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Welt

Zivile Opfer bei fehlgeleitetem NATO-Angriff

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat die NATO in Libyen ihr Ziel verfehlt. Erst bombardierten Kampfjets Fahrzeuge der Rebellen, nun traf eine Bombe ein Wohnhaus. Mehrere Zivilisten sollen dabei getötet worden sein.

Zerstörtes Wohnhaus in Tripolis (Foto: AP)

Wurde dieses Wohnhaus von NATO-Bomben getroffen?

"Die NATO bedauert den Tod unschuldiger Zivilpersonen", erklärte der Oberkommandeur des NATO-Einsatzes in Libyen, der kanadische General Charles Bouchard, am Sonntagabend (19.06.2011) in seinem Hauptquartier in Neapel. Das Wohnhaus in der libyschen Hauptstadt Tripolis sei versehentlich bombardiert worden. Dabei seien möglicherweise auch Zivilisten getötet worden.

Versagen des Waffensystems?

"Obwohl wir die Einzelheiten des Zwischenfalls noch ermitteln, scheint es so, dass ein Fehler in einem Waffensystem diesen Zwischenfall verursacht hat", teilte Bouchard weiter mit. Das Militärbündnis selbst äußerte ebenfalls sein Bedauern über den tragischen Irrtum. "Es scheint, als ob eine Bombe nicht das beabsichtigte Ziel getroffen hat", heißt es in einer Erklärung und weiter: "Die NATO bedauert den Verlust unschuldiger Menschenleben und sie geht sehr sorgsam vor im Kampf gegen ein Regime, das entschlossen ist, Gewalt gegen seine eigenen Bürger anzuwenden." Zur Zahl der möglichen Opfer unter der Zivilbevölkerung machte das Bündnis bisher keine Angaben.

Libysche Regierung: "Vorsätzlicher Angriff auf zivile Gebäude"

Die libysche Regierung warf der NATO umgehend nach dem Angriff vor, absichtlich ein Wohngebiet in der Hauptstadt Tripolis bombardiert zu haben. Dabei seien mindestens neun Menschen getötet worden, darunter zwei Kinder, erklärte die Regierung.

Beschädigtes Wohngebäude in Tripolis (Foto: dapd)

Die libysche Führung brachte westliche Reporter zu dem angeblich von der NATO bombardierten Haus

Westliche Journalisten wurden am Sonntag zu zerstörten Gebäuden in dem Viertel geführt, in denen Rettungskräfte im Einsatz waren. In einem nahe gelegenen Krankenhaus wurden den Journalisten außerdem vier Tote gezeigt, die bei dem NATO-Angriff ums Leben gekommen sein sollen. "Das war ein vorsätzlicher Angriff auf zivile Gebäude", sagte der stellvertretende Außenminister Chaled Kaim am Ort des Angriffs. "Das ist ein neuer Hinweis auf die Brutalität des Westens."

NATO weist Vorwürfe zurück

Bevor sie das versehentliche Bombardement des Wohngebäudes eingeräumt hatte, hatte die NATO bereits in einer anderen Erklärung - ebenfalls am Sonntag - deutlich gemacht, sie tue "alles, um die libysche Bevölkerung vor der Gewalt des Regimes von Gaddafi zu schützen". Seit Beginn der Militäreinsätze am 31. März seien mehr als 4400 Kampfeinsätze gegen militärische Ziele in Libyen geflogen worden. Die NATO plane die Einsätze "mit Präzision und mit einer hohen Genauigkeitsrate".

Weiter teilte das Militärbündnis mit, es habe eine Reihe von Zielen in und um Tripolis angegriffen. In der Nähe der Hauptstadt seien auch ein Befehlszentrum, zwei Depots von Militärfahrzeugen, ein Raketenwerfer, vier Artilleriegeschütze und zwei Abschussrampen für Boden-Luft-Raketen getroffen worden.

Zwischenfall bereits vor mehreren Tagen

Bewaffnete Rebellen im Kampf gegen den libyschen Machthaber Gaddafi (Foto: AP)

Mit ihrer Mission will die NATO die Rebellen unterstützen

Wenige Stunden zuvor hatte die Brüsseler NATO-Zentrale allerdings bereits einen anderen Vorfall bedauert. Am Donnerstag hatten NATO-Flugzeuge nahe der ostlibyschen Stadt Brega versehentlich Panzer und andere Militärfahrzeuge der Gaddafi-Gegner beschossen. In einer "besonders komplizierten und dynamischen Gefechtsfeldsituation" habe man sie irrtümlich für eine Fahrzeugkolonne der Gaddafi-Truppen gehalten. Nach Rebellen-Angaben waren dabei 16 Aufständische verletzt worden.

Autor: Frank Wörner (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Stephan Stickelmann

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