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Nahost

Zipi Livni - von der Agentin zur Politikerin

Sie gilt als mächtigste Frau in Israel seit der legendären Ministerpräsidentin Golda Meir aus den 70er Jahren. Die frühere Geheimdienstagentin Livni war lange Chefunterhändlerin im Nahost-Friedensprozess.

Wahlkampf in Israel - Foto:ap

Zipi Livni bei einer Wahlkampfveranstaltung der Kadima

Über ihr Privatleben redet sie in Interviews so gut wie nie, sie schminkt sich ungern und legt keinen Wert auf Statussymbole. Zipi Livni ist eine der einflussreichsten Personen im Land und wegen ihrer direkten Art auch besonders beliebt beim Volk. Sie ist das Gesicht der israelischen Regierung, einer Regierung die überwiegend aus Männern besteht und wo das rau sein oft wichtiger erscheint als clever zu sein. Livni widersetzt sich diesen Stereotypen. Sie gilt als geradlinig, glaubwürdig und unbestechlich - im Gegensatz zu einigen ihrer männlichen Kollegen. Sie hat keinerlei Korruptionsgeschichten im Koffer. Zipi Livni, so heißt es, ließe sich noch nicht einmal auf einen Kaffee einladen.

Die Sauberfrau

Dass sie das Amt des Premierministers anstrebt war spätestens dann klar, als die Winograd-Kommission Olmert „schwerwiegendes Versagen“ nach Beendigung des Libanonkrieges 2006 vorwarf und Livni ihm nahe legte sein Amt niederzulegen. Er lehnte einen Rücktritt ab. Es folgten zahlreiche Korruptionsaffären. Die Stimmung zwischen Olmert und Livni ist seither eisig, sagt der israelische Historiker Yair Hirschfeld von der Universität in Haifa.

Seit die Korruptionsaffären um Premierminister Ehud Olmert an die

Israel Außenministerin Tzipi Livni und Ministerpräsident Ehud Olmert

Sie haben kein gutes Verhältnis - Zipi Livni und Ehud Olmert

Öffentlichkeit kamen, strahlte ihre reine Weste noch weißer als zuvor. Sie hat die Chance nach Golda Meir die zweite Frau an der Spitze des Staates Israel zu werden. Ihre Gegner holen allerdings zum Gegenschlag aus, versuchen ihr "Saubermannimage" zu torpedieren. Ihr fehle eine langjährige militärische Karriere. Kürzlich erst wurde genaueres über ihre Tätigkeit beim israelischen Geheimdienst Mossad bekannt. Dort soll sie palästinensische Terroristen gejagt haben. Informationen, die wohl platziert klingen, um ihr Durchsetzungsvermögen zu bescheinigen, und dennoch: So einfach scheint es für sie nicht zu werden, sagt Yair Hirschfeld, denn sie muss sich gegen eine eingeschworene Männerfront durchbeißen.

Vom Likud bis zur Kadima

Anders als ihr Ziehvater Ariel Sharon oder Ehud Olmert hat die 50-jährige erst vor 13 Jahren mit der Politik begonnen und wurde erst 1999 in die Knesset gewählt. Sie besetzte mehrere Ministerposten. Scharons Schützling wuchs über die Rollen hinaus, die er ihr zugewiesen hatte.

Ariel Sharon Justizministerin Livni und Roni Baron 2005

Zipi Livni und Ariel Sharon

Es war Zipi Livni, die zwischen Scharon und seinen Gegnern so lange vermittelte bis der Abzug aus dem Gazastreifen doch zustande kam. Sie war es die Scharon dazu drängte den Likud zu verlassen und die Kadima zu gründen. Sie schrieb sogar das Parteiprogramm. Viele ihrer ehemaligen Likud-Kollegen haben ihr das nie verziehen. Zipi Livni ist es, die heute die Verhandlungen mit den Palästinensern führt und von einer Zwei-Staaten-Lösung spricht: "Ich glaube, dass dies ebenfalls eine gute Gelegenheit für die gesamte arabische Welt ist. Sie müssen die Moderaten unterstützen, sie sollten den bilateralen Prozess zwischen Israel und den Palästinensern fördern ohne dabei das Resultat vorzugeben. Sie sollten Israel dazu motivieren positive Schritte in Richtung der Palästinenser zu machen."

Strenge Eltern

Der Weg in die Mitte war nicht vorgezeichnet. Sie entstammt einem streng rechten Elternhaus. Livnis Vater Eitan hat einst der rechten Untergrundbewegung Irgun angehört, die mit allen Mitteln versuchte gegen die britische Mandatsmacht zu kämpften. Bei den Livnis zu Hause standen Bücher des russisch-militanten Zionisten Vladimir Jabotinsky, der für ein Großisrael eingetreten ist. Ihr Vater war nach der Staatsgründung Mitglied in der Herut Partei, dem heutigen Likud. 2006 erzählte die studierte Juristin der New York Times in einem Interview, dass sie wie ihre Eltern auch daran glaube, dass das jüdische Volk ein Anrecht auf das gesamte Land habe, dennoch müsse man einen Teil des Territoriums nun aufgeben, um einen demokratischen Staat mit mehrheitlich jüdischem Staatsvolk zu erhalten.

Es ist wohl dieser ideologische Gesinnungswandel, der sie so populär im Volk macht, ihr aber auch einige Probleme in den eigenen Reihen bringt. Israels Bevölkerung jedoch schätzt diese pragmatische Art an ihr, denn wie Livni selbst hält auch sie einen Palästinenserstaat für dringend notwendig, natürlich unter gewissen Bedingungen, wie die Außenministerin immer wieder betont: "Jede zukünftige palästinensische Regierung muss die Voraussetzungen und Anforderungen erfüllen, die wir stellen. Sie sollten alle vorher getroffenen Abkommen umsetzen, das Existenzrecht Israels natürlich anerkennen, dem Terrorismus und Gewalt abschwören, sowie terroristische Vereinigungen und Infrastrukturen aufdecken."

Nach der Rücktrittsankündigung des israelischen

Livni Rice Gaza-Krieg Hamas

Eine letzte Amtshandlung von Frau Rice- ein Abkommen mit Israel unterschreiben

Ministerpräsidenten Ehud Olmert wurde Zipi Livni im vergangenen September 2008 in einer Wahl zur neuen Vorsitzenden der größten Regierungspartei Kadima gewählt. Dies gab ihr das Mandat, eine neue Koalition zu bilden, doch die religiöse Schas-Partei verweigerte ihr die Gefolgschaft, so dass schließlich Neuwahlen angesetzt wurden.

Zuletzt verteidigte die 50-jährige die israelische Offensive im Gazastreifen vehement gegen internationale Kritik. Mit den USA handelte sie noch vor Obamas Amtsantritt ein Abkommen aus, das die Wiederbewaffnung der radikal-islamischen Hamas verhindern soll.