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Afrika

Zentrale unterm Mangobaum

Die Sicherheitslage ist angespannt während der Wahlen im Sudan, Afrikas flächenmäßig größtem Land. Die Vereinten Nationen versuchen, noch in Windeseile Polizisten auszubilden.

Polizei-Ausbildungslager im Südsudan (Foto: DW)

Polizei-Ausbildungslager im Südsudan

Seit Sonntag (11.04.2010) wird im Sudan zum ersten Mal seit 24 Jahren gewählt. Schon jetzt hagelt es Anschuldigungen von Nichtregierungsorganisationen wie Oppositionsparteien gleichermaßen. Die Wahlen seien von Präsident Omar al-Baschirs Partei manipuliert. Die sudanesiche Volksbefreiungsbewegung SPLM, die mit Baschir in der Regierung sitzt, boykottiert die Wahlen gemeinsam mit den meisten Oppositionsparteien im muslimisch geprägten Norden des Landes. Von den nationalen Präsidentschaftswahlen sowie den Wahlen in der Krisenregion Darfur hat die SPLM ohnehin schon Abstand genommen.

"Wir gehen davon aus, dass es nach den Wahlen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen wird", sagt Major General Jackson Elia, der Direktor der Ausbildungabteilung der Polizei im Südsudan. Nach 22 Jahren Krieg und nur fünf Jahren Frieden seit dem Friedensabkommen zwischen al-Baschirs Nationalkongress Partei (NCP) und den Ex-Rebellen, der südsudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM), ist das Gewaltpotenzial im Sudan extrem hoch. Fehlende Infrastruktur, vermintes Land und Arbeitslosigkeit haben zu großer Unzufriedenheit geführt. Zudem sorgen die nicht abschließend und klar demarkierten Grenzen rund um die Ölreserven zwischen Nord- und Südsudan sowie die vielen Waffen in privaten Haushalten für eine angespannte Situation. Die UN-Mission im Südsudan versucht daher eiligst, über eine mögliche Unabhängigkeit des Südsudan, die Sicherheitsvorkehrungen zu stärken, indem sie eine neue Generation von Polizisten außerhalb der südsudanesischen Hauptstadt Juba ausbildet.

Polizei-Eliteschule gleicht Flüchtlingslager

Ein Polizist im Südsudan (Foto: DW)

Hauptübung: Disziplin

Noch ähnelt die künftige Polizei-Eliteschule des Südsudan eher einem Flüchtlingslager. 7000 Menschen lagern direkt am Nilufer. Die Behausungen sind zumeist eilig zusammengezimmerte Reet-Sonnendächer. Sanitäre Einrichtungen gibt es nicht. Die Wahl besteht zwischen Plumpsklos oder dem Busch. Gekocht wird unter freiem Himmel in gewaltigen Blechtöpfen auf offenem Feuer. Die Polizeileitzentrale befindet sich unter einem Mangobaum und ist mit weißen Plastikstühlen und Klapptischen ausgestattet. Die Ausbildung der neuen Polizeigeneration findet unter schwierigsten Bedingungen in brütender Hitze statt. Täglich melden sich rund 200 Rekruten krank mit Durchfall oder Malaria. Zur Zeit wird rasch eine Klinik gebaut, und bevor die Regenzeit in den nächsten Wochen hereinbricht, sollen auch noch Unterkünfte entstehen. Ffür sanitäre Einrichtungen hat das deutsche Außenministerium 300.000 Euro Nothilfe bereitgestellt.

Wahlen als Hoffnungsträger

Josephine Najora, bald Polizistin im Südsudan (Foto: DW)

Josephine Najora, bald Polizistin im Südsudan

"Im Busch während des Krieges war es härter", erzählt Josephine Najora, eine der Rekrutinnen im Polizeiausbildungslager Rajaf. Sie berichtet, wie ihre Grundschule regelmäßig bombardiert wurde von den Arabern aus dem Norden. Die heute 22-Jährige musste sich damals regelmäßig im Busch verstecken. "Ich habe so viele Freunde verloren. Deshalb will ich jetzt Polizistin werden und mein Land wieder sicher machen", berichtet sie. Najoras Geschichte ist typisch für das, was die meisten jungen Leute im Südsudan erlebt haben. Dennoch ist Najora jetzt voller Optimismus, dass es nach den Wahlen bergauf gehen wird. Für sie steht fest, dass sie wählen wird, denn "es wird unser Land verändern. Wir hoffen nur, dass unsere Politiker das Richtige tun, damit wir für immer Frieden im Sudan haben werden. "

Enormes Konfliktpotenzial

Aber das Konfliktpotenzial im Land ist enorm. Ethnische Auseinandersetzungen, in denen es meist um Grundbesitz und Weideland geht, enden häufig mit Hunderten Toten. Schätzungen zufolge befinden sich in jedem Haushalt etwa zwei bis drei Schnellfeuergewehre. Zudem sitzen rund 90.000 ehemalige Soldaten der sudanesischen Volksbefreiungsbewegung aufgabenlos herum. Umso wichtiger, dass die neue Polizei-Generation eine zivile Kraft wird und Grundkenntnisse in Deeskalationstechniken hat, erklärt Major General Jackson Elia: "Politik und ethnische Auseinandersetzungen gehören nicht in die Polizei. Wir versuchen, den jungen Leuten den Geist des nationalen Denkens beizubringen." Die Ausbildungseinheiten in Rajaf werden daher gleichmäßig mit Vertretern aller ethnischen Gruppen aus allen Staaten des Südsudan zusammengestellt. Die Polizei müsse "neutral" sein und die jungen Polizisten müssten wissen, dass die Gesetze für Recht und Ordnung sorgen werden, so der General Major Elia.

Jahrelanges Engagement der UN nötig

UN-Einsatzleiter im Südsudan: Klaus Dieter Tietz (Foto: DW)

UN-Einsatzleiter im Südsudan: Klaus Dieter Tietz

Die Mission der Vereinten Nationen, UNPOL, unterstützt die südsudanesische Polizei im Aufbau dieser demokratisch denkenden und agierenden neuen Polizeigeneration. Das Ziel, so der stellvertretende Polizeikommissar der UNPOL Klaus-Dieter Tietz: die Ausbildung von 30.000 jungen Polizisten im Vorfeld der Volksabstimmung im Januar, bei der sich der Südsudan voraussichtlich vom Norden abspalten wird und es möglicherweise zu Unruhen kommen wird. Speziell für die Wahlen wurden 7000 Polizisten in ein Sicherheitstraining geschickt. Nur mit Frieden, so Tietz, sei Entwicklung im Land möglich. "Ganz wesentlich ist, dass die Leute Vertrauen haben in ihr Land, in die Regierung, aber auch die Polizei", sagt Tietz. Aber soweit sei der Sudan noch lange nicht. Der UNPOL-Polizeikommissar meint, dafür wäre noch "jahrelanges Engagement" der internationalen Gemeinschaft nötig.

Autorin: Dagmar Wittek
Redaktion: Dirk Bathe