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Zentralafrikanische Republik

Zentralafrikanische Republik: Aufbau der Armee gerät ins Stocken

Nach dem Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik sollen nun lokale Kräfte für Frieden und Sicherheit sorgen. Die EU und die UN helfen beim Aufbau der Armee. Doch der gestaltet sich schwierig.

Soldaten mit Gewehren, daneben Polizeibeamte in der Zentralafrikanischen Republik

Die Sicherheitskräfte der Zentralafrikanischen Republik können bisher nicht für die Sicherheit des Landes sorgen

"Trainingsmission" - bereits der Name sorgt bei den Bewohnern der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui mitunter für Verwunderung. Die Frage ist: Wer und was soll trainiert werden? Auf dem Papier hat die "Europäische Trainingsmission für die Zentralafrikanische Republik" (EUTM RCA) einen klaren Auftrag: Beratung der zentralafrikanischen Armee in strategischen Fragen,  bei der Ausbildung und der Organisation. Im Juli letzten Jahres hat die Europäische Union  grünes Licht für die Mission gegeben. Bis zu 170 zivile und militärische Kräfte helfen seitdem beim Wiederaufbau einer nationalen Armee - nach dem Vorbild ähnlicher Missionen in Somalia und Mali.

Das Problem: Die Armee, die sie wiederaufbauen sollen, hat es so noch nie gegeben. Selbst zu ihren besten Zeiten hatte das Militär Zentralafrikas lediglich 1000 wirklich einsatzbereite Soldaten. Dabei ist das Land etwa so groß wie Frankreich. "Und auch diese wenigen Streitkräfte haben eigentlich mehr Unsicherheit geschaffen als Sicherheit  - außerdem haben sie zahlreiche Gräueltaten begangen", erklärt Tim Glawion vom deutschen GIGA-Institut.

"Bei null anfangen"

"Man muss in einem solchen Umfeld, in dem ein Land gerade einen bewaffneten Konflikt hinter sich hat, eigentlich fast immer bei null anfangen", gibt auch Mody Berethe zu. Der Mitarbeiter der Vereinten Nationen ist verantwortlich für die Reform des Sicherheitssektors im Land. Neben der Mission der Europäischen Union haben auch die mehr als 10.000 im Land stationierten UN-Blauhelme den Auftrag, den Wiederaufbau der zentralafrikanischen Armee zu unterstützen. Es ist ein Auftrag auf Zeit: Das aktuelle Mandat der EUTM endet im September 2018. Bis Ende 2017 sollen rund 1500 zentralafrikanische Soldaten bereit zum Einsatz sein, verkündete EUTM-Kommandant Herman Ruys im März.

Ein weißer Panzer mit der Aufschrift UN fährt an zerstörten Höusern vorbei

UN-Blauhelme sollen für Sicherheit sorgen, bis eine einheimische Armee einsatzbereit ist

Seit der Unabhängigkeit der Republik im Jahr 1958 hat ein Großteil der Machthaber Zentralafrikas das Militär als eine Art Privateigentum betrachtet und wichtige Posten mit Familienangehörigen und Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe besetzt. Insbesondere Präsident Francois Bozizé, der bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs 2013 zehn Jahre lang oberster Befehlshaber war, habe entscheidend zum "Verfall von Disziplin und zu einer Kultur der Straflosigkeit in der Armee" beigetragen, so eine aktuelle Studie der Französischen Militärakademie. Als schließlich im März 2013 die Rebellengruppe Séléka die Macht im Land übernahm, gab sich die Armee quasi kampflos geschlagen. Ein erheblicher Teil der Soldaten lief zur Anti-Balaka-Miliz über, die ihrerseits für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist.

Keine falschen Anreize schaffen

Vor allem die Frage, wie diese ehemaligen Rebellen nun in die Truppen integriert werden sollen, bleibt politisch umstritten. Tausende Kämpfer der größeren Milizen haben bereits ihre Ansprüche angemeldet, Teil einer offiziellen Armee zu werden. Viele halten das jedoch für den falschen Ansatz -  wäre es doch ein Signal, dass sich Rebellion finanziell auszahlt. Außerdem gibt es unzählige kleinere bewaffnete Gruppierungen im Land, die sich übergangen fühlen könnten - um dann ihren Ansprüchen mit Waffengewalt Nachdruck zu verleihen.

"Es muss klar sein, dass niemand integriert wird, der schwere Menschenrechtsverletzungen begangen hat", fordert deshalb Evan Cinq-Mars vom US-amerikanischen Center for Civilians in Conflict (Zentrum für die Zivilbevölkerung in Konflikten). Das sei auch nicht der Fall, versichert UN-Mitarbeiter Mody Berethe. Neben physischen und mentalen Merkmalen werde auch immer die Vergangenheit von Bewerbern durchleuchtet, so Berethe. Der UN-Vertreter geht sogar noch einen Schritt weiter: "Auch Soldaten, die bereits Teil der offiziellen Armee waren und im Dienst schwere Straftaten begangen haben, werden entlassen."

Ein Kämpfer der Seleka in einer grün-braunen Uniform mit Gewehr und einer Flagge

Seleka-Rebellen übernahmen 2013 die Macht

Internationale Truppen werden bleiben

Tim Glawion vom GIGA-Institut findet es generell problematisch, dass beim Versuch der internationalen Gemeinschaft, ein Mindestmaß an Sicherheit im Land zu etablieren, dem nationalen Militär eine solch herausragende Rolle zukomme. "Allein die Idee, dass die inländischen Probleme mit einer Armee zu lösen sind, trägt meiner Meinung nach zu einer Militarisierung der sozialen Spannungen bei und ist der absolut falsche Weg", so der Zentralafrika-Experte. Stattdessen müsse es mehr darum gehen, lokale Polizeieinheiten und nachbarschaftlich organisierte Selbstverteidigungsgruppen in den Dörfern zu unterstützen. "Manchmal ist das natürlich auch problematisch, aber häufig haben diese Gruppen auch gute Ansätze", meint Glawion. "Eine nationale Armee ist etwas, das man meiner Ansicht nach lieber noch ein paar Jahre zurückstellen kann."

Zwar hat es in den vergangenen Jahren mehrfach Missbrauchsvorwürfe auch gegen UN-Blauhelme gegeben. Insgesamt schätzen Beobachter die Arbeit der internationalen Truppen in der Zentralafrikanischen Republik jedoch überwiegend positiv ein. "Zumindest versuchen sie sich im ganzen Land zu etablieren. Damit füllen sie durchaus ein Sicherheitsvakuum - und das wahrscheinlich besser, als es die eigene Regierung jemals getan hat", so Glawion. Unter den momentanen Bedingungen hätten die internationalen Truppen eigentlich gar keine andere Wahl, als sich auf eine lange Mission einzustellen. "Sie werden bleiben! Noch zehn Jahre - mindestens."

 

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