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Wirtschaft

Zentralbanken bald überfordert?

Die Notenbanken dieser Welt können nicht ewig mit Geld um sich werfen, warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Denn Liquiditätsspritzen haben hohe Risiken und Nebenwirkungen.

Eine Spritze steckt in einem Haufen Zucker (Foto: Fotolia/Zsolt Biczó)

Symbolbild Zucker und Auswirkung auf Gehirn

Die wegen der Finanz- und Schuldenkrise seit fünf Jahren aus allen Rohren feuernden Zentralbanken sind nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bald an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angekommen. Da in vielen Volkswirtschaften hohe Arbeitslosigkeit und schwaches Wirtschaftswachstum herrschten, scheine es zwar "naheliegend und unvermeidlich", dass Fed, EZB & Co. ihre Politik des billigen Geldes noch für eine Weile fortsetzen müssen. "Die Gefahr, die Geldpolitik zu überlasten, nimmt jedoch zu", warnt die BIZ in ihrem in Basel veröffentlichten Jahresbericht.

Zugleich wachse allein durch die schiere Menge des nach Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen weltweit zirkulierenden Kapitals das Risiko neuer Krisen - unter anderem verursacht durch Preisblasen an den Finanz- und Immobilienmärkten, heißt es in dem Report. Anzeichen dafür sind beispielsweise in einigen Schwellenländern, an den globalen Rohstoffmärkten, aber auch in einigen deutschen Großstädten wie Hamburg zu sehen, wo die Immobilienpreise zuletzt in kurzer Zeit massiv zulegten.

Preisblasen und Verwerfungen

Die Notenbanken in aller Welt haben seit Ausbruch der Krise 2007 nicht nur über Zinssenkungen und hohe Liquiditätsspritzen versucht, die Lage zu beruhigen, sondern auch durch den Ankauf von Wertpapieren. Im Falle der EZB sorgte etwa der Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder für heftige Kritik vor allem aus Deutschland. "Berücksichtigt man auch die beispiellose Ausweitung der Zentralbankbilanzen, so ergibt sich das Bild einer deutlich stärkeren Lockerung des geldpolitischen Kurses", schreibt die BIZ.

Und sie rechnet vor: "Die von den Zentralbanken insgesamt gehaltenen Aktiva haben sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt und erreichten Ende 2011 rund 18 Billionen Dollar." Das viele Geld führte unter anderem zu Kapitalflüssen aus den Industrie- in die Schwellenländer mit teils schädlichen Nebenwirkungen für deren Exporte. Zudem besteht nach Ansicht der BIZ die große Gefahr, dass sich der Finanzsektor durch die enormen Liquiditätsmaßnahmen zu riskanten Wetten an den Börsen verleiten lässt - mit unabsehbaren Folgen.

Noch herrscht Vertrauen

Billiges Geld der Notenbanken, das zu lange in Umlauf ist, kann schwere Nebenwirkungen haben: Eine durch die jahrelange laxe Geldpolitik der Federal Reserve mit verursachte Blase war 2007 im US-Bausektor geplatzt und hatte damals die erste Finanzkrise ausgelöst. Diese war dann nach Europa geschwappt, hatte einige Banken in schwere Turbulenzen gestürzt und war nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 in eine weltweite Vertrauenskrise samt tiefer Rezession umgeschlagen.

Eine halbwegs gute Nachricht haben die BIZ-Ökonomen immerhin, was das Vertrauen von Bürgern und Märkten in die Geldpolitik angeht: "Die Stabilität der Inflationserwartungen lässt darauf schließen, dass die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken nach wie vor hoch ist." Jedoch dürfe dies nicht als selbstverständlich vorausgesetzt und so verstanden werden, dass die Notenbanken noch viel Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungsübungen hätten. "Ein Teufelskreis könnte entstehen, bei dem die Diskrepanz zwischen dem, was von den Zentralbanken erwartet wird, und dem, was sie tatsächlich leisten können, immer größer wird."

Rechtzeitig wieder einsammeln

Dies könnte nach Lesart der BIZ auch dazu führen, dass sich der Rückzug der Zentralbanken aus den Krisenmaßnahmen länger hinzieht als dies wegen der möglichen Nebenwirkungen ihrer Politik wünschenswert wäre. Zweifel an der Bereitschaft der Zentralbanken, das von ihnen in Umlauf gebrachte Geld eines Tages wieder einzusammeln, könnten zudem dazu führen, "dass die Inflationserwartungen global allmählich aus ihrer Verankerung gerissen werden", heißt es in dem Bericht, der jedes Jahr anlässlich der Generalversammlung der BIZ im Sommer publiziert wird.

Bei dieser Gelegenheit treffen sich Notenbanker aus aller Welt in Basel und beraten über die Lage der Weltwirtschaft und des globalen Finanzsystems. Mit dabei sind prominente Vertreter von Fed, EZB und Bank von England. Die wichtigsten westlichen Zentralbanken stehen kurz vor einer neuen Runden von Stützungsmaßnahmen: Die Bank of England hätte beinahe schon Anfang dieses Monats erneut die Notenpresse angeworfen und auch Fed-Chef Ben Bernanke ist drauf und dran, ein drittes Mal für viele Milliarden Dollar Staatsanleihen zu kaufen. Bei der EZB scheint Anfang Juli eine weitere Zinssenkung möglich.

Die BIZ fungiert als Plattform des Austausches für Notenbanker in aller Welt. Sie wurde zunächst zur Abwicklung der deutschen Schulden aus dem Ersten Weltkrieg gegründet, übernahm aber später zunehmend andere Aufgaben. Unter anderem verwaltet sie heute einen nicht unbeträchtlichen Teil der Goldreserven zahlreicher Zentralbanken.