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Aktuell Deutschland

Zentrum für Jüdische Studien in Berlin eröffnet

Bundesbildungsministerin Schavan (l.) hat das neue "Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg" eröffnet. Die von sechs wissenschaftlichen Einrichtungen getragene Lehrstätte soll zum Wintersemester die Arbeit aufnehmen.

Berlin und Brandenburg haben ein neues Zentrum für Jüdische Studien. Das Gemeinschaftsprojekt, an dem vier Universitäten in Berlin und Potsdam und zwei wissenschaftliche Institutionen aus Potsdam beteiligt sind, wurde am Mittwoch in Berlin mit einem Festakt in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eröffnet.

Das Zentrum hat seinen Sitz an der Berliner Humboldt-Universität. Akademische Leiterin ist die Kulturtheoretikerin Christina von Braun. Die neue Einrichtung soll vor allem Forschung und Lehre bereits bestehender Universitätseinrichtungen stärker vernetzen. Ferner sollen mit dem Zentrum der akademische Nachwuchs und die Rabbinerausbildung gefördert werden. Erforschen soll das Zentrum unter anderem Berlin als Ort der jüdischen Emanzipation, den Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam sowie Erinnerungskulturen.

Fast sieben Millionen Euro

Als Anschubfinanzierung erhält das Projekt vom Bund insgesamt 6,9 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre. In diesem Rahmen finanziert der Bund auch zwei neue Lehrstühle: einen für jüdische Bibelexegese an der Universität Potsdam und einen für jüdische Musik an der Musikhochschule Weimar. Die vier Universitäten erhalten zusätzlich drei Juniorprofessuren, fünf Post-Doc-Stellen und neun Doktorandenstellen. Mit weiteren Gastprofessuren soll der internationale Austausch unter anderem mit den USA, Israel, Frankreich und den GUS-Staaten gefördert werden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan würdigte die Bedeutung des Judentums für Europa. "Das europäische Judentum spielt in der Geschichte Europas eine zentrale Rolle", betonte die CDU-Politikerin. Mit dem neuen Forschungsverbund bekomme die Ausbildung von Kantoren, Rabbinern und Wissenschaftlern einen "wichtigen Schub" und könne "international Ausstrahlung entfalten".

Blick auf das alte (l) und das neue Gebäude der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg (Archivfoto: dpa)

Auch die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg erforscht jüdisches Leben

Auf die Frage nach einer Konkurrenz mit der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien äußerte die Ministerin die Erwartung, "dass der eine Standort vom anderen profitiert". Zudem werde das neue Zentrum dazu führen, dass die Jüdischen Studien in Deutschland international noch stärker beachtet würden. Dies werde allen Standorten bundesweit zugutekommen.

Impulse für jüdisches Leben

Der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, Walter Homolka, würdigte den Verbund als "bedeutende Säule für die Institutionalisierung jüdischer Theologie in Deutschland". Damit werde auch ein gemeinsames Studium konservativer und liberaler Rabbiner und Kantoren ermöglicht. So bekomme der Forschungsverbund "eine europäische Perspektive für die Renaissance jüdischen Lebens nach der Schoa".

Der Direktor des Potsdamer Moses-Mendelsohn-Zentrums, Julius Schoeps, erhofft sich von dem Zentrum Impulse für das jüdische Leben und für die gesamte Gesellschaft. So sollten Antisemitismus, der Dialog mit Christentum und Islam oder die Integration von jüdischen Zuwanderern aus den GUS-Staaten debattiert und wissenschaftlich untersucht werden. Ein Ansporn sei, "durch Forschung und Lehre dem verzerrten Bild vom Judentum und von Israel noch besser entgegenzuwirken".

An dem neuen Zentrum beteiligen sich die Humboldt-Universität in Berlin, die Technische und die Freie Universität Berlin sowie die Universität Potsdam. Dazu kommen das Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg, das Rabbiner und Kantoren ausbildet, und das Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien, ebenfalls ein Institut der Universität Potsdam.

kle/sc (epd, kna,dpa)

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