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Afrika

Zink: "Malis neuer Präsident kann viel bewegen"

Der Leiter der EU-Delegation in Mali, Richard Zink, äußert sich zu den innenpolitischen Herausforderungen und den externen Erwartungen, denen sich der neue malische Präsident Ibrahim Boubacar Keïta stellen muss.

Älterer Mann sitzt am Tisch und schaut in die Kamera. Foto: Katrin Gänsler

Mali Präsidentschaftswahl 30./31. Juli Richard Zink

DW: War Ibrahim Boubacar Keïta der Wunschkandidat des Westens, der Geberländer?

Richard Zink: Weder Frankreich, noch die Vereinten Nationen, noch die Europäische Union haben einen Wunschkandidaten gehabt. Unser Wunsch war eine gute Wahl, eine gute Wahlbeteiligung, ein transparenter Wahlprozess - und das hat es gegeben.

Mali und Deutschland haben vor dem Staatsstreich vom 22. März 2012 gute Beziehungen unterhalten. Wie könnte sich die Wahl von Keïta nun auf das deutsch-malische Verhältnis auswirken?

Keïta hat in Frankreich studiert, kennt Europa sehr gut. Er ist ein sehr belesener Mann und ein großer Kenner von Hegel. Also die Beziehungen zwischen Deutschland und Mali werden sicherlich genauso freundlich sein wie in der Vergangenheit. Das Gleiche gilt für Europa insgesamt.

Auf den neuen Präsidenten kommen viele Aufgaben zu, was meinen Sie, welche er als erste angehen wird? Die marode Infrastruktur im Norden, die hohe Arbeitslosigkeit, den Konflikt mit der MNLA im Norden?

Ich habe ihn vor Kurzem gefragt: Was ist denn die Aufgabe des neuen Präsidenten? Er will eine Nationalkonferenz organisieren und dabei die Dinge auf den Tisch legen, die Mali in den letzten Monaten bewegt haben. Also die Frage des Nordens, die Frage der nationalen Einheit, die Frage der Zusammenarbeit. Danach kommen die Parlamentswahlen und daneben natürlich die Wiederbelebung der Wirtschaft. Mali hat enorme soziale Probleme und braucht eine funktionierende Wirtschaft.

War Ibrahim Boubacar Keïta der Wunschkandidat der "Bewegung für die Befreiung Azawads" (MNLA), die versucht hatte den Norden Malis von der Zentralregierung abzuspalten und einen eigenen Staat zu gründen?

Die MNLA sieht ihn sicherlich - im Vergleich zu den anderen Kandidaten - als ihren bevorzugten Präsidenten.

Was erhofft sich die MNLA von Ibrahim Boubacar Keïta?

Die MNLA erhofft sich, dass er die Autorität hat, das Land zu führen. Seine Frau kommt auch aus dem Norden, er kennt auch den Norden relativ gut und er hat in seinem Apparat Leute, die sich mit dem Norden auskennen. Die MNLA glaubt, dass er ein relativ gutes Verständnis hat von der Situation. Er war auch in seiner Wahlkampagne der erste der Kandidaten, der in die nordmalische Stadt Kidal reiste. Das wurde dort als positives Zeichen vermerkt.

Ist Keïta der Richtige, um den Konflikt mit der MNLA zu beenden und einen nachhaltigen Friedensvertrag auszuhandeln?

Keïta hat sicherlich viele Vorraussetzungen, um einen Friedensvertrag zu erreichen. Als ich in Kidal war wurde uns berichtet, dass es in der Vergangenheit bereits vier solcher Friedensverhandlungen gab. Nachher wurden die Versprechungen nie eingehalten. Es gibt Vorraussetzungen, die dieses Mal mehr Hoffnung machen. Erstens: Es gibt den neuen Präsidenten. Zweitens: Es gibt eine sehr viel stärkere internationale Präsenz. Immerhin ist eine große UN-Mission hier, die französischen Truppen sind hier, wir sind hier - alle Welt engagiert sich in Mali. Und drittens: Den Tuareg, uns und Bamako ist die Gefahr des Terrorismus sehr bewusst - als echte Gefahr auch für die Kultur und für den Zusammenhalt der Tuareg.

Nach UN-Angaben leben noch rund 200.000 Flüchtlinge in Malis Nachbarländern. Könnte die Wahl Keïtas dazu führen, dass sie nach Mali zurückkehren?

Wir beobachten seit einigen Wochen eine zunehmende Rückkehr von Flüchtlingen. Als ich in Kidal war hieß es, dass mehrere Lkw mit einer relativ großen Anzahl von Flüchtlingen aus Algerien wiederkamen. In Timbukutu sind zunehmend Flüchtlinge aus Mauretanien zurückgekommen. Da bewegt sich was - und mit erfolgreichen Verhandlungen wird sich da noch viel mehr bewegen.

Richard Zink ist Leiter der EU-Delegation in Mali. Er reiste kurz vor der Stichwahl (11.08.2013) in die von Tuareg-Rebellen besetzte Stadt Kidal im Norden des Landes. Für die EU war er unter anderem im Kongo, in Lesotho und in Äthiopien tätig.

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