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Afrika

Zentralafrikanische Rebellen weisen muslimischen Premier zurück

Zum ersten Mal bekommt die Zentralafrikanische Republik einen muslimischen Premierminister. Mahamat Kamoun stand schon im Dienst mehrerer Staatschefs. Doch ausgerechnet die muslimische Séléka-Miliz will ihn nicht.

Mahamat Kamoun heißt der neue Hoffnungsträger der Zentralafrikanischen Republik. Nach langen Beratungen, wie der Sprecher der Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza betont, hat sich die Staatschefin für einen neuen Regierungschef für das tief gespaltene Bürgerkriegsland entschieden. Mahamat Kamoun bringt gleich mehrere wichtige Eigenschaften mit, die ihm helfen könnten, das Land zu einen und den Wiederaufbau voranzubringen: Er ist ein Finanzexperte mit politischer Erfahrung. Er diente bereits Staatschefs aus allen Lagern - sowohl dem 2013 gestürzten Präsidenten Francois Bozizé als auch dessen Nachfolger, dem ehemaligen Séléka-Rebellenführer Michel Djotodia. Zuletzt war er Berater der jetzigen Übergangspräsidentin Samba-Panza. Vor allem aber gilt Kamoun deswegen als ein geeigneter Versöhner, weil er selbst der muslimischen Minderheit angehört - wie die Séléka-Rebellen, die immer noch große Teile des Landes

kontrollieren

.

Brazzaville Versöhnungsforum 23.7.2014

Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza mit dem kongolesischen Präsidenten Denis Sassous-Ngesso

Mit dieser Neubesetzung versucht Samba-Panza, ein

Waffenstillstandsabkommen

zu stärken, das die muslimische Séléka-Miliz und die christliche Anti-Balaka-Miliz im Juli 2014 in der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville unterzeichnet haben. Der Frieden ist fragil: Vertreter beider Seiten haben den Waffenstillstand bereits gebrochen. Dass die Christin Samba-Panza nun einen Muslim ernennt, sehen Beobachter als Versuch, das Kräfteverhältnis im Land besser abzubilden und die Spannungen mit der Séléka zu überwinden.

Muslim sein ist nicht genug

Präsidentin Samba-Panza habe mit der Ernennung des ersten Muslims als Regierungschef einen Schritt auf die muslimische Minderheit zugehen wollen, sagte ihr Sprecher Clément Anicet Guiyama Massogo, der die Entscheidung am Sonntag bekanntgegeben hatte. "Es ist die logische Folgerung von Brazzaville. Schon zu Anfang der Beratungen hatte die Präsidentin angekündigt, große politische Schritte zu tun, um dem Abkommen gerecht zu werden."

Karte Zentralafrikanische Republik

Große Teile des Landes werden von Rebellen kontrolliert

Doch ausgerechnet von der Séléka kommt nun die lauteste Kritik am neuen Regierungschef. Die Rebellengruppe fühlt sich nicht durch Kamoun repräsentiert. Man sei nicht in den Prozess einbezogen worden und habe erst aus ausländischen Medien von der Ernennung Kamouns erfahren, sagte ein Sprecher. Die Séléka werde sich daher nicht an der neuen Regierung beteiligen. Der militärische Sprecher der Séléka, Djouma Narkoyo,verwies im Gespräch mit der DW auf eine Einigung vom Januar 2014, als Djotodia als Übergangspräsident zurücktrat. Damals habe es geheißen, die Séléka solle den zukünftigen Premierminister stellen. Der Kandidat der Rebellen dafür sei längst bekannt, so der Sprecher: der bisherige Verkehrsminister Gontran Djono Ahaba, ein Neffe Djotodias.

Der Sprecher der Präsidentin wies die Vorwürfe allerdings zurück. Samba-Panza habe alle Gruppierungen im Land um Vorschläge für das Amt des Premierministers gebeten. Die Séléka habe aber keinen Vorschlag gemacht.

"Alle Zentralafrikaner zusammenbringen"

Räumung der Muslime in der Zentralafikanischer Republik

Viele Muslime haben den Süden des Landes verlassen

Auch Mahamat Kamoun selbst äußerte sich im DW-Interview zu den hohen Erwartungen an seine Person. Die Tatsache, dass er Muslim sei, sei nicht entscheidend, sagte er: "Was wir vor allem brauchen, ist ein Mensch, der alle Zentralafrikaner zusammenbringen, allen die Hand ausstrecken und mit allen im Einvernehmen arbeiten kann. Das ist das Wichtigste." Solange die Séléka die Zusammenarbeit verweigert, bleibt jedoch offen, ob der Regierungswechsel - bereits der zweite in diesem Jahr - dabei helfen kann, die Gräben im Land zu überwinden.

Politisch will Kamoun zunächst die Ziele seines Vorgängers weiterverfolgen. Die Prioritäten der Regierung seien mit der internationalen Gemeinschaft abgestimmt: Mit einem

Vier-Punkte-Plan

will der neue Premierminister erstens Frieden und Sicherheit schaffen, zweitens humanitäre Hilfe für die intern Vertriebenen leisten, drittens die Verwaltungsstrukturen und Wirtschaft zum Laufen bringen und schließlich die Präsidentschaftswahlen vorbereiten.

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