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Wirtschaft

Zinswende in den USA so gut wie sicher

Die US-Notenbank Fed wird am Mittwoch vermutlich die Leitzinsen anheben - zum ersten Mal seit 2006. Wie werden Märkte und Wirtschaftsregionen das Ende des ultrabilligen Geldes verkraften?

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Globale Auswirkungen der Geldpolitik

Ralph Solveen, stellvertretender Leiter der Research-Abteilung der Commerzbank, ist sich ziemlich sicher: "Nächsten Mittwoch ist es endlich so weit. Dann wird die amerikanische Notenbank zum ersten Mal seit neun Jahren wieder ihren Leitzins anheben und damit die lange Phase ihrer Nullzinspolitik beenden", ist Solveen überzeugt. "Drei, zwei, eins, Lift Off!", nennen die Volkswirte das, was die amerikanische Notenbank Fed vermutlich in dieser Woche beschließen wird.

Und das wird Folgen haben - nicht nur für die amerikanische Wirtschaft, sondern auch für Europa, Asien und die Schwellenländer. Anders als in den USA wird die Europäische Zentralbank noch sehr lange an ihrer Fast-Null-Zinspolitik festhalten. Einmal, weil EZB-Chef Mario Draghi noch immer eifrig gegen vermeintliche Deflationsgefahren in Europa kämpft, und zum anderen, weil der Aufschwung in Europa viel zu zaghaft ist, um ihn ausgerechnet jetzt mit einer Zinserhöhung zu gefährden.

Euro - Dollarparität?

Wenn die Fed die Zinsen erhöht, wird jedoch der Euro tendenziell abwerten und vermutlich auf eine Dollarparität zusteuern, aktuell steht er etwa bei 1,09 Dollar. Vom schwachen Euro profitieren alle Exporteure in Europa, die ihre Produkte im Dollarraum absetzen, weil diese Produkte günstiger werden - nicht nur in den USA, sondern auch in Asien, wo im grenzüberschreitenden Handel ebenfalls in Dollar gerechnet wird.

Umgekehrt wird der Sinkflug der Preise für Rohstoffe und Energie ein Ende haben, weil sich fallende Rohstoffpreise und ein steigender Dollar gegenseitig neutralisieren.

Sollten sowohl die Rohstoffpreise steigen als auch der Euro unter die Dollarparität rutschen, müsste EZB-Präsident Mario Draghi eigentlich jubeln: Dann importieren wir Europäer nämlich mit jeder Rechnung in Dollar die Inflation, die sich der EZB-Präsident für die Eurozone so sehnlichst herbeiwünscht.

Wie stark ist die Bremswirkung?

Wie stark der Euro abwertet, hängt auch davon ab, wie stark die Fed die zinspolitischen Zügel anziehen wird. "Viele rechnen mit einem sehr langsamen Vorgehen der Fed, auch weil sie befürchten, dass die amerikanische Wirtschaft mit höheren Zinsen und einem noch stärkeren Dollar nur schwer zurechtkommen wird", weiß Ralph Solveen von der Commerzbank. "Nach unserer Analyse dürften aber die höheren Zinsen den privaten Verbrauch kaum beeinträchtigen. Und der stärkere Dollar dürfte die Wirtschaft in dem kommenden Quartal nur etwas stärker bremsen als er dies jetzt schon tut." Deshalb rechnen die Experten der Commerzbank damit, "dass die Federal Reserve die Zinsen eher etwas schneller anheben wird als vom Markt erwartet".

Sind die Folgen einer Leitzinsanhebung durch die Fed für Europa und die USA also durchaus verkraftbar, sieht das für die ohnehin schon schwächelnden Schwellenländer ganz anders aus. Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum lockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und weil sie als weniger riskant gelten.

Pause schon im Sommer?

Rohstoff-Exporteure wie Brasilien oder Russland, die bereits jetzt wegen des Preisverfalls von Rohöl, Kupfer & Co. in einer Rezession stecken, trifft die US-Zinswende doppelt hart: Denn ein höherer Dollar-Kurs macht die meist in US-Währung abgerechneten Rohstoffe für Anleger außerhalb der USA unattraktiver. Dies drückt die Preise und damit die dringend gebrauchten Deviseneinnahmen noch weiter nach unten.

"Die Fed hat sich bisher viel Mühe gegeben, den Eindruck einer allzu mechanistischen Ausrichtung der Geldpolitik zu entkräften", schreiben die Commerzbank-Volkswirte in einer Analyse. "Die Leitzinsen sollen keineswegs entlang eines völlig vorhersehbaren Pfades angehoben werden. Die Notenbank behält sich vor, auf veränderte Daten oder heftige Reaktionen des Marktes mit einer Pause bei den Zinsanhebungen zu reagieren." Ein Umstand, den sich vermutlich viele Wirtschaftspolitiker in den Schwellenländern schon jetzt herbeiwünschen würden.

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