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Aktuell Afrika

Zerreißprobe in Ägypten

Ein Jahr ist Präsident Mursi im Amt. Seine Gegner wollen ihn am liebsten sofort aus dem Präsidentenpalast jagen. Landesweit gab es Massendemonstrationen. Zum Teil schlug der Protest in Gewalt um.

Bei den Massenprotesten in Ägypten sind am Sonntag mindestens 16 Menschen getötet worden. Wie das Gesundheitsministerium in Kairo mitteilte, gab es zudem mehr als 780 Verletzte. Acht Menschen kamen danach bei den Auseinandersetzungen und Schießereien vor dem Hauptquartier der Muslimbruderschaft ums Leben. Weitere Tote gab es in Assuit, Bani Sueif, Kafr el-Scheich, Fayum und Alexandria sowie vor dem Präsidentenpalast in Kairo.

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Proteste in Ägypten eskalieren

Kein arabischer Sommer nach dem arabischen Frühling

Allein auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt versammelten sich Hunderttausende Menschen. Die Oppositionsbewegung rief ihre Anhänger auf, bis zum Rücktritt Mursis auf den Straßen zu bleiben. In einer am Abend veröffentlichten Erklärung mit dem Titel "Revolutionserklärung 1" heißt es, "alle revolutionären Kräfte und alle Bürger" sollten ihren friedlichen Protest fortsetzen, "bis der letzte dieses diktatorischen Regimes fällt".

Die säkulare Opposition wirft Mursi und den islamistischen Muslimbrüdern vor, die Ideale der Revolution von 2011 zu verraten und einen ähnlich autoritären Staat wie unter Mursis Vorgänger Husni Mubarak anzustreben. Die Menge auf dem Tahrir-Platz skandierte: "Das Volk will den Sturz des Regimes". Viele Demonstranten hielten rote Karten mit der Aufschrift "Verschwinde" in den Händen.

Auch vor dem Präsidentenpalast im Stadtteil Heliopolis und auf weiteren Plätzen Kairos versammelten sich Demonstranten. Proteste gab es auch in Alexandria, im Nildelta und in vielen weiteren Städten des Landes. Unterstützer Mursis versammelten sich vielerorts zu Gegendemonstrationen. Die Armee habe die Zahl der Demonstranten landesweit auf "mehrere Millionen" geschätzt, meldet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Militärkreise.

Muslimbrüder im Visier der Demonstranten

Regierungsgegner setzten die Zentrale der Mursi unterstützenden islamistischen Muslimbruderschaft in Kairo in Brand und lieferten sich Schießereien mit dem Wachpersonal. Auch in der Stadt Beni Sueif südlich von Kairo eskalierte die Gewalt vor dem Büro der Muslimbrüder. In der Provinz Assiut feuerten Unbekannte von einem Motorrad ebenfalls vor dem Büro der Muslimbrüder auf Demonstranten.

Ein Jahr nach dem Machtantritt Mursis ist das Land am Nil zutiefst gespalten. Während seine Anhänger darauf verweisen, dass er der erste demokratisch gewählte Präsident ist, werfen seine Gegner ihm vor, allein die Interessen der Muslimbruderschaft zu vertreten, aus der er hervorging. Auch die massiven wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes habe Mursi nicht gelöst. Deshalb habe er seine Legitimität verloren.

Auf Seiten der Opposition wurden die Demonstrationen von der Kampagne Tamarod (Rebellion) mitorganisiert, die nach eigenen Angaben 22 Millionen Unterschriften für den Rücktritt Mursis und vorgezogene Neuwahlen gesammelt hat. Dies wären deutlich mehr als die 13,23 Millionen Wähler, die Mursi im Juni 2012 zum Sieg verholfen hatten.

gmf/qu/wa (afp,rtr,dpa)

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