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Kultur

Zentralbank erteilt Segen für "Himmelblau"

Das Wiener Architektenbüro "Coop Himmelb(l)au" darf nun offiziell den Neubau der Europäischen Zentralbank errichten. Das hat die EZB am Donnerstag (13.1.2005) entschieden. Allerdings muss der Entwurf billiger werden.

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Kein Luftschloss: So plant das Team "Himmelb(l)au" das neue EZB-Gebäude


Eigentlich hätte die Entscheidung schon im Herbst 2004 fallen sollen - sie wurde aber verschoben. Nun hat "Coop Himmelb(l)au" endgültig den Zuschlag bekommen, denn der überarbeitete Plan der Wiener Architekten erfülle am besten die funktionalen und technischen Erfordernisse der Zentralbank, erklärte der EZB-Rat. Bis 2009 soll der Neubau der Zentralbank nun fertig sein.

Damit hat sich das Architekturbüro unter anderem gegen das Berliner Team von "Schweger Assoziierte" durchgesetzt, das eine mächtig hohe Himmelsbrücke ("Skybridge") bauen wollte.

Erst Markt-, jetzt Eingangshalle

EZB Neubau, Frankfurt am Main

Die neue Zentralbank wird direkt am Main stehen

Die EZB legt sich unter anderem wegen der EU-Erweiterung ein neues, größeres Gebäude zu. Und zwar direkt am Main, auf einer Fläche von 120.000 Quadratmetern, die die EZB von der Stadt Frankfurt gekauft hat. 100.000 Quadratmeter sollen bebaut werden, mit Büros für 2500 Beschäftigte. Die Herausforderung: Auf dem Gelände steht die denkmalgeschützte Großmarkthalle von 1928 - sie muss in den Neubau irgendwie integriert werden. Und die Halle ist 220 Meter lang.

Das Team von "Coop Himmelb(l)au" aus Wien legte im Wettbewerb der EZB zuerst einen kühnen Entwurf vor: Ein neuer Gebäudeteil sollte die alte Markthalle durchkreuzen und bis über den Main ragen, noch über die Uferpromenade hinaus. Die Halle sollte später der Eingang zur neuen EZB sein und die öffentlichen Bereiche beherbergen. Zu den Plänen gehört auch ein Hochhaustrakt mit Zwillingstürmen. Die Himmelb(l)auer tauften die Gebäude "Skyscraper" (Wolkenkratzer) und "Groundscraper" (Bodenkratzer). Letzterer soll zum Beispiel für Konferenzräume da sein.

Ständiges Feilen am Konzept

Bis zur endgültigen Entscheidung wurde der Entwurf mehrfach überarbeitet: "Himmelb(l)au" verlegte zuerst den gewagten "Bodenkratzer" neben statt durch die Markthalle. Dann bat die EZB die besten drei Bau-Stylisten, ihre Entwürfe erneut umzuarbeiten.

Europäische Zentralbank

Das jetzige Hauptquartier der Europäischen Zentralbank hinter den Türmen der St.-Leonhard-Kirche

Es bleibt aber bei den zwei Türmen von "Coop Himmelb(l)au" – ineinander verschlungen und 184 Meter hoch. Und die Markthalle aus Backstein ist nach wie vor Eingangshalle der EZB eingeplant. Außerdem wird es nun ein öffentlich zugängliches Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus geben, die 1942 von der Großmarkthalle aus Züge in Konzentrationslager besteigen mussten.

Doch um Geld zu sparen, sollen die Sieger ihre Pläne noch einmal umbauen. Zur endgültigen Höhe der Baukosten hat die Zentralbank keine Angaben gemacht.

Wohnen im Gasometer

"Coop Himmelb(l)au", 1968 gegründet, hat schon einige ausgefallene Pläne ersonnen - eine aufblasbare, bewohnbare Wolke oder eine Bar mit Riss durch Wand, Boden und Decke. Die Gruppe hat aber auch ein Multiplex-Kino in Dresden, die Münchener Akademie der bildenden Künste und das Groninger Museum in den Niederlanden gebaut. Oder auch in Wien ein Gasometer in eine Wohnanlage verwandelt.

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