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Zickenalarm!‎

Eben noch wollte die Tochter um jeden Preis den roten Rock anziehen, jetzt beharrt sie schmollend auf der blauen Hose. Bei Mädchen nennt man das "rumzicken", bei Jungs heißt es: "Er vertritt seinen Standpunkt."‎‎

Meine kleine Tochter hat ein T-Shirt mit der Aufschrift "Mini-Zicke". Solange sie nicht lesen konnte, war es ihr Lieblingshemd. Seit sie es kann, ist der Teufel los – und seitdem bin ich die "blöde Mama", wenn ich darüber lache. Dabei habe ich noch Glück, dass ich nur die blöde Mama bin, findet "frau" doch bisweilen weit weniger harmlose Ausdrücke für ihre Geschlechtsgenossinnen. Die Herren der Schöpfung nennen das dann charmant "Stutenbissigkeit".

Vielseitig einsetzbar

Dabei findet ein Begriff besonders oft Verwendung: die Zicke. Denn sie ist verbal und inhaltlich mit so ziemlich allem kombinierbar. Da wären zum Beispiel die "Vorstadt-Zicke", die "Karriere-Zicke" und natürlich die berühmte "Zimtzicke", die auch meine Oma schon kannte. Mit aromatischem Weihnachtsgebäck hat der Begriff im Übrigen wenig zu tun. "Zimt machen" bedeutete früher so viel wie "Schwierigkeiten machen". Eine Zimtzicke ist demnach eine Frau, die einem nichts als Ärger bereitet.

Das Wort "Zicke" stammt von der Ziege ab. Das arme Tier kann eigentlich gar nichts dafür – auch nicht dafür, dass es meckert. Apropos: "Meckern" ist ein umgangssprachliches Wort für "schimpfen", weshalb die Nachbarin aus Kindertagen, die immer aus dem Küchenfenster über unseren Spiellärm schimpfte, auch "die alte Meckerziege" genannt wurde.

Wie im Paradies

Wie die Ziege kommen auch "dumme Gänse", "Spinatwachteln", "lahme Schnecken" und "blöde Kühe" aus dem Tierreich. Letztere sollten unbedingt einen Umzug nach Indien in Erwägung ziehen, denn da wäre Ihnen eine liebevolle Behandlung garantiert. Stellen Sie sich mal vor: den ganzen Tag gemütlich in der Gegend ’rumstehen, mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden und auch noch Heiligenstatus besitzen – paradiesische Zustände!

Weniger paradiesisch wird’s, wenn man auf "falsche Schlangen" oder "Vipern" trifft. Sie alle treiben ihr Unwesen mit den Menschen, genauso wie "böse Hexen" und "alte Giftzähne". Ihre Kinder heißen "freche Kröte" und "kleines Aas", und ich werde meiner Tochter den Umgang mit ihnen künftig verbieten. Denn diese "kleinen Luder" hatten ihr den Reim beigebracht, den sie neulich unbedingt an Großmutters Geburtstagsfeier zum Besten geben musste: "Zicke zacke Hühnerkacke" – das kam nicht besonders gut an.

Schlechte Gesellschaft

Wenig vorteilhaft für eine Frau ist es, als "Xanthippe" bezeichnet zu werden. Denn die Angetraute des bedauernswerten Sokrates hatte einen solch schlechten Ruf, dass ihr Name zum Inbegriff der übellaunigen und Streit suchenden Frau geworden ist. Auch der Name ihrer Busenfreundin "Megäre" ist für eine Frau nicht besonders schmeichelhaft. Die griechische Rachegöttin steht nämlich für den personifizierten Neid. Und wenn sich "frau" besonders ungeschickt benimmt, bekommt sie gern den Titel "dumme Thusnelda" – oder kurz: "Tussi" – verliehen.

In einer äußerst dubiosen Gegend schließlich, in die sich ein anständiger Mensch nicht verirren sollte, wohnen die "Schlampen", die "Schnallen" und das "Flittchen". Bei so bezeichneten Geschlechtsgenossinnen besteht – begründet oder unbegründet – Zweifel an der moralischen Redlichkeit. Bei derartigen Titulierungen ist allerdings äußerste Vorsicht geboten – nicht, dass es zu Handgreiflichkeiten kommt!

Kein Ende in Sicht

Meine Tochter hat übrigens das umstrittene "Zicken-T-Shirt" mittlerweile gegen ein Fußballtrikot ausgetauscht. Da sie leider als Fußballspielerin nicht ganz so begabt ist, geht der Zickenalarm nun auf dem Fußballplatz weiter.

Autorin: Anke Berlin

Redaktion: Barbara Syring

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