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Fokus Osteuropa

Zivile Initiative zur Vergangenheitsbewältigung in Ex-Jugoslawien

NGOs im ehemaligen Jugoslawien haben eine Initiative gestartet, die länderübergreifend zur Aufarbeitung der Kriegsverbrechen beitragen soll.

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Ein langer Weg bis zur Versöhnung

Nichtregierungsorganisationen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien haben eine Initiative gestartet zur Gründung einer regionalen Kommission, die länderübergreifend zur Vergangenheitsbewältigung und Versöhnung beitragen soll.

Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Regierungen von Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Kosovo eine Kommission zu gründen, die sich mit den Kriegsverbrechen der 90er Jahre beschäftigt.

Auf einem Treffen in Pristina wurde die Initiative formal gegründet. In einem zweiten Schritt sollen nun die Regierungen aufgerufen werden, sich an der Initiative zu beteiligen. Träger der Initiative sind Menschenrechtsorganisationen und Opferverbände sowie andere Nichtregierungsorganisationen.

Kriegsverbrecherprozesse reichen nicht

Natasa Kandic vom Belgrader Fonds für humanitäres Recht betonte,

Kriegsverbrecherprozesse alleine reichten nicht aus, um Gerechtigkeit und Versöhnung im ehemaligen Jugoslawien zu erreichen. Prozesse seien wichtig, da in den Gerichtsakten alle Vorgänge schriftlich und damit dauerhaft festgehalten würden. Kandic wies jedoch auch darauf hin, dass nur wenige Menschen in einem Gerichtssaal den Wortlaut der Akten vernehmen könnten. Deshalb sei es wichtig, dass auch außerhalb der Gerichtssäle mehr Informationen über Kriegsverbrechen verbreitet würden. Natasa Kandic sagte: „Den Inhalt der Anklage haben vielleicht 50 Menschen im Gerichtssaal gehört. Außerhalb des Saals konnte niemand diese Angeklagten hören und sehen, wenn sie beispielsweise die Aussage einer Mutter hörten, die von der Verschleppung ihres Sohnes sprach.“

Keine Geheimnisse mehr

Die Initiatoren des Projektes wollen deshalb vor allem auch die Regierungen stärker in die Pflicht nehmen, Kriegsverbrechen der vergangenen Jahre öffentlich aufzuarbeiten. Ivan Psenica vom Dachverband der Hinterbliebenen der vermissten und inhaftierten kroatischen Veteranen sagte, die Einrichtung einer regionalen Kommission werde auch Regierungen zwingen, Dokumente zu veröffentlichen, die bislang Tatsachen über vermisste Personen verschwiegen.

Nichtregierungsorganisationen beklagen, dass lediglich 250 Menschen wegen Kriegsverbrechen während der Kriege auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien verurteilt wurden. Dies stehe in keinem Verhältnis zu den 120.000 Kriegstoten. Ebenso wenig könne Ruhe und Frieden in der Region einkehren, solange nicht das Schicksal von mehr als 17.000 noch immer vermisst gemeldeten Personen geklärt sei.

Dinko Gruhonjic

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