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Kultur

Zirkus - Ort für Träume und Sensationen

Seit Jahrhunderten fasziniert der Zirkus Jung und Alt. Dort kommt man ins Staunen, die Fantasie wird angekurbelt und das Lachen hervorgezaubert. Zehn Dinge, die Sie über den Zirkus wissen sollten.

Man mag noch so viele Zirkus-Vorstellungen im Fernsehen geschaut haben – so richtig nahe kommt man dem Phänomen erst live, am Rande der Manege. Sie ist der Ort, wo jedem etwas geboten werden soll, was er nie vergisst.

1. Woher kommt der Name Zirkus?
Das deutsche Wort Zirkus entstammt dem lateinischen Circus oder dem griechischen kirkos. Beide Begriffe beschreiben eine kreis- oder ellipsenförmige Arena, in der in der Antike Wagenrennen, Tier- oder Gladiatorenkämpfe ausgetragen wurden. Der größte Cirkus im antiken Rom war der Circus Maximus. Er fasste angeblich bis zu 250.000 Zuschauer. Eine Gemeinsamkeit zum neuzeitlichen Namen Zirkus besteht jedoch nur in der Bezeichnung der Aktionsfläche.

2. Seit wann gibt es Zirkusse?

Zirkuspferde Foto: picture alliance/Eventpress/H. Magerstaedt

Pferde - die ersten Stars in der Manege

Der Zirkus, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich seit Mitte des 18. Jahrhunderts. Alles begann in England. Als sein "Erfinder" gilt Philip Astley (1742-1814). Der Reiter der Extraklasse diente zunächst bei den Dragonern und eröffnete 1768 eine Reitschule in London. Dort trainierte er mit seinen Pferden und führte zwischendurch seine Kunststücke dem Publikum vor. Am Anfang aller Darbietungen steht also das Dressurreiten. In Anlehnung an den Circus Maximus nannte er seine Arena "Cirkus".

3. Wie groß ist eine Manege?

Pferde in der Manege Foto: Sofia Grube und Paola Seyfarth

Pferde im Dreizehn-Meter-Kreis

Die von Astley gewählte runde Form hatte zunächst einen Durchmesser von 19 Meter. Den änderte er später auf 13 Meter – ein Maß, dass für die Arbeit mit Pferden ideal zu sein scheint. Die Pferde bekommen keine zu starke Innenlage, die Artisten können bei Kunststücken auf dem Pferderücken die Zentrifugalkräfte nutzen. Der Durchmesser von 13 Meter ist bis heute Standard für das Zirkusrund.

4. Vom Freiluftmanege zum Zelt

Philip Astley's Royal Amphitheatre in London Copyright: picture alliance//HIP/Museum of London

Astley's imposantes Royal Amphitheatre

Ein Dach und Sitzplätze bekam Astleys Cirkus erst einige Jahre später. Das Zuhause seines Cirkus gipfelte 1794 im Astley's Royal Amphitheatre, das tatsächlich stark einem Theater ähnelte. Zusätzlich zum Ring bekam es noch eine Bühne. Schon zwölf Jahre zuvor hatte der erfolgreiche Unternehmer einen ersten Zirkus in Paris und danach 18 weitere Zirkusse in anderen europäischen Städten gegründet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fand Zirkus nur in festen Spielhäusern statt. Den Anfang machte diese Kunst ganz einfach unter freiem Himmel, an provisorischen aufgebauten Stätten mit Manegen aus Brettern. Später entstanden Manegen, die schnell auf- und wieder abgebaut werden konnten. Die größte Neuerung entwickelte sich schließlich in den USA – das Zirkuszelt. Ab 1900 setzte es sich auch in Deutschland durch. Zirkus war jetzt mobil und konnte überall spielen.

5. Zirkus-Programm im Wandel

Drei Frauen am Reck Photo: LEVI BIANCO/NEWS FREE/AE pixel

Gewagte Luftnummer

Schon Astley erkannte, dass Pferde und die Kunstreiterei allein nicht reichten, um das Publikum dauerhaft anzulocken. Deshalb erweiterte er nach einigen Jahren das Angebot um ein Orchester, Clowns und Jongleure. In Frankreich entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine ausgefeilte Pantomime mit oft hunderten Darstellern. In den USA präsentierte man 100 Jahre später den Wild-West-Zirkus mit Buffalo Bill, der auch durch Europa tourte. Solche Formen der Darbietung hatten ihre Zeit, danach verschwanden sie wieder.

6. Artisten, Akrobaten, wilde Tiere

Zwei weiße Tiger Foto: picture-alliance/dpa

Sprung durchs Feuer - eine der gefährlichsten Tiger-Nummern

Jongleure, Akrobaten, Artisten, Zauberkünstler und Tierdressuren – das sind bis heute die Hauptbestandteile eines guten und abwechslungsreichen Zirkusprogramms. Phasenweise lösten spektakuläre Raubtierdressuren die dominierenden Pferdenummern unterschiedlicher Art ab. Erst recht in einer Zeit, in der lebende Löwen oder Tiger nur in Zirkussen zu sehen waren oder später in den ersten Zoos. Auch die Schau exotischer Tiere boomte. Die Pferde konnten sie aber zu keiner Zeit aus den Mangen verdrängen.

7. Diskussion um Art gerechte Tierhaltung

Zirkuselefant dpa - Bildfunk

Ob sich dieser Elefant in seiner dicken Haut wohl fühlt?

1831 waren in Frankreich die ersten dressierten Löwen im Zirkus zu sehen – ein riesiger Publikumserfolg. Von nun an waren Großkatzen aller Art gefragt, dazu auch Bären oder Hyänen. Doch seit den 1990 Jahren üben Tierschutzverbände und Tierrechtler massive Kritik daran, wie Zirkusunternehmer ihre Tiere behandeln. Ihr Vorwurf: Nicht Art gerechte Haltung exotischer Tiere oder negative Folgen durch die Dressurmethoden im Zirkus. Die Zirkusleute wiederum habe Argumente dagegen. Wegen der hohen gesetzlichen Auflagen hat sich die Zahl der Tiere allerdings verringert und ihre Bedeutung in der Manege läßt nach.

8. Kein Zirkus ohne Clown

Clowns bei der Arbeit

Verrückte Jungs

"Ist der Zirkus noch so klein, einer muss der August sein", ein geflügelte Wort. Ein Clown gehört ebenso zu einem Zirkus wie das Zelt. Neben dem "Dummen August", sozusagen der Trottel von Dienst, hat der sogenannte Weißclown die Rolle des Seriösen und Intelligenten. Zumeist sind es mehrere Clowns, die ihren Schabernack treiben, mit ihren Späßen für allgemeine Erheiterung und herzhaftes Lachen sorgen und immer wieder dem Publikum den Spiegel menschlicher Schwächen vorhalten.

9. Gute Zeiten – schlechte Zeiten
Nach der Erfindung der Zirkuszelte begann in Deutschland um das Jahr 1900 die große Zeit der Wanderzirkusse. Selbst kleine Familienunternehmen waren so in der Lage, an jedem Ort zu spielen. Für den Zirkus insgesamt brach ein goldenes Zeitalter an. Nie gab es mehr Zirkusunternehmen als in den 1920er Jahren. Ohne den Ersten Weltkrieg und die anschließende Weltwirtschaftskrise wären es wohl noch sehr viel mehr gewesen. Beides sorgte für eine Krise dieses Gewerbes.

Extrem schwer war die Zeit des Nationalsozialismus. Durch die Judenverfolgung verloren viele Zirkusse Mitarbeiter. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Material beschlagnahmt oder durch Bombardierungen zerstört. Aufwärts ging es dann erst wieder nach Kriegende. Nach den schlimmen Jahren waren Ablenkung und Zerstreuung gefragt. Alte Zirkusse spielten wieder, neue wurden gegründet. Doch Mitte der 1950er Jahre setzte ein erneutes Zirkussterben ein.

10. Wie viele Zirkusunternehmen gibt es heute?

Dennoch: Ein für alle Mal sterben wird der Zirkus wohl nie. In Deutschland sind immerhin rund 300 Zirkusunternehmen auf Achse – viele davon kleine Familienunternehmen. Der größte Zirkus hierzulande und in ganz Europa ist nach eigenen Angaben der Cirkus Krone. Das 1905 geründete Münchner Unternehmen hat alle Zeiten überstanden. Aktuell hat es rund 400 Angestellte und etwa 250 Tiere. Der Circus Krone bespielt in München das einzige feste Zirkusgebäude in Deutschland.