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Wirtschaft

Zinsen in den USA steigen leicht

Die US-Notenbank Fed hat das Ende ihrer Niedrigzinspolitik eingeleitet: Erstmals seit vier Jahren hob die Zentralbank am Mittwoch ihren Leitzins an.

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Fed-Chef Alan Greenspan agiert mit ruhiger Hand


Der Leitzins steige um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent, erklärte die Fed nach ihren zweitägigen Beratungen. Da keine größeren Inflationsgefahren zu erwarten seien, könne die Fed wohl weiterhin mit "maßvollem Tempo" vorgehen. Der Dollar zeigte unmittelbar nach dem Beschluss zunächst keine spürbare Reaktion. "Die Fed hat genau das getan, was sie wollte, nämlich die Märkte nicht zu bewegen", sagte Volkswirt Kevin Logan von Dresdner Kleinwort Wasserstein in New York. "Sie hat die Absicht, die Zinsen in gemäßigtem Tempo zu erhöhen, dann wird sie eine Pause einlegen."

Was sagen die Zahlen?

Mit der Zinserhöhung verteuert sich die Kreditaufnahme in der größten Volkswirtschaft der Welt. Da höhere Kosten bei der Schuldenaufnahme in der Regel auch eine Bremswirkung auf das Wirtschaftswachstum haben, ist die Entscheidung der Fed im Jahr der Präsidentenwahlen in den USA auch von politischer Bedeutung. Angesichts der wieder brummenden US-Konjunktur und der steigenden Inflation hatte US-Notenbankchef Alan Greenspan schon vor Wochen eine Wende in der Zinspolitik angekündigt, dabei aber betont, die Fed werde die Zinsen allmählich und schrittweise anheben. Seit der letzten Entscheidung Anfang Mai habe sich die Konjunktur "solide" entwickelt und sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessert. Zum jüngsten Anziehen der Inflation infolge hoher Ölpreise zeigte sich die Notenbank nicht beunruhigt.

"Obwohl die hereinkommenden Inflationsdaten etwas erhöht sind, scheint ein Teil des Anstiegs auf vorübergehenden Faktoren zu basieren", hieß es. Daten vom 30. Juni deuteten allerdings darauf hin, dass sich das Wachstum im Verarbeitenden Gewerbe im Juni deutlich verlangsamt hat. Der an den Finanzmärkten stark beachtete Chicagoer Einkaufsmanagerindex fiel deutlich auf 56,4 (Mai 68,0) Punkte. Angesichts des jüngsten Preisauftriebs fürchten manche Experten allerdings, dass die Fed es versäumt hat, den Zinserhöhungszyklus rechtzeitig einzuläuten. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai so stark wie seit einem Jahr nicht mehr.

Keine unmittelbaren Auswirkungen

Zuletzt hatte die Fed ihre Zinsen im Mai 2000 erhöht. Seitdem beschloss die Notenbank 13 Zinssenkungen und reagierte damit unter anderem auf das Platzen der Internet-Blase, die Terroranschläge von 11. September 2001 und den Irak-Krieg. Im Juni vergangenen Jahres wurde mit einem Prozent der niedrigste Stand seit 1958 erreicht. An der Börse wurde mit Erleichterung aufgenommen, dass die Fed jetzt einen Kurswechsel eingeleitet hat. Der Dow Jones, der durch ein überraschend starkes Absinken des Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago vor der Entscheidung ins Minus gerutscht war, drehte wieder leicht ins Plus. John Hughes, Analyst bei Shield's and Co. sagte, die Erklärung der Fed zeige, dass Greenspan "nicht besonders besorgt" über die Inflation sei.

An den Devisenmärkten hatte die Entscheidung keine unmittelbaren Auswirkungen: Der Kurs der US-Währung blieb mit 1,2175 Dollar für einen Euro fast unverändert. Auch auf die Europäische Zentralbank (EZB), die am 1. Juli über ihre Zinsen entscheidet, wird die Anhebung der Zinsen in den USA keine unmittelbaren Auswirkungen haben. Mit der Wende in der US-Zinspolitik werde aber Druck von der Europäischen Zentralbank genommen, "ihre eigenen Zinsen zu verringern", sagte der Volkswirt bei der US-Bank Goldman Sachs, Nicolas Sobscack. (arn)

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