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Politik & Gesellschaft

Zivilbevölkerung auf der Flucht aus Sirte

Aus der umkämpften Heimatstadt des gestürzten Diktators Gaddafi sind in einer Kampfpause tausende Menschen geflohen. Mitarbeiter des Roten Kreuzes beschreiben die Lage der Zivilbevölkerung in Sirte als katastrophal.

Kampf um Sirte (Foto: AP)

Der Kampf um Sirte dauert unvermindert an

Augenzeugen berichteten von kilometerlangen Autokonvois, die am Montag (03.10.2011) Sirte verlassen haben. Nach Schätzungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind inzwischen knapp 10.000 der rund 100.000 Bewohner aus der Stadt geflohen, um die sich Truppen des libyschen Übergangsrates und Anhänger des untergetauchten Ex-Machthabers Muammar al-Gaddafi seit Wochen immer wieder erbitterte Gefechte liefern. Kämpfer der Übergangsregierung berichteten, Nato-Flugzeuge hätten Flugblätter abgeworfen, auf denen die Zivilbevölkerung zur Flucht aufgefordert wurde.

Flucht aus der umkämpften Stadt (Foto. AP)

Flucht aus der umkämpften Stadt

Bei neuen Kämpfen haben Soldaten des Übergangsrates nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters den Stadtteil Buhadi eingenommen. Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, Soldaten des Übergangsrates bereiteten einen neuen Großangriff auf die Hafenstadt vor, in der noch immer größere Einheiten von Gaddafi-Milizen vermutet würden.

Unhaltbare Zustände in Sirte

Rotkreuz-Helfer hatten schon am Wochenende von einer verzweifelten Lage der Zivilbevölkerung in der umkämpften Stadt berichtet, deren Versorgung immer schwieriger werde. Am Samstag war es dem Roten Kreuz erstmals gelungen inmitten andauernder Kämpfe Medikamente in die Stadt zu bringen. IKRK-Teamchef Hichem Chadraui berichtete nach dem Besuch in der Küstenstadt, wegen Mangels an Sauerstoffflaschen und Treibstoff für Notstromgeneratoren müssten viele Patienten des Krankenhauses in Sirte sterben. Die Lage vor Ort sei "schrecklich". Bei den Kämpfen seien mehrere Geschosse in dem Krankenhaus eingeschlagen. Ein weiteres Team des Roten Kreuzes sei mit dringend benötigten medizinischen Gütern sowie Nahrungsmitteln unterwegs nach Sirte.

Mahmud Dschibril (Foto: AP)

Mahmud Dschibril, Chef der Übergangsregierung

Sirte ist eine der letzten Städte die noch in der Hand der Gaddafi-Anhänger ist.

Übergangsregierung bestätigt Regierungschef Dschibril

Der libysche Übergangsrat hat unterdessen Regierungschef Mahmud Dschibril im Amt bestätigt und gleichzeitig einige Mitglieder des Kabinetts ausgewechselt. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, sagte am Montag in Bengasi, eine neue Übergangsregierung werde in einem Monat gebildet, "nachdem wir offiziell die Befreiung verkündet haben". Er fügte hinzu: "Dies ist eine heikle Phase so kurz vor der Befreiung des gesamten Landes, und ich bitte alle Libyer, dies zu verstehen."

Autorin: Ulrike Quast (rtr, dpa, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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