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Wirtschaft

Zentralbanken greifen in die Geldmärkte ein

Paukenschlag in der Schuldenkrise: Weil sich die Banken untereinander kaum noch Geld leihen, greifen die Notenbanken zum letzten Mittel und fluten die Märkte mit Liquidität. Die Börsen jubeln.

Geldscheine (Foto: fotolia)

Es ist wie in den schlimmsten Tagen der Lehman-Pleite vor drei Jahren: Keine Bank traut der anderen – und entsprechend leihen sie sich untereinander kein Geld mehr. Gerade europäische Geldhäuser kommen derzeit kaum an US-Dollar, weil sich die Partnerbanken zunehmend weigern, europäische Wertpapiere als Gegenwert zu akzeptieren - aus Angst vor einem drastischen Wertverlust.

Dieser sogenannte Interbankenhandel aber ist das Schmiermittel für die weltweiten Finanzströme – und trocknet dieser Markt aus, dann sieht es düster aus. Um eben genau das zu verhindern, sind die wichtigsten Notenbanken der Welt überraschend in die Offensive gegangen. Sie stellen den Finanzmärkten in einer koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. Ziel sei es, "den Anspannungen an den Finanzmärkten entgegenzutreten" und dadurch einer möglichen Kreditklemme vorzubeugen. Damit soll das Wirtschaftswachstum unterstützt werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Notenbanken, die am Mittwochnachmittag (30.11.2011) für helle Aufregung sorgte.

Börsen gehen durch die Decke

Händler im Börsensaal Frankfurt (Foto: dapd)

Das freut den Aktienhändler!

An den Aktienmärkten löste die Aktion ein Kursfeuerwerk aus: Der Deutsche Aktienindex DAX baute seine Gewinne auf bis zu fünf Prozent aus, auch anderswo in Europa schossen die Indizes durch die Decke. An der Wall Street legten die Indizes ebenfalls deutlich zu. Am Donnerstag schlossen auch die asiatischen Börsen deutlich im Plus. Der Euro gewann deutlich gegenüber dem Dollar an Wert. Beteiligt an der Aktion sind die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz.

Die Zentralbanken verständigten sich darauf, die Kosten bestehender, auf Dollar lautender Zinsgeschäfte – sogenannte Swaps - ab dem 5. Dezember um 50 Basispunkte zu reduzieren. Die europäischen Geschäftsbanken werden dadurch in die Lage versetzt, sich billiger als bislang in US-Dollar zu refinanzieren. Daneben soll es zwischen einzelnen Zentralbanken befristete bilaterale Abkommen zu solchen Zinsgeschäften geben, "so dass in allen Währungsgebieten Liquidität in allen ihren Währungen angeboten werden kann, falls es die Marktbedingungen erfordern", wie die Institute mitteilten.

Jetzt ist die Politik gefragt

Eurosymbol in Frankfurt (Foto: dapd)

Letztes Mittel zur Rettung des Euro?

Die Einschätzungen der Experten über das Vorgehen der Zentralbanken sind durchaus geteilt. Nach dieser konzertierten Aktion der Notenbanken sei nun die Politik mit einem ebenso abgestimmten und entschlossenen Handeln gefordert, sagte Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology (ESMT) gegenüber DW-TV.

Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel erklärte, die Notenbanken wollten vor allem eine neue Liquiditätskrise abwenden, die wie schon nach der Lehmann-Pleite vor drei Jahren das globale Finanzsystem lähmen könnte. Andere beurteilen die Aktion zurückhaltender. So sagte ein Händler, dass diese Maßnahme zwar Euphorie ausgelöst habe, aber nur kurzfristig Entspannung bringen dürfte. "Das löst nicht die Vertrauenskrise. Die kann nur von der Politik beeinflusst werden, und zwar auf dem Ende der nächsten Woche anstehenden EU-Sondergipfel."

Autor: Henrik Böhme (mit rtr, dpa, afp)
Redaktion: Dirk Kaufmann

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