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Wirtschaft

Zerreißprobe für den Euro

Der Euro ist zehn Jahre alt. Nach einer glücklichen Kindheit kommt jetzt die vorzeitige Reifeprüfung. Manche sagen, der Euro steht vor einer Zerreißprobe. Staatsbankrotte und sogar Austritte sind nicht ausgeschlossen.

Euro als Ziel einer Straße aus Euroscheinen

Vor zehn Jahren, am 1. Januar 1999, ist der Euro als Buchwährung in elf Mitgliedsländern der Europäischen Union eingeführt worden. Das war die Geburtsstunde des Euros, obwohl die Bürger in Euroland das Bargeld erst drei Jahre später in die Hand bekamen. Damals gab es viele Skeptiker, die an der Stabilität und Beständigkeit der neuen gemeinsamen Währung zweifelten. Doch das ist Geschichte.

"Eine Erfolgsgeschichte", sagt Jürgen Matthes, zuständig für Internationale Wirtschaftspolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Viele haben befürchtet, dass wir eine Weichwährung kriegen würden. Doch die Europäische Zentralbank hat sehr schnell eine hohe Glaubwürdigkeit aufgebaut." Das Ergebnis: Mit 2,2 Prozent lag die durchschnittliche Inflationsrate in Euroland in den vergangenen zehn Jahren sogar knapp unterhalb des Durchschnitts der deutschen Inflationsrate in den letzten zehn Jahren vor der Währungsunion.

Die Exportunternehmen, die sich vor der Währungsunion gegen Wechselkursschwankungen und Währungsrisiken absichern mussten, sparen zudem sehr viel Geld, sagt Jürgen Matthes. "Die Schätzungen darüber belaufen sich auf einen knappen Prozentpunkt der Wirtschaftsleistung, die in etwa eingespart wird. In Deutschland ist es wahrscheinlich etwas weniger, weil vorher schon Rechnungen in D-Mark geschrieben wurden, wenn man nach Europa exportierte. In anderen Ländern sind die Einsparungen aber sicherlich deutlich größer geworden."

Wachstum und Wohlstand

Euro- und Dollarscheine auf dem Tresen einer Wechselstube (AP Photo/Ferdinand Ostrop)

Nach dem Dollar ist der Euro die zweitwichtigste Reservewährung

Der Euro ist also eine Erfolgsgeschichte. Er hat nicht nur für stabile Preise gesorgt, sondern auch für Wachstum, Wohlstand und zunehmenden Handel. Die Investitionen in Euroland stiegen in den letzten zehn Jahren jährlich um drei Prozent und damit deutlich stärker als in den USA mit 2,3 Prozent. Mehr als 16 Millionen Arbeitsplätze wurden in den vergangenen zehn Jahren in Euroland geschaffen, fast doppelt so viele wie in den zehn Jahren zuvor- und anderthalb mal so viele wie in den USA. Und auch international hat der Euro an Renommee gewonnen. Neben dem Dollar, der rund 60 Prozent aller Währungsreserven stellt, halten die Zentralbanken dieser Welt inzwischen fast ein Drittel ihrer Währungsreserven in Euro.

Trotzdem ziehen für den Euro dunkle Wolken auf. Die Währungsunion steht vor ihrer größten Belastungsprobe. Vor allem den südeuropäischen Mitgliedsländern geht es seit der Finanz- und Wirtschaftskrise so schlecht, dass mache Beobachter sogar ein Auseinanderbrechen des Währungsclubs nicht mehr ausschließen. Zum Beispiel Joachim Starbatty, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft. Gemeinsam mit drei anderen Professoren reichte er 1997 Klage beim Bundesverfassungsgericht gegen den Vertrag von Amsterdam zur Einführung des Euros ein – ohne Erfolg.

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