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Nahost

Zipi Liwni sitzt nach Olmert-Kritik auf wackligem Stuhl

Die beliebte israelische Außenministerin Zipi Liwni muss nach ihrer Rücktrittsforderung an den Ministerpräsidenten Ehud Olmert um ihr eigenes Amt fürchten. Eine wichtige Rolle wird sie aber auf jeden Fall weiter spielen.

Israel Außenministerin Tzipi Livni

Zipi Liwni hat sich weit gegen Olmert vorgewagt - zu weit?

Als Stellvertreterin des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert sitzt Außenministerin Zipi Liwni auf der Regierungsbank zur Rechten des Premiers. Zu sagen haben sich die beiden aber offensichtlich nichts mehr, seitdem die Ministerin ihren Chef aufgefordert hat, in Reaktion auf den Untersuchungsbericht über die Hintergründe des Libanonkrieges zurückzutreten und seitdem sie sich selbst als mögliche Nachfolgerin ins Spiel gebracht hat. Olmert ignoriert die Ministerin einfach und er scheint nur deswegen von ihrer Entlassung abzusehen, weil das ihr Ansehen möglicherweise nur stärken würde.

So könnte die 49-jährige Anwältin mit ihrem Vorpreschen einen taktischen Fehler begangen haben. Dabei war sie doch bisher als gewiefte Taktikerin bekannt und geschätzt. Nicht zuletzt deswegen hatte noch der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die attraktive Liwni ins Kabinett geholt: Nach einigen eher unbedeutenden Ressorts übernahm sie das Justizministerium und erwarb sich dort den Respekt ihrer – durchweg älteren – Kabinettskollegen.

Ehemalige Mossad-Offizierin

Politisch ist ihre Position immer eindeutig gewesen. Nicht nur, weil Liwnis Vater jahrelang als einer der prominentesten Vertreter der erzkonservativen "Revisionisten" um Menachem Begin in der Knesset saß. Die Tochter war – gemeinsam mit Scharon - gegen die Oslo-Abkommen und gegen den Rückzug aus dem Libanon. Die ehemalige Offizierin des Geheimdienstes ("Mossad") steht Verhandlungen mit den Palästinensern skeptisch gegenüber und befürwortet stattdessen einen israelischen Alleingang.

Liwni mit Scharon

Liwni mit Scharon im Jahr 2005


Israel müsse selbst entscheiden, was für "die Sicherheit seiner Kinder" wichtig ist. Deswegen wich Liwni von der offiziellen Linie ab, nach der die von Israel errichtete Sperranlage gegenüber der Westbank nur eine vorübergehende Sicherheitsmaßnahme sei. Sicher werde dies eines Tages auch die Grenzlinie sein. Und Liwni unterstützte auch den von Ariel Scharon verfügten einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen und setzte ihn gegen den Widerstand aus den eigenen Reihen durch.

Gebremster Aufstieg


In zähen Verhandlungen konnte sie den "Likud" auf die Linie Scharons einschwören, der Rückzug aus Gaza war aber dennoch der Anfang vom Ende: Als sich erneuter Widerstand gegen seine Politik rührte, beschloss Scharon, den "Likud" zu verlassen und seine eigene Partei ("Kadima") zu gründen. Zu den engsten Vertrauten, die ihm bei diesem Umzug folgten, gehörten Ehud Olmert und Zipi Liwni.

Als Scharon Anfang 2006 ins Koma fiel, wurde Olmert sein Nachfolger und Liwni rückte ins Außenministerium auf. Nicht erst da sagte man der begabten Aufsteigerin voraus, dass sie eines Tages wahrscheinlich sogar Ministerpräsidentin werden könnte. Das gilt sicher auch weiterhin, aber durch das voreilige Vorpreschen gegenüber Ehud Olmert könnte sich der unaufhaltbare Aufstieg der Zipi Liwni nun erst einmal verlangsamen.





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