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Afrika

Zentralafrika droht die Teilung

Die Zentralafrikanische Republik hat noch immer keine Regierung. Unterdessen hat die Séléka in einer Pressemeldung einen eigenen Staat proklamiert. Den Norden hat sie längst unter ihrer Kontrolle.

Dar El Kouti soll der neue Staat heißen - so steht es in einer Pressemeldung vom 17.08.2014. In der "Entscheidung Nummer 003" sind die Namen der Personen, die diesen Staat anführen sollen, aufgelistet. Ganz oben auf der Liste steht Michel Djotodia. Der Anführer des Putsches durch die Séléka, der die Zentralafrikanische Republik im März 2013 ins Chaos stürzte, lebt seit Januar 2014 im erzwungenen Exil in Benin. Damals musste er auf internationalen Druck hin zurücktreten. Im neuen Staat Dar El Kouti soll er den Posten des Staats- und Regierungschefs zurückerhalten.

Michel Djotodia Foto: ERIC FEFERBERG/AFP/Getty Images

Bald wieder Staatschef? Séléka-Führer Michel Djotodia

Dar El Kouti, das ist der Name eines Sultanats, das im frühen 19. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Nordwestens der Zentralafrikanischen Republik existierte. Der Sultan, Muhammad al-Sanusi, kämpfte damals gegen die französischen Kolonialisten. Sein geistiges Erbe soll nun offenbar wiederbelebt werden. 800 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Bangui, in der Region um die Stadt Birao, die allerdings nicht in dem Gebiet des historischen Sultanats liegt.

Djotodia ist "not amused"

Auf der Liste steht auch der Name von Abakar Sabone. Er soll in Dar El Kouti Staatssekretär für die nationale Bildung werden. Gewusst habe er davon nichts, sagt Sabone im DW-Interview: "Djotodia hatte sich noch nicht entschieden, das bekannt zu geben. Es gibt die Idee, aber dieses Dokument kommt nicht vom Präsidenten der Séléka." Er habe Djotodia am Sonntag (17.08.2014), dem Tag der Veröffentlichung der Meldung, selbst gesehen. "Er war sehr wütend. Er hat die Person, die die Meldung verschickt hat, sofort suspendiert." Der Absender heißt Hamat Mal-Mal Essène, "Entscheidung Nummer 003" zufolge Staatssekretär für ländliche Entwicklung in Dar El Kouti. Essène verschickte wenig später ein Dementi: Er sei Opfer eines Hacker-Angriffs geworden, die Meldung habe er gar nicht selbst verschickt.

Mahamat Kamoun Foto: PACOME PABANDJI/AFP/Getty Images

Premierminister ohne Macht: Mahamat Kamoun

Trotzdem: Die Katze ist aus dem Sack. Nicht ganz überraschend, denn bereits bei den

Friedensverhandlungen in Brazzaville

Ende Juli, der Hauptstadt der Republik Kongo, hatten Séléka-Vertreter angekündigt, dass sie einen eigenen Staat wollen. In Brazzaville hatten sich die Konfliktparteien auf einen Minimalkonsenz geeinigt, einen Waffenstillstand, der bereits mehrfach gebrochen wurde. Seit der Machtergreifung durch die muslimischen Séléka-Kämpfer tobt in der Zentralafrikanischen Republik ein Bürgerkrieg zwischen überwiegend muslimischen und christlichen Milizen. Tausende Menschen fielen den Gräueltaten beider Fraktionen zum Opfer; etwa eine Million Zentralafrikaner sind auf der Flucht vor der Gewalt. Die Regierung um die Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza und den vor wenigen Tagen ernannten

Premierminister Mahamat Kamoun

ist schwach. Der Norden des Landes wird nahezu komplett von der Séléka kontrolliert, die Regierung und die internationalen Truppen der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und aus Frankreich haben kaum Einfluss.

Séléka zu keinem Kompromiss bereit

Die Séléka

erkennt den neuen Premier nicht an

, obwohl er Muslim ist. Séléka-Mitglied war er nie. "Die Séléka ist eine politisch-militärische Koalition, die laizistisch ist. Es ist keine islamistische oder muslimische Koalition", stellt Djotodia-Sprecher Habylah Awal klar. An der neuen nationalen Einheitsregierung wolle sich die Séléka nicht beteiligen: "Wir werden nicht akzeptieren, dass Catherine Samba-Panza uns ihren Willen aufzwingt."

Soldaten der Afrikanischen Union Foto: STRINGER/AFP/Getty Images

Sollen durch UN-Truppen abgelöst werden: Soldaten der Afrikanischen Union

Premier Kamoun ist es bis heute nicht gelungen, eine Regierung zu bilden. Trotzdem versucht man, Stärke zu demonstrieren. "Die Teilung der Zentralafrikanischen Republik kommt nicht in Frage", sagt Regierungssprecher Gaston Mackouzangba im DW-Interview. Den Staat Dar El Kouti werde es nicht geben.

Trotz ihrer Stärke ist die Séléka keinesfalls eine einheitlich agierende Gruppe: Es gibt zahllose Splittereinheiten und ethnische Strömungen. "Die Séléka agiert nur als Einheit, wenn sie unter Druck gerät", sagt Thierry Vircoulon, Koordinator für Zentralafrika beim Think Tank International Crisis Group. Er war selbst bei den Verhandlungen in Brazzaville dabei - im Gegensatz zu der Séléka-Fraktion aus Birao, dem Zentrum des angeblichen neuen Staates Dar El Kouti. Unter Druck scheint sich die Séléka im Moment nicht zu fühlen. Ihre Forderungen sind in den vergangenen Monaten immer umfangreicher geworden: Angefangen von der Entwicklung des von der Zentralregierung vernachlässigten Nordens, bis hin zu dem Ruf nach einem eigenen Staat im Norden der Zentralafrikanischen Republik, auf dessen Gebiet sich große Diamantenvorkommen befinden. Eine funktionierende zivile Einheitsregierung scheint vor diesem Hintergrund aussichtslos. "Solange die Séléka nicht verhandeln will, bleibt das Problem bestehen. Um mit ihnen verhandeln zu können, muss die Séléka unter Druck gesetzt werden." Dieser Druck könne nur militärisch aufgebaut werden. Im September sollen 12.000 UN-Soldaten in die Zentralafrikanische Republik entsendet werden. "Die müssen dann in das Séléka-Gebiet", sagt Vircoulon - ungeachtet, ob es bis dahin Dar El Kouti heißt oder nicht.

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