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Kultur

ZERO-Künstler Otto Piene ist tot

Er galt als eher unterschätzter Avantgardekünstler: Otto Piene fackelte Farbe ab, malte mit Rauch, entwarf aufblasbare Skulpturen. Er starb im Alter von 86 Jahren in Berlin, wo gerade seine Ausstellung eröffnet wurde.

Otto Pienes Elemente waren Feuer, Luft und Rauch. Der gebürtige Nordrhein-Westfale zählte zu den Pionieren der Nachkriegskunst. Seine Werke hängen in allen großen Museen der Welt. Nur einen Tag vor seinem Tod hatte Piene eine große Ausstellung mit seinen Licht- und Feuerbildern in der Neuen Nationalgalerie eröffnet.

Szene aus der Ausstellung: Otto Piene. More Sky (Foto: dpa)

Szene aus der Ausstellung: "Otto Piene. More Sky"

An diesem Samstag wollte er dort in der Nacht drei große, aufblasbare Skulpturen aufsteigen lassen. "Sky Event" nannte Piene diese Art seiner Aktionskunst. Noch am Donnerstag sei der 86-Jährige deswegen auf dem Dach der Nationalgalerie gewesen, sagte ein Sprecher der der Stiftung Zero Foundation. Während einer Taxi-Fahrt gegen Mittag sei der Künstler friedlich gestorben.

Pionier der Nachkriegskunst

Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte Piene als "Wegbereiter der modernen Kunst in Deutschland". Mit der ZERO-Gruppe habe der Künstler der deutschen Nachkriegskunst eine "Stunde Null" beschert. Er habe nach dem Zweiten Weltkrieg "mitgewirkt, deutsche Avantgarde wieder in die internationale Kulturwelt zurückzuführen", sagte Wowereit. Mit ihm sei ein großer Kreativer von internationalem Rang abgetreten.

Otto Piene vor seiner Skulptur 'Flying Minotaur' (Foto: COLORplus)

Otto Piene vor seiner Skulptur 'Flying Minotaur'

Auch Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, betonte den Pioniercharakter der Kunst Pienes: "Otto Piene steht für die großartige Aufbruchstimmung der 1960er Jahre." Er sei mit seinen Werken in ganz neue Dimensionen der Kunst vorgestoßen.

Ausstellung im Guggenheim geplant

Die Neue Nationalgalerie und die Kunsthalle der Deutschen Bank zeigen seit Donnerstag Werke Pienes unter dem Titel "Otto Piene. More Sky". Einige seiner Werke sind derzeit auch tagsüber am Berliner Boulevard "Unter den Linden" zu sehen. Für Oktober plant auch das New Yorker Guggenheim Museum eine große ZERO-Ausstellung.

Ausschnitt aus dem Kunstwerk Geschichte des Feuers (Foto: dpa)

Ausschnitt aus dem Kunstwerk "Geschichte des Feuers"

Piene hatte mit Heinz Mack 1957 in Düsseldorf die Avantgarde-Gruppe ZERO gebildet, die einen Neuanfang der zeitgenössischen Kunst anstrebte. 1960 hatte Piene seine erste Einzelausstellung in Berlin. Später schloss sich Günther Uecker der Gruppe ZERO an. Durch die Gruppe betrat Deutschland nach dem Krieg in der Kunst wieder das internationale Parkett. Bis 1964 arbeitete Piene als Dozent an der Modeschule Düsseldorf, dann zog es ihn Mitte der 70er Jahre in die USA. "Der amerikanische Traum war wie Magie", sagte er in einem Interview. In Boston leitete er an der Hochschule für technologische Forschung und Lehre, dem Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.), 20 Jahre ein Medienlabor für künstlerisch-optische Experimente.

Pendler zwischen Düsseldorf und Boston

Eine junge Frau betrachtet am Abend in der Neuen Nationalgalerie in Berlin die Multimedia-Performance The proliferation of the sun (Die Sonne kommt näher) des ZERO-Künstlers Otto Piene. (Foto: Soeren Stache/dpa)

Eine Frau betrachtet im Juli 2014 die Multimedia-Performance "The proliferation of the sun" von Otto Piene in Berlin

Piene und seine Frau lebten abwechselnd auf ihrer Farm in den USA und in Düsseldorf. Geboren wurde Piene am 28. April 1928 in Bad Laasphe, er wuchs in der ostwestfälischen Kleinstadt Lübbecke auf. Er studierte Kunst und Philosophie in München, Düsseldorf und Köln. Berühmt ist Pienes riesiger Plastikregenbogen, den der mehrfache Documenta-Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in München 1972 in den Himmel steigen ließ. Bis zuletzt hatte Piene immer neue künstlerische Ideen. Auf seiner Farm in Massachusetts arbeitete er mit Keramik und werkelte an Lichtrobotern. Hier soll er auch beigesetzt werden. Kurz vor seinem Tod zeigte sich Piene erfreut darüber, seine Kunst wieder in Berlin zeigen zu können: "Es schließt sich ein Kreis."

cw/ re (dpa)