1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Zika: Wie schafft es ein Virus ins Gehirn

Forscher haben das Zika-Virus im Gehirn von Babys mit Schädelfehlbildung gefunden. Wie bahnt sich ein Virus den Weg an diese sensible und gut geschützte Stelle? Virologe Herbert Pfister gibt Antworten.

Im brasilianischen Rio ist nun wohl erstmals seit Ausbruch des Zika-Virus ein Fötus im Mutterleib an der Infektion gestorben. Auch der Zusammenhang zwischen dem Virus und der Schädelfehlbildung Mikrozephalie wird klarer. So ist bei mehreren Neugeboren mit einem zu kleinen Kopf das Zika-Virus nachgewiesen worden.

DW: Ist das nun der Beweis, dass Zika tatsächlich zu Mikrozephalie - also Schädelfehlbildungen - führt?

Herbert Pfister: Wir haben diese Parallelentwicklung - einen Ausbruch von Zika-Infektionen und eine Häufung von Mikrozephalie-Fällen. Solche Parallelentwicklungen sind deutliche Warnsignale. Jetzt hat man das Virus auch im Gehirn gefunden - das ist ein weiterer Baustein und die Voraussetzung, dass das Virus eine Rolle bei der Mikrozephalie spielt. Eine Bestätigung steht aber noch aus.

Wie kommt denn eigentlich ein Virus ins Gehirn?

Es gibt einen bunten Strauß von Viren, die in das Gehirn gelangen können und dann dort zu schweren Schädigungen führen. Die Viren kommen entweder über das Blut oder über die Nerven. Beispielsweise das Herpes-Simplex-Virus und das Tollwut-Virus kommen über die Nerven ins Gehirn. Und gibt es die Viren, die vor allem durch Zecken und Moskitos übertragen werden und über das Blut ins Gehirn kommen. In den meisten Fällen bleibt das Virus aber vor dem Gehirn hängen. Wir werden alle viel häufiger infiziert, als dass dann wirklich etwas passiert.

Universität Köln Herbert Pfister

Herbert Pfister leitet das Institut für Virologie an der Universität Köln

Wie schützt sich das Hirn gegen diese Eindringlinge?

Das Gehirn ist eine Art Hochsicherheitstrakt des Körpers. Es gibt dort die Blut-Hirn-Schranke. Das ist eine Barriere zwischen dem Blutsystem und dem Innenraum des Gehirns. Ein Virus kann mit Hilfe von Zellen, die sich selbstständig bewegen können, diese Barrieren überwinden.

Wo setzen sich Viren im Hirn ab?

Schafft es das Virus in das eigentliche Gehirn, dann spricht man von einer Enzephalitis, also einer Gehirnentzündung. Oder es entzünden sich die Gehirnhäute - das wäre dann eine Meningitis. Oder das Rückenmark kann sich entzünden. Das wäre die Myelitis, wie man sie von der Kinderlähmung früher kannte. Alles, was im zentralen Nervensystem abläuft kann sehr gefährlich sein. Am Harmlosesten sind die Gehirnhäute - da hat der Patient gute Chancen.

Die Gehirnentzündung hat unterschiedliche Verlaufsformen. Eine Herpes-Simplex Gehirnentzündung endet unbehandelt in 70 Prozent der Fälle tödlich. Wer überlebt, hat schwere Schäden. Die Myelitis, die von der Kinderlähmung bekannt ist, kann im Verlauf zu Lähmung führen und wenn davon auch die Atemmuskulatur betroffen ist, bedeutet das den Tod.

Nun wissen wir, dass sich das Zika-Virus im Mutterleib auf das Ungeborene überträgt. Gibt es weitere Beispiele solcher Übertragungen von Viren auf Ungeborenen?

Ein schon lang bekanntes Beispiel sind Röteln. Als dagegen noch nicht geimpft wurde, war eine Rötelninfektion in der Frühphase der Schwangerschaft ein immenses Risiko für Fehlbildungen bei den Augen, im Gehör und auch im Gehirn. Etwa die Hälfte der Deutschen sind mit dem Cytomegalovirus - ein Herpes-Virus - infiziert. Bei einer Erstinfektion während der Schwangerschaft, kann das auch das Ungeborene befallen und zu schweren Missbildungen - bis ins Gehirn - führen. Das sind die beiden bekannten Beispiele für eine Ansteckung im Mutterleib und nun kommt eben wahrscheinlich noch das Zika-Virus hinzu.

Kann man die Erfahrungen dieser Krankheiten auch auf das Zika-Virus übertragen?

Für die meisten Viren gibt es keine Therapie - wie etwa Penicillin gegen Bakterien. Bei vielen Viren, die zu Gehirnentzündungen führen gibt es keine Behandlung. Insofern kann man daraus nicht viel lernen. Man muss in erster Linie solche Infektionen vermeiden.

Herbert Pfister leitet das Institut für Virologie an der Universität zu Köln.

Die Redaktion empfiehlt