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Ostmitteleuropa

Zigarettenschmuggel floriert weiter

- Polnische Behörden können den großen Bossen aber nichts nachweisen

Warschau, 18.9.2002, SUPEREXPRESS, poln.

Das Geschäft mit dem Zigarettenschmuggel blüht seit zehn Jahren. In dieser Zeit haben sich lediglich die Schmuggelmethoden und die Bekämpfungsstrategien geändert. Das Geschäft floriert jedoch nach wie vor. "Auf dem Markt sind heute nur die Größten, die sogenannten "Haie" dieses Geschäftes geblieben, die ein Vermögen durch den Zigarettenschmuggel bereits verdienten und außerdem noch legale Geschäfte betreiben", sagt Unterkommissar Wieslaw Ciepiela, von der Kommandantur der Polizei in Gorzow Wielkopolski (Landsberg).

Noch vor zehn Jahren versuchte fast jeder, Zigaretten ins Ausland zu schmuggeln. Auch die Methoden waren unterschiedlich. Einige versuchten dies mit Hilfe von Gummiboten, andere schmuggelten im Kofferraum oder in speziellen Verstecken ihres Wagens. Diese Schmuggler schmierten die Zollbeamten und kauften sich als erste Mobiltelefone und CB-Radios, um rechtzeitig über Kontrollen informiert zu werden, und sie verdienten ihr Geld dabei. (...)

Das Geschäft florierte bis 1997, als sich die polnischen und deutschen Grenzbehörden und die Polizei entschlossen, gemeinsam gegen den Zigarettenschmuggel vorzugehen. Dann wurden immer mehr Schmuggelversuche entdeckt und die kleinen Schmuggler verloren dabei mehrere Tausend Zloty. Dies führte wiederum dazu, dass sie sich aus dem Geschäft zurückziehen mussten. Auf diese Weise blieben nur die Haie im Geschäft (...)

Heute gibt es in Slubice (Frankfurt/O) vier bedeutende Zigarettenschmuggler. Jeder von ihnen betreibt ein legales Geschäft. Das große Geld verdienen sie jedoch durch den Zigarettenschmuggel: "Einer von ihnen fährt den neusten Mercedes und kaufte einen Geländewagen der Marke Toyota für seine Frau. Wir können ihm jedoch nichts nachweisen. Die ‘Haie‘ nehmen persönlich am Schmuggel nicht teil. Dafür haben sie Leute zur Verfügung, die weit von Slubice wohnen", sagt ein Polizist aus Slubice.

"Die Zigaretten werden von Russen, Ukrainern und Litauern gekauft. Der Preis für eine Stange liegt bei fünf bis sieben Euro. In Deutschland werden dafür zehn bis dreizehn Euro bezahlt und in Dänemark oder in England noch mehr. In einem beliebigen Wagen kann man 1000 bis 1500 Stangen verstecken. Ein Schmuggler verdient dabei 15.000 Zloty (etwa 3250 Euro) netto", sagt Kommissar Zygmunt Sobczak von der Polizei in Gorzow.

Seit einigen Jahren wird die Schmuggelware von Gangs nach Polen gebracht, die sich darauf spezialisiert haben. Ganze Transporte von Zigaretten werden zuerst in alten Scheunen oder Fabriken in der Nähe von Lublin, Lodz, Warschau und Bydgoszcz (Bromberg) gelagert. Dann werden diese Zigaretten auf Lastkraftwagen geladen und mit gefälschten Plomben versiegelt, und die Fahrer bekommen gefälschte Zollpapiere. Solch ein Transport passiert dann unbemerkt die Grenze. Es sei denn ein Zollbeamter wird mißtraurisch. (...)

"Den größten Schmugglern gelingt es, mehrere LKWs im Monat ins Ausland zu schicken. Auch wenn einer von ihnen entdeckt wird, werden die anderen ihr Ziel erreichen und den erlittenen Verlust ausgleichen. Die aufgedeckten Transporte sind von den Schmugglern einkalkuliert", sagt Kommissar Sobczak.

In der letzten Woche wurde von den Polizisten in Gorzow ein Arbeitsloser festgenommen. "Obwohl er behauptete, von Arbeitslosenunterstützung zu leben, bewohnt er ein schönes Haus und fährt einen Luxuswagen. Seit mindestens einem Jahr ist er der Kopf einer Schmugglerbande, die den Zigarettenschmuggel im großen Stil betreibt", sagt Zbigniew Kolecki von der Wiowodschaftskommandantur der Polizei. (Sta)

  • Datum 19.09.2002
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