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Afrika

Zentralafrikanische Republik: Gewaltwelle gefährdet Wahlen

Papst Franziskus mahnt die Zentralafrikaner zur Barmherzigkeit. Derweil brennen in der Hauptstadt Bangui Häuser. Die internationalen Friedenstruppen werden der Lage nicht Herr - an Wahlen ist vorerst nicht zu denken.

Demonstranten in Bangui forderten die Übergangspräsidentin zum Rücktritt auf

Desillusioniert: Demonstranten in Bangui forderten die Übergangspräsidentin zum Rücktritt auf

Rache und Vergeltung sind derzeit an der Tagesordnung in der Hauptstadt Bangui. Von mehr als einhundert brennenden Häusern, drei Toten und mindestens 22 Verletzten berichtet DW-Korrespondent Jeff Murphy Barès. Dazu kommen tausende Menschen, die in den vergangenen Tagen aus ihren Wohnungen flohen. Der Grund war wieder ein Vergeltungsschlag - diesmal von Muslimen. Ein paar Tage zuvor hatten Christen im größtenteils muslimischen Viertel PK-5 auf offener Straße zwei junge Muslime ermordet. Zwei Passanten, die zu Hilfe eilen wollten, wurden ebenfalls getötet. Was genau hinter den Übergriffen steckt, wissen viele Menschen vor Ort nicht. "Keiner kann uns erklären, warum die Leute sterben müssen", sagt die Bewohnerin Melanie Andjokra in Bangui. "Der eine sagt, es sind die Franzosen, andere sagen, die Zentralafrikaner selbst wollen, dass die Gewalt weitergeht."

Papstbesuch auf der Kippe

Die Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza sprach vor der Presse am Montag von einem "Zyklus von Vergeltungsschlägen". Erklärtes Ziel sei, die Übergangsregierung zu schwächen "mit der traurigen Absicht, die Reise von Papst Franziskus zu sabotieren sowie dem Wahlprozess ein Ende zu setzen". Tatsächlich gilt der für Ende November geplante Papstbesuch

nicht mehr als gesichert

.

Vatikan Angelusgebet des Papstes

Der Papst hofft, trotz der Übergriffe in die Zentralafrikanische Republik zu reisen

Die Zentralafrikanische Republik sollte ursprünglich die letzte Station einer sechstägigen Afrika-Reise von Papst Franziskus sein. Bei seinem sonntäglichen Angelusgebet in Rom äußerte sich der Papst zuletzt besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen. Er forderte alle beteiligten Parteien auf, den "Zirkel der Gewalt zu durchbrechen".

Unterdessen wurde auch der Erzbischof von Bangui, Dieudonne Nzapalainga, zur Zielscheibe von Andersgläubigen. Er war vergangene Woche dabei, die Reise von Papst Franziskus in die Zentralafrikanische Republik vorzubereiten, als junge Leute in die Kathedrale von Bangui kamen und ihn bedrohten. Dabei wollte der Papst am 29. November selbst die heilige Tür der Kathedrale öffnen und das 'Heilige Jahr der Barmherzigkeit' vorzeitig ausrufen. Laut nicht benannten Vatikan-Quellen könne der Papstbesuch kippen, sollte die Lage weiter eskalieren.

Neue Episode im alten Konflikt

Von Barmherzigkeit fehlt in Bangui bislang jede Spur. Der neue Gewaltausbruch ist nur eine Episode in einer ganzen Serie. Erst

einen Monat zuvor

starben mindestens 42 Menschen in einer Straßenschlacht in Bangui. Hunderte wurden verletzt und weitere hunderte Bewohner christlicher Bezirke haben in Auffanglagern im Süden der Stadt Zuflucht gesucht. Die Gewalt war nach der Ermordung eines Motorrad-Taxifahrers im PK-5-Viertel eskaliert. Daraufhin zogen aufgebrachte Demonstranten durch die Hauptstadt und forderten den Rücktritt von Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza sowie den Abzug des internationalen Militärs. Ein Mob wollte zudem den Präsidentenpalast stürmen, was aber die UN-Mission MINUSCA verhindern konnte. Die Übergangspräsidentin Samba-Panza vermutet einen Putschversuch.

Das Viertel PK-5 stand bereits vor zwei Jahren im Mittelpunkt der Massaker zwischen Christen und Muslimen. Nach einem Putsch der von Muslimen angeführten Séléka-Bewegung und dem Sturz von Präsident François Bozizé im März 2013 gründete sich die christliche Anti-Balaka-Miliz. Überall im Land kam es zu Zusammenstößen und Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen. Tausende Menschen kamen seitdem ums Leben. Die UN geht von knapp 400.000 Menschen aus, die seitdem Zuflucht in Flüchtlingsunterkünften in den Nachbarländern gesucht haben. Ein Viertel aller Zentralafrikaner sind im Land selbst auf der Flucht.

Zentralafrika Bangui Flüchtlinge

Jeder vierte Zentralafrikaner ist auf der Flucht

Ein Wahlkampf undenkbar

Angesichts der angespannten Stimmung ist

an Wahlen nicht zu denken

. Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen sollten ursprünglich am 18. Oktober stattfinden, wurden aber vorerst auf Dezember verschoben. Laut Hervé Ladsous, dem Leiter der UN-Friedensmission im Land lassen die andauernde Gewalt, die Vernichtung von Wahlunterlagen und die knappen Staatskassen eine Wahl nicht zu.

Catherine Samba-Panza

Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza darf bei den Wahlen nicht antreten

Das sieht Kag Sanoussi vom Internationalen Institut für Konfliktmanagment (IICG) ähnlich. "Aktuell sehe ich nicht welcher Kandidat in der Lage ist irgendwohin zu fahren, um Wahlkampf zu betreiben," sagte er im Gespräch mit der DW. Die Unsicherheit im Land sei ein massives Problem für die Wahl. Sanoussi setzt große Hoffnung in die internationale Gemeinschaft. Ihm zufolge solle sie Druck auf alle bewaffneten Gruppen ausüben, damit die Wahlen überhaupt stattfinden könnten.

Jetzt ist es erst einmal wichtig, im PK-5-Viertel in Bangui für Sicherheit zu sorgen - und außerdem die Hauptverkehrsachse des Landes zwischen Bangui und Kamerun abzusichern, meint Thierry Vircoulon von der International Crisis Group (ICG). Die Straße sei mittlerweile nicht mehr vor Attacken der christlichen Anti-Balaka-Miliz sicher. "Die internationalen Truppen sind momentan weder in der Lage die Hauptstadt und den PK-5-Bezirk zu kontrollieren, noch die Vorgänge in den Provinzen", sagt er der DW. Frankreich startete im Dezember 2013 einen Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik, um die Gewalt zu beenden und die Zivilbevölkerung zu schützen. Seit September 2014 hat eine UN-Mission die Franzosen abgelöst. Solange die Truppen die Lage nicht kontrollieren könne, bestünden kaum Möglichkeiten eine Wahl zu organisieren, so Vircoulon.

Selbst wenn Recht und Ordnung wieder hergestellt werden kann, hat Vircoulon nicht allzu viele Hoffnungen an die geplanten Präsidentschaft- und Parlamentswahlen. "Die nächste Regierung wird vielleicht schwächer sein als die Übergangsregierung", so seine Prognose. Die einzig bessere Option als die jetzige Übergangsregierung sei eine Koalitionsregierung.

Mitarbeit: Eric Topona

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