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Sport

Zidane: Entschuldigung für Blackout

Drei Tage nach seinem Kopfstoß gegen den Italiener Marco Materazzi im WM-Finale hat sich der französische Fußballstar Zinedine Zidane für sein Ausrasten öffentlich entschuldigt.

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Interview im französischen TV: Zidane äußert sich zu seinem Ausraster im WM-Finale

"Sehr persönliche und harte Worte über meine Mutter und Schwester" hätten ihn zu seiner Tätlichkeit gegen Marco Materazzi hingerissen. Das sagte "Zizou" am Mittwochabend (12.7.) in seiner mit Spannung erwarteten Erklärung beim französischen Pay-TV-Sender Canal Plus. "Ich bitte um Verzeihung bei allen Kindern, die das gesehen haben. Dafür gibt es keine Entschuldigung", zeigte sich der abgetretene Fußball-Superstar reumütig.

Bedauern gegenüber Materazzi empfindet Zinedine Zidane, der nicht zu einer möglicherweise rassistischen Äußerung des Italieners über die Mutter und Schwester der aus Algerien stammenden Zidane-Familie befragt wurde, allerdings nicht: "Materazzi hat die schlimmen Worte mehrmals wiederholt. Man hört das einmal und versucht wegzugehen. Dann hört man das ein zweites Mal und noch ein drittes Mal... Ich entschuldige mich außer bei den Millionen Kindern auch bei den Menschen und Erziehern, die versuchen, den Kindern zu lehren, was gut ist und was schlecht ist. Aber ich kann meine Handlung nicht bedauern. Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann das nicht sagen. Würde ich es sagen, würde das heißen, dass Materazzi Grund hatte, das zu sagen. Aber er hatte kein Recht dazu."

Zidanes Motivation für seine brutal wirkende Tätlichkeit zehn Minuten vor Ende der Verlängerung hatte weltweit für Rätselraten gesorgt. Bis zu seinem TV-Auftritt hatte der 34-Jährige, der für seine Unbeherrschtheit die Rote Karte sah und seinem Team deswegen im Elfmeterschießen gegen die Squadra Azzurra fehlte, über den Auslöser für seinen unverständlich erscheinenden Blackout geschwiegen.

Beleidigungen der Familie kategorisch zurückgewiesen

Der italienische Verteidiger Marco Materazzi WM 2006 - Finale: Italien - Frankreich 1:1 n.V./5:3 Elfm.

Marco Materazzi: Bestimmt nicht Zidanes Mutter erwähnt

Materazzi hatte zuletzt lediglich eine Beleidigung des Weltmeisters von 1998 eingeräumt, seine exakten Worte jedoch nicht preisgegeben: "Ich habe ihn aber sicher nicht als Terroristen bezeichnet. Ich bin ein unwissender Mensch, da weiß ich doch nicht, was ein islamischer Terrorist ist. Ich habe aber bestimmt nicht Zidanes Mutter erwähnt. Für mich ist eine Mutter heilig", sagte der 32-Jährige.

"Ich habe meine eigene Mutter mit 15 Jahren verloren, und nicht einmal heute kann ich über sie sprechen, ohne dass mir Tränen in die Augen steigen. Ich könnte niemals eine Mutter beleidigen, und erst jetzt erfahre ich, dass Zidanes Mutter auch gesundheitliche Probleme hat. Ich wünsche ihr eine baldige Genesung", erklärte Materazzi in einem Interview mit der Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport am Donnerstag (13.7.).

Freude über den Titel-Gewinn gemäßigt

Der italienische Weltmeister nutzte die Gelegenheit, um seiner großen Verehrung für den französischen Weltmeister von 1998 Ausdruck zu verleihen. "Bei einem Meisterschaftsspiel Juventus gegen Perugia haben wir sogar Trikot getauscht. Es hängt noch in meinem Schrank. Ich habe den Spieler Zidane stets verehrt. Er war der Beste bei der WM. Mit seinen 34 Jahren hat er die Zuschauer begeistert", sagte Materazzi.

Zidane äußert sich erstmals zum Ausraster im WM-Finale

Das waren sehr persönliche Dinge - Erklärungsversuche von Zidane

Er habe einen derartigen Ausbruch Zidanes nicht erwartet: "Ich hätte eine verbale Reaktion, nicht einen Kopfstoß erwartet. Zidanes Kopfstoß hat meine Freude über den Titel-Gewinn nicht ruiniert, sie aber ein wenig gemäßigt."

"Goldener Ball" aberkannt?

Ungeachtet seiner Erklärung droht Zidane indes noch die Aberkennung des "Goldenen Balles" als bester Spieler der WM in Deutschland. Weltverbands-Chef Joseph S. Blatter kündigte an, die Hintergründe für den Platzverweis im Finale gegen Italien am Sonntag (9.7.) in Berlin von der FIFA-Disziplinarkommission untersuchen lassen zu wollen. Danach soll entschieden werden, ob der 34-Jährige den Goldenen Ball behalten darf.

"Die Exekutive der FIFA hat die Pflicht einzugreifen, wenn die ethischen Grundsätze des Sports verletzt werden", sagte Blatter italienischen Zeitungen: "Es hat mir weh, sehr weh getan, das zu sehen. Ich kenne Zidane seit vielen Jahren. Ich kenne seine außerordentliche Persönlichkeit, seinen Lebensstil und seine Familie. Ihn so handeln zu sehen, hat mir für ihn und für das Fair Play weh getan." (ms)

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