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Deutschland

Zeigen, dass man die Freiheit schätzt

Der 13. August ist in Berlin ein besonderer Tag, denn 1961 wurde an diesem Datum mit dem Bau der Mauer begonnen. Zu den Gedenkfeiern kamen dieses Jahr besonders viele Prominente - einige aus strategischen Gründen.

Kränze an der Mauergedenkstätte. Foto: Heiner Kiesel/DW Foto: Heiner Kiesel / DW

Gedenkfeier zum 52. Jahrestag des Mauerbaus

Er kennt das schon und setzt sich mit geziemender Bescheidenheit auf einen der im Kreis aufgestellten Stühle. Klaus Wowereit (SPD), der Regierende Bürgermeister Berlins, ist in die Kapelle der Versöhnung gekommen, um des Mauerbaus zu gedenken. Letztes Jahr war er auch hier, aber es war nicht so voll bei der Veranstaltung an der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Klaus Wowereit in der Versöhnungskirche, rechts neben ihm Petra Pau. Foto: Heiner Kiesel / DW

In der Kapelle der Versöhnung: Gedenken für die Opfer der Mauer

Diesmal, am 52. Jahrestag des Mauerbaus ist der schlichte Sakralbau mit den lehmverputzen Wänden bis auf den letzten Platz gefüllt. Es ist Wahljahr und viele Politiker aus der Landes- und Bundespolitik nutzen den Termin, um mit ihrer Anwesenheit zu zeigen, wie sehr ihnen Freiheit und Demokratie am Herzen liegen. Kulturstaatsminister Bernd Naumann, ebenfalls unter den Gästen, hatte schon im Vorfeld auf die "Bilanz dieser Bundesregierung bei der Verstärkung der Aufarbeitung der SED-Diktatur" hingewiesen.

Der Mann der vorne ans Rednerpult tritt, hätte sich vielleicht etwas weniger Andrang gewünscht: Thomas Jeutner. Für den evangelischen Geistlichen ist es immerhin das erste Mal, dass er an diesem Jahrestag als Pfarrer der Berliner Versöhnungsgemeinde dieses Gedenken begleitet. Die Gemeinde selbst war durch den Mauerbau 1961 geteilt worden und sieht es als ihre besondere Verantwortung, die Erinnerung an das historische Ereignis der Teilung Deutschlands wach zu halten. Es ist ein bitteres Gedenken: Nach Erkenntnissen der Stiftung Berliner Mauer starben insgesamt mindestens 136 Menschen an der Grenze in Berlin. Insgesamt wurden an der innerdeutschen Grenze bis 1989 etwa 1000 Flüchtlinge getötet.

Verfolgte Jugend

Thomas Jeutner Pfarrer der Versöhnungsgemeinde in Berlin-Wedding. Foto: Heiner Kiesel / DW

Pfarrer Thomas Jeutner mahnt zur Wachsamkeit

Anfangs noch mit verhaltener Stimme berichtet Jeutner von seiner Jugend in Ostdeutschland und davon wie er es erlebt habe, dass Altersgenossen gegängelt und eingesperrt wurden, nur weil sie nicht angepasst genug an das DDR-System waren. Jeutner verdeutlicht das am Beispiel des Maueropfers Otfried Reck. Der Tankwartslehrling war 1962 als 17-Jähriger bei einem Fluchtversuch an der Mauer tödlich verletzt worden. Die Worte des Pfarrers gelten besonders den 100 Jugendlichen, die gekommen sind und die Gedenkfeier über einen Videoschirm im Vorraum mitverfolgen. "Es waren Fluchten von meist sehr jungen Leuten, die sich nicht abgefunden haben mit dem Irrsinn der Teilung", erinnert sich Jeutner. Er forderte die Anwesenden auf, "wachsam zu sein, weil Teilung nach Gedanken, Herkunft und Einkommen immer noch zur Menschheit gehört".

Dann schildert Rainer Wagner, Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, nicht minder eindringlich von seiner Zeit als Jugendlicher Strafgefangener in Dessau. "Ein Mithäftling hat mir gesagt, ob man nun in diesem Gefängnis oder draußen im Gefängnis DDR ist, unterscheidet sich doch nur durch die Möblierung." Wagner bezeichnet das untergegangene ostdeutsche System als "Zuchthausstaat" und äußert mit einem leichten Beben in der Stimme Unverständnis über DDR-Nostalgiker und Apologeten der SED-Diktatur, "die mit ihren Uniformen aufmarschieren". Und mutmaßt über ehemalige Grenzsoldaten und ihre Offiziere, die nicht einsehen wollten, dass sie Unrecht getan hätten: "Vielleicht haben sie Sandpapier auf der Seele."

Kränze und Schnappschüsse

Klaus Wowereit beim Schnappschuss mit Touristen. Foto: Heiner Kiesel / DW

Berlins Regierender Bürgermeister nutzt den Gedenk-Termin zum Menscheln

Im Anschluss daran machen sich die Gäste auf den kurzen Weg von der Kapelle zum Mauerdenkmal. Sie halten an einer oxydierten Stahlwand, die ein erhaltenes Stück des ehemaligen Mauerstreifens abschließt. Wowereit und die anderen prominenten Gäste formieren sich in einer stillen Reihe vor der Wand. Unzählige Kränze von Parteien, staatlichen Institutionen, Opferverbänden und diplomatischen Auslandsvertretungen sind dort aufgereiht. Das Ganze dauert nur wenige Minuten. Dann entspannen sich die ernsten Gesichter. Klaus Wowereit darf sich endlich den Kameras zuwenden und erklären, "dass man Demokratie jeden Tag wieder leben muss" und dass die Gedenkstätten mehr als nur Anziehungspunkte für die Touristen seien. "Ganz wichtig ist es, den jungen Generationen den Schrecken der Mauer zu verdeutlichen." Dann wendet sich der Regierende Bürgermeister ab. Noch zwei Schnappschüsse – einer mit Schülern, einer mit zwei italienischen Touristinnen. Dann geht es weiter zur nächsten Mauergedenkveranstaltung vier Kilometer weiter.

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