-Armee beim Einsatz in Samarra am 2. Oktober

Etwa 3000 US-Soldaten und 2000 irakische Soldaten waren in der Nacht zu Freitag in Samarra 125 Kilometer nördlich von Bagdad einmarschiert. Sie nahmen mehr als 80 Rebellen fest, wie ein US-Armeesprecher mitteilte.

Ein Erfolg auf ganzer Linie war es freilich nicht, wie zwischen den Zeilen herauszuhören war; so sprach ein irakischer Regierungssprecher von einigen "Widerstandsnestern", die man noch nicht habe ausheben können. Trotzdem zeigte sich Innenminister Falah el Nakib optimistisch: "Das war die beste Operation, die wir bislang im ganzen Irak ausgeführt haben", sagte er im Rathaus von Samarra. Er deutete auch eine bevorstehende Offensive in Falludscha an, in der die US-Armee ebenso wie in Samarra die Kontrolle in weiten Teilen an sunnitische Aufständische verloren hat.

Luftangriffe auf Falludscha

Die US-Luftwaffe griff am Samstag und Sonntag bereits drei Mal Ziele in Falludscha an, darunter mutmaßliche Verstecke des jordanischen Extremistenführers Abu Mussab el Sarkawi. Eine "große Zahl" Aufständischer sei am Sonntag vermutlich bei einem Angriff auf ein Gebäude in einem Vorort Falludschas getötet worden, teilte die US-Armee mit. Zehn bis 15 Rebellen mit mutmaßlichen Verbindungen zu Sarkawi hätten sich in dem Versteck aufgehalten.

Krankenhausmitarbeitern zufolge waren bei einem vorhergehenden Angriff sieben Menschen getötet und weitere 13 verletzt worden. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder. Die US-Armee bezweifelte die Angaben.

Entführungen

Angesichts der militärischen Übermacht der US-Streitkräfte nahmen im Irak aktive Islamisten weiter auch Zivilisten und Ausländer ins Visier: In einem von der Gruppe Ansar el Sunna veröffentlichten Video wurde die Tötung eines Irakers gezeigt, der angeblich für die US-Armee arbeitete.

In einem am Samstag vom arabischen Sender El Arabija ausgestrahlten Videoband drohten die Entführer einer jordanischen Geisel mit dessen Tod, sollte seine Firma nicht ihre Arbeit im Irak einstellen. Das Unternehmen kam der Forderung nach.

Gefangene Libanesen und Indonesierinnen

Die Entführer zweier Libanesen forderten in einer am Samstag veröffentlichten Internetbotschaft die Regierung in Beirut auf, ihre Staatsbürger aus dem Irak abzuziehen, andernfalls würden zwei Libanesen in ihrer Gewalt getötet. Ob die im Namen der Gruppe "Islamische Armee" veröffentlichte Botschaft echt ist, ließ sich nicht klären. Die "Islamische Armee" hatte sich am Donnerstag zur Entführung der beiden Libanesen, von zwei Indonesierinnen, und sechs weiteren Menschen bekannt. In einer von El Dschasira ausgestrahlten Fernsehbotschaft forderte die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri die Entführer auf, die Frauen freizugeben. Zuvor hatte die "Islamische Armee" die Freilassung unter der Bedingung angeboten, dass der in Indonesien inhaftierte Islamistenführer Abu Bakar Bashir freigelassen werde. Über seinen Anwalt lehnte Bashir einen Austausch ab und kritisierte die Geiselnahme.

Erfolgloser Vermittler

Das Schicksal der zwei entführten Franzosen und eines Briten war weiter ungewiss. Der selbst ernannte Vermittler und Abgeordnete der französischen Regierungspartei UMP, Didier Julia, gab an, die geplante Befreiung der französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot sei am Freitag wegen eines Bombardements der US-Armee gescheitert. Die Armee dementierte dies. Frankreichs Regierung distanzierte sich von Julias Einsatz.

Ein an den Gesprächen zur Freilassung des im Irak festgehaltenen Briten Kenneth Bigley beteiligter Moslem-Vertreter äußerte sich vorsichtig optimistisch über eine Freilassung der Geisel. "Wenn sie (die Entführer) ihn hätten töten wollen, hätten sie es getan", sagte Daud Abdullah vom Rat der britischen Moslems der britischen Sonntagszeitung "Independent on Sunday".

Gianfranco Fini

Gianfranco Fini (Archiv)

Italien erwägt Truppenabzug

Italien wird seine Truppen womöglich nach der Wahl im Januar aus dem Irak abziehen. Das deutete der stellvertretende Ministerpräsident Gianfranco Fini (Foto) am Samstag bei einem Besuch in Ägypten an. Wenn eine repräsentative Regierung im Amt sei, gebe es keine Notwendigkeit mehr für die Präsenz ausländischer Soldaten, sagte Fini. (mas)

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