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Zitrusfrüchte: das wärmeliebende Superobst

Zitrusfrüchte strotzen nur so vor gesunden Inhaltsstoffen. Auch mit dem Klimawandel scheinen sie besser zurechtzukommen als andere Agrarpflanzen.

Leuchtend und frisch liegen sie da - Orangen, Grapefruits und Zitronen. Sie haben eine weite Reise gehabt, bis sie in den Körben der Gemüsehändler gelandet sind. Sie sehen gut aus, orange und gelb, robuste Früchte, so scheint es. Doch dieser Schein trügt. Die Schale der Zitrusfrüchte ist anfällig für Schimmelpilze, die die Frucht recht bald nach der Ernte mit einem pelzigen Film überziehen können. Damit das nicht geschieht, wird das Obst vor dem Export mit einer Wachslösung besprüht, die das Fungizid Thiabendazol enthält. Das Wachs verleiht Glanz und schützt die Frucht vor dem Austrocknen. Das Fungizid ist aber auch leicht giftig und sollte, genau so wenig wie die Schale insgesamt, gegessen werden.

Zwei Männer verkaufen an einem Stand, der mit Orangen dekoriert ist, Fruchtsaft. (Foto: Adam Jones / CC BY-SA 2.0)

Orangen und andere Zitrusfrüchte versorgen uns mit wertvollen Vitaminen

Umso gesünder ist das, was hinter der Schale steckt, zum Beispiel reichlich Vitamin C, B1 und E. Schon ein Viertel Liter Orangensaft deckt den täglichen Bedarf eines Erwachsenen an Vitamin C. Im 18. Jahrhundert wurde auf Schiffen der britischen Marine gepresster Zitronensaft ausgegeben, um den Folgen eines Vitaminmangels, der Krankheit Skorbut, vorzubeugen. Auch Folsäure, Kalium, Selen, Carotinoide und Flavanoide machen das Obst zu einem gesunden Nahrungsmittel. Wegen ihres positiven Effekts auf die Blutgefäße beugen gewisse Flavanoide, wie Studien zeigen, dem Schlaganfall vor. Andere Substanzen aus dieser Gruppe wirken der Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2) entgegen, die häufig als Folge von Fettleibigkeit auftritt.

Aus dem Zitronengürtel in die Welt

Die Kombination aus Süße und säuerlich erfrischendem Geschmack, macht Zitrusfrüchte zu einer der beliebtesten Obstsorten. Je länger die Früchte in der Sonne am Baum hängen, desto süßer werden sie. Nach der Ernte wird kein Zucker mehr nachgebildet. Sehr früh geerntete Früchte sind daher sauer und ein Nachreifen auf oder nach dem Transport, wie man es bei anderen Obstsorten kennt, unmöglich. In etwa 140 verschiedenen Ländern in einem breiten „Zitronengürtel“ rund um den Äquator werden Zitrusfrüchte heute angebaut und von dort in alle Welt verschickt. Gehandelt wird mit ihnen in weitaus größerem Umfang als mit Äpfeln, Birnen, Kirschen oder Pfirsichen.

Naher Blick auf eine Orangen-Pflanze. Das Bild zeigt eine Flucht vieler saftig-grüner Pflanzen mit gelben Früchten. (Foto: U.S. Department of Agriculture / CC BY 2.0)

Die Früchte werden in einem breiten "Zitronengürtel" rund um den Äquator angebaut.

Ursprünglich gab es Zitruspflanzen nur in Indien und China. Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus brachte Alexander der Große sie nach Griechenland und in die Türkei. Christoph Columbus hatte Zitruskerne im Gepäck und setzte sie auf der karibischen Insel Hispaniola im heutigen Haiti in die Erde. Und 1654 gelangten die ersten Orangen- und Zitronensträucher über die Insel Sankt Helena im Südatlantik nach Südafrika. Südafrika ist heute nach Spanien der zweitgrößte Exporteur frischer Zitrusfrüchte. Allein 140.000 Tonnen Zitronen und Limetten wurden im Jahr 2010 hauptsächlich nach Asien und Europa verfrachtet.

Ein traditionell wichtiges Importland für die südafrikanischen Zitrusfrüchte ist Großbritannien. Der britische Autor Rudyard Kipling, Schöpfer des „Dschungelbuchs“, dokumentierte 1902 in einem seiner Briefe die ersten Transporte der - seiner Meinung nach - „sehr schmackhaften“ südafrikanischen Früchte nach England. Dort ist der Freilandanbau, wie in anderen nördlichen Gebieten, wegen des Klimas undenkbar. Zitronenpflanzen zum Beispiel sind sehr kälteempfindlich und wachsen am liebsten unter subtropischen Bedingungen.

Der Klimawandel bringt den Vitaminbomben Vor- und Nachteile

Im Verhältnis zu anderen Obstsorten und Feldfrüchten werden Zitruspflanzen zunächst wohl recht gut mit dem Klimawandel zurechtkommen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2007, die sich mit den Auswirkungen der steigenden Temperaturen auf verschiedene Agrarpflanzen beschäftigt, wird die weltweite Anbaufläche für Orangenbäume, die es warm lieben, bis zum Jahr 2055 sogar ein wenig zunehmen. Die Fläche, die sich dann noch für den Anbau von Zitronenbäumen eignet, wird den Schätzungen zufolge um rund 10 Prozent zurückgehen. Zum Vergleich: bei Erdbeeren wird dieser Rückgang 32 Prozent, bei Weizen 18 Prozent betragen.

Der Citrus Greening Erreger, ein ovales Bakterium, auf grünem Grund mit gelben Fühlern und orangen Augengebilden. (Foto: Peter Stephen / Bugwood.org / CC BY-NC 3.0 US)

Citrus Greening wird durch Bakterien verursacht, die von Blattflöhen (hier im Nymphenstadium) übertragen werden.

„Für die Zitronenernte (Citrus limon) erwarten wir durch den Klimawandel zunächst erst einmal keine großen Beeinträchtigungen“, sagt Tim Grout vom Forschungsinstitut „Citrus Research International“, der südafrikanischen Zitrusanbauer in Nelspruit (Mbombela). „Steigt die Temperatur aber um mehr als ein oder zwei Grad, könnte der Ertrag zurückgehen, weil die Pflanzen vorzeitig ihre Früchte abwerfen“, sagt Grout. Besonders empfindlich sind hier kernlose Zitronensorten. Andere Experten halten Ernteeinbußen außerdem für möglich, weil die Gefahr für einen Schädlingsbefall ansteigt. So könnten mehr Blattflöhe auftreten, die das gefürchtete „Citrus Greening” übertragen, eine Krankheit, die durch eine Gelbfärbung der Blattadern auffällt und zum Absterben der ganzen Pflanze führt.

Der einzelne Zitronenbauer in Südafrika könnte dann klimabedingte Einbußen zu spüren bekommen. „Auf das ganze Land bezogen, wird sich der Verlust aber nicht bemerkbar machen“, sagt Tim Grout. Denn Zitronenpflanzen werden in Südafrika verteilt über insgesamt drei Klimazonen angebaut: in den fast tropischen, niedrig gelegenen Regionen im Nordosten des Landes, wie Limpopo oder KwaZulu-Natal, den höher gelegenen subtropischen Gebieten und in Meeresnähe, am kühleren Eastern und Western Cape.

Umzug ins Ausweichquartier, wenn die Hitze kommt

„Sollte es den Zitronen in Limpopo irgendwann zu heiß werden, könnte man mit dem Anbau noch stärker in Richtung Eastern Cape gehen, wo jetzt ohnehin schon die meisten Zitronenbäume wachsen“, sagt Tim Grout. Die Klimavielfalt Südafrikas hat zusätzlich zum möglichen „Umziehen“ der Anbaugebiete noch weitere Vorteile. Die Früchte können über einen weiten Zeitraum geerntet und eine Vielzahl an verschiedenen Zitrusfrüchten je nach Klimavorlieben optimal angebaut werden. Grapefruit und Mandarinen wachsen zurzeit eher in den nördlicheren Gefilden, Orangen eher im Süden des Landes.

In Ländern, die nicht über ein so komfortables Klimaangebot verfügen, müssen sich die Pflanzenzüchter generell auf die Suche nach trocken- und hitzeresistenten Obst- und Gemüsesorten machen. Leider wurde laut der unabhängigen Forschungseinrichtung „Bioversity International“ (Rom) in 19 afrikanischen Ländern in der Vergangenheit finanziell immer weniger in die Pflanzenzucht investiert. Gerade jetzt müsste dies aber geschehen. Schließlich dauert es einige Jahre, um neue Pflanzensorten für den Anbau in veränderten Klimabedingungen hervorzubringen.

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