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Musik

Zentrum für Alte Musik

Seit Jahrzehnten hat sich in Köln eine blühende Alte Musik-Szene entwickelt, die sich Musikstilen aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock widmet. Im Zentrum für Alte Musik hat sie eine neue Heimat gefunden.

Schon im Jahr 2004 hat das Ensemble Concerto Köln Büros und einen Probenraum auf dem denkmalgeschützten Gelände einer ehemaligen Elektrizitätsfabrik gemietet. Benannt nach dem griechischen Sonnengott Helios stellte die Firma Ende des 19. Jahrhunderts vor allem Glühbirnen und Leuchtmittel für Leuchttürme her. Als Wahrzeichen des Kölner Stadtteils Ehrenfeld erhebt sich noch heute der 1882 erbaute Heliosturm über die Dächer der angrenzenden Gebäude - ein Leuchtturm mitten in der Stadt, in dem nicht nur das Concerto Köln zuhause ist, sondern seit kurzem auch das ZAMUS, das "Zentrum für Alte Musik".

Besucher betrachten beim Tag der Offenen Tür instrumente (Foto: Michael Rathmann von Concerto Köln)

Reges Interesse beim Tag der Offenen Tür

Obwohl Köln seit langem als die Hochburg der Alten Musik-Szene in Deutschland gilt, gab es bislang keine Anlaufstelle, wo sich Musiker austauschen oder einfach preisgünstigen Proberaum anmieten konnten. Für die Musiker von Concerto Köln und deren Geschäftsführer Jochen Schäfsmeier war seit langem klar, dass sich daran etwas ändern musste. Und so reifte der Plan, das Alte-Musik-Zentrum zu gründen: "Die Idee ist entstanden", so Schäfsmeier, "weil hier einfach sehr viel Platz ist und es sich gezeigt hatte, dass der Unterstützungswille von öffentlichen Mitteln doch eher dahingeht, nicht einzelne Ensembles zu unterstützen, sondern das etwas zu bündeln."

Ein neues Zuhause

Obwohl die verschiedenen Musiker der Kölner Szene natürlich auch in einem Konkurrenzverhältnis stehen, stieß das Projekt auf regen Anklang. So gründeten sie im letzten Jahr die Kölner Gesellschaft für Alte Musik, die nun quasi als Dachverband der Alten Musik in Köln aktiv ist.

Martin Sandhoff von Concerto Köln im Gespräch mit Eröffnungsgästen des ZAMUS (Foto: Michael Rathmann von Concerto Köln)

Martin Sandhoff von Concerto Köln im Gespräch mit Eröffnungsgästen

Um mögliche öffentliche Geldgeber oder auch private Sponsoren von der Idee eines Zentrums für Alte Musik zu überzeugen, mussten zunächst einmal konkrete Pläne für das neue Zentrum ausgearbeitet werden. In zahlreichen Sitzungen formullierten Musiker und Manager aus den Reihen der Alten Musik ihre Ziele. "Wir wollen hier Proberäume schaffen, und wir wollen gleichzeitig auch Büros und Arbeitsmöglichkeiten für unterschiedliche Ensembles bereit stellen", erklärt Jochen Schäfsmeier. "Mit dieser Idee haben wir Stadt und Land überzeugen können und jetzt den ersten Bauabschnitt beendet."

Mittlerweile haben die ersten Ensembles im Zentrum ihre Büroräume bezogen, darunter die Capella Coloniensis, Das Neue Orchester und Cantus Cölln. Darüber hinaus können die Probenräume kostengünstig angemietet werden, und den Musikern stehen verschiedene Cembali und ein Hammerflügel zur Verfügung. In einem weiteren Bauabschnitt werden bis zum Sommer drei Gästezimmer für auswärtige Musiker eingerichtet.

Social Network

Neues Leben ist in den historischen Heliosturm eingezogen, ein soziales Netzwerk für Alte Musik ist entstanden. Es wird geprobt und diskutiert, und Musiker, die nie zuvor zusammengearbeitet haben, finden im ZAMUS zueinander und können gemeinsame Projekte entwickeln. Das sei auch schon passiert, berichtet Jochen Schäfsmeier: "Wir hatten zum Beispiel im letzten Jahr einen Auftritt beim Beethovenfest und haben für das Konzert auch ein Streichquartett und einen Chor aus der Alten Musik-Szene Kölns hinzugezogen." Und da die Wege im Bürotrakt des ZAMUS kurz sind, kann man auch schnell einmal Konzertanfragen, die man selbst nicht annehmen kann, an andere Ensembles weiterreichen.

Alte Musik für junge Menschen

Das neue Zentrum möchte aber nicht nur Heimat und Netzwerk für die Alte Musik-Szene in Köln sein, der Heliosturm soll auch regelmäßig für Veranstaltungen genutzt werden - etwa für Symposien, Konzerte und pädagogische Projekte wie kostenlose Schülerkonzerte, die Concerto Köln hier schon seit einigen Jahre anbietet. Die Zielgruppe ist in diesem Fall 8 bis 18 Jahre alt und hat ansonsten kaum oder gar keinen Zugang zur klassischen Musik.

Kinderkonzert im ZAMUS.(Foto:Michael Rathmann von Concerto Köln)

Kinderkonzert im ZAMUS

Durch den direkten Kontakt zu den Musikern werden so nicht nur Hemmschwellen abgebaut, sondern es wird auch Interesse für die Musik geweckt: Die Schüler erfahren, wie spannend Klänge aus früheren Jahrhunderten sein können. Martin Sandhoff, künstlerischer Leiter von Concerto Köln, erlebt diese Schülerkonzerte persönlich als großen Gewinn. Pädagogische Veranstaltungen werden aus seiner Sicht auch in Zukunft einen Schwerpunkt der Arbeit des ZAMUS bilden: "Beim letzten Schülerkonzert hat sich der Moderator zum Beispiel ein paar Stellen überlegt, wo die Kinder mitmachen konnten. Und dann entstanden in der Zusammenarbeit wirklich ganz magische Momente, wo auch die Musiker plötzlich innehielten und dachten: Wow, das war jetzt was ganz Besonderes!"

Autorin: Marita Berg
Redaktion: Suzanne Cords

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