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Welt

Zerstörte Umwelt - Der Preis des Goldes

70 Prozent der weltweiten Goldproduktion geht in die Schmuckherstellung. Der Preis der Eitelkeit ist jedoch hoch: Umweltzerstörung und Kriege begleiten den Weg des Goldes bis heute.

Goldgewinnung in Ghana (Foto: DW)

Goldgewinnung in Ghana

Wer den Bund fürs Leben mit einem Goldring besiegelt, trägt ohne es zu wissen eine schwere Last: Für die Herstellung eines solchen Eherings fallen etwa 20 Tonnen Giftmüll an, der das Grundwasser verseucht, ins Meer gekippt wird oder ganze Gegenden unbewohnbar macht.

Der Abraum, der für die Produktion eines einzigen Goldrings anfällt, passt auf mehrere Lkws - der goldene Ertrag auf eine Briefwaage. Was zurückbleibt, wenn die Vorkommen nicht mehr rentabel sind, ist eine vergiftete Mondlandschaft, in der Böden und Wasser nicht mehr nutzbar sind.

"Im industriellen Bergabbau wird sehr viel Zyanid verwendet, eine Chemikalie, um das Gold aus dem Stein zu lösen", erklärt Marie Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Friedensforschungsinstituts BICC in Bonn.

Supergift Zyankali

182.000 Tonnen Kaliumzyanid (Zyankali) werden weltweit jedes Jahr eingesetzt, um das begehrte Metall aus dem Griff der Felsen zu lösen. Eine reiskorngroße Menge des Giftes reicht aus, um einen Menschen zu töten.

Arbeiter von der Goldmine Aurul in Baia Mare (Foto: AP/Eileen Kovchok)

Gefährlich - nicht nur für die Arbeiter: Giftbrühe aus Baia Mare zerstörte die Umwelt

"Die Bergbaubetreiber müssen zwar die giftige Lauge sicher aufbewahren und entsorgen, meist geschieht das in offenen Containern oder Becken, wo die Giftbrühe dann langsam austrocknen soll", erzählt Marie Müller. Immer wieder kommt es zu Unfällen - häufiger zu kleinen und manchmal eben auch zu großen wie im Jahr 2000 in der rumänischen Ortschaft Baia Mare.

Dort brach ein Damm um ein Zyankalibecken; etwa hunderttausend Tonnen zyanid- und schwermetallhaltige Abwässer flossen aus und wurden drei Wochen lang von den Flüssen Theis und Donau bis ins Schwarze Meer geschwemmt. Da hatte die Giftbrühe nicht nur in Rumänien, sondern auch in Ungarn und Serbien ein Massentiersterben verursacht.

Brunnenvergiftung als Geschäftsgrundlage

Bis heute sind viele Brunnen in der Umgebung von Baia Mare vergiftet: Weder Menschen noch Tiere können daraus trinken. Der damalige Betreiber der Goldmine, die Firma Aurul, ein australisch-rumänisches Unternehmen, machte bereits vier Monate nach der Katastrophe weiter, allerdings unter einem anderen Namen. Denn Aurul hatte, um Schadensersatzansprüche zu umgehen, Konkurs angemeldet. Der neue Betreiber Transgold übernahm das Geschäft, nicht jedoch die Verpflichtungen aus der Umweltkatastrophe.

Das Muster ist überall auf der Welt gleich, ob in Asien, Afrika, Lateinamerika oder Europa: Ein paar internationale Konzerne beherrschen den Weltmarkt, kaufen Konzessionen in Ländern auf, wo es Umweltauflagen praktisch nicht gibt oder wo letztere nicht durchgesetzt werden - und verschwinden dann wieder, wenn die Mine nicht mehr rentabel ist.

US-Goldmine in Indonesien, Nord-Sulawesi (Foto: AP/ Achmad Ibrahim)

Anwohner dieser Mine in Indonesien klagten über schwere Umweltschäden

Zurück lassen sie zerstörte Landschaften und eine vergiftete Umwelt, Reste von ganzen Bergen, die durch die Mahlwerke gejagt wurde, um das Gestein zu zerkleinern, und Seen von Giftbrühe, die durch das Auswaschen des Erzes mit Zyankalilauge entstehen. Auch ohne Katastrophen und technische Pannen werden die Giftstoffe aus dem Abraum ausgewaschen und landen so in Flüssen und im Grundwasser.

"Gold ist zu billig"

Professor Friedhelm Korte von der Technischen Universität Weihenstephan präsentiert eine Umweltbilanz der Goldproduktion: Pro Jahr werden in einer durchschnittlichen Goldmine 250.000 Tonnen Erz zermahlen, auf einer Fläche von 1,5 Hektar aufgeschichtet, mit 125 Tonnen Zyanidlösung sowie mit 365.000 Kubikmetern Prozesswasser besprüht. Bei einem Durchschnittsertrag von drei Gramm Gold pro Tonne Erz macht das 750 Kilo Gold. Viele Vorkommen jedoch bringen pro Tonne Abraum nur ein Gramm Gold, verursachen bei der Gewinnung jedoch die gleichen Schäden.

Dazu, so der Professor für ökologische Chemie, kommen noch zigtausende Tonnen Schlämme mit teilweise hochgiftigen Schwermetallen wie Blei, Kadmium, Kupfer und Quecksilber sowie Arsen. "Da werden Hunderte von Substanzen herausgewaschen, die in unerforschter Weise miteinander reagieren", warnt Korte.

Für ihn ist der Preis, der derzeit auf dem Weltmarkt für Gold bezahlt wird, deshalb viel zu niedrig. "Allein wenn man die Giftschlämme als Sondermüll entsorgen müsste, wie bei uns für jede andere Industrie üblich, wäre Gold viel teurer", so der Umweltchemiker in einem Interview im Greenpeace-Magazin.

Nur die größten Katastrophen machen Schlagzeilen - und sind schnell wieder vergessen. Die ganz alltägliche Vergiftung jedoch, wenn zum Beispiel ein Container mit Zyankali verloren geht, oder der Regen die Giftrückstände im Abraum langsam ins Grundwasser spült, ist meist keine Meldung wert. Egal ob in Peru, Kolumbien, Papua-Neuguinea oder im Kongo oder Ghana: Der soziale und ökologische Preis für das Gold, das zu 70 Prozent in der Schmuckherstellung Anwendung findet, steht auf keinem Preisschild.

Blutgold

Dass sich ein Friedensforschungsinstitut wie BICC in Bonn mit dem Thema Bergbau beschäftigt, ist nur logisch. Denn seit der Antike hat die Gier nach Gold Kriege ausgelöst, in unserer Zeit finanzieren Diamanten und die für die Elektronik-Industrie notwendigen Metalle wie Tantal, Zinn oder Wolfram Kriege und Bürgerkriege. Von "Blutdiamanten" und "Blutmineralien" ist dann die Rede.

Soldaten im Bürgerkrieg im Kongo (Foto: AP/Themba Hadebe)

Der blutige Bürgerkrieg im Kongo wird mit „Blutmineralien“ und „Blutdiamanten“ finanziert

"Jedes Mal, wenn man eine SMS schickt, benutzt man das Tantal in seinem Handy, Tantal ist ein Rohstoff aus dem Kongo. Jedes Mal, wenn das Handy vibriert, geht das nur dank Wolfram, ein weiterer Rohstoff aus dem Kongo", erklärt Sasha Lezhnev vom "Enough Project", einer Nichtregierungsorganisation in Washington, die auf den Zusammenhang von Rohstoffen und Konflikten aufmerksam machen möchte.

In den USA trat im Sommer 2010 ein Gesetz in Kraft, das die Hersteller von Elektronikgeräten verpflichtet, nachzuweisen, dass die Rohstoffe in ihren Produkten nicht aus der Konfliktregion Kongo stammen. Das Gesetz gilt zwar nur für die Region Kongo, jedoch habe es bereits einiges in Gang gebracht, betont Sasha Lezhnev: "Die Elektronikindustrie hat bereits ein Überwachungssystem für Tantal eingerichtet. Jetzt arbeitet man daran, dies auch für Gold und Zinn umzusetzen."

Fingerabdrücke für Mineralien

Denkbar wäre ein generelles Nachweisgebot, auch auf internationaler Ebene. Die Europäische Union überlegt, ob sie ein ähnliches Verfahren einführen soll, Wissenschaftler arbeiten an einem "Fingerabdrucksystem" für Mineralien. Deutsche Forscher sind mittlerweile auf diesem Gebiet führend. Ebenso vorstellbar ist ein ökologischer Zertifizierungsprozess für Gold. Wobei, so Marie Müller vom BICC, das umweltfreundlichste Gold das Metall ist, das in Schubläden, Schmuckkästen und Zähne lagert: "Es lässt sich gut recyceln, und es lohnt sich, weil Gold ja so einen hohen Wert hat."

Zertifiziertes Altgold wäre eine Möglichkeit, denn 70 Prozent der weltweiten Produktion geht immer noch in die Schmuckherstellung. Recycling statt Schürfen würde dann pro Ehering 20 Tonnen giftigen Abraum weniger bedeuten.

Autorin: Helle Jeppesen
Redaktion: Hans Spross

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