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Politik

"Zeig mir Deine iPod List – und ich sag Dir, wer Du bist!"

Die Strategie der Firma Apple ist aufgegangen: Der iPod ist längst mehr als ein technisches Gerät. Er verkörpert ein Lebensgefühl. Jetzt befasst sich sogar die Wissenschaft mit der "iPodisierung" der USA.

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Es ist schon verrückt: Als "Apple" vor fünf Jahren seinen kleinen weißen MP3-Spieler mit Namen iPod auf den Markt brachte, prophezeiten Kritiker mäßigen Erfolg. Viel zu kompliziert sei es, Musik erst in den Computer und von da aus auf den iPod zu laden. Und überhaupt, Windows-Nutzer würden doch ohnehin Probleme mit allem haben, was von Apple kommt. Irren ist menschlich.

Mit Abschluss des vierten Quartals 2006 wird Apple rund 68 Millionen iPods weltweit verkauft haben und kontrolliert rund 70 Prozent des gesamten MP3-Player-Marktes der USA. Nirgendwo sonst sind Nano, Shuffle, Mini und Co so erfolgreich, wie hier: Ganz aktuelle Daten fehlen, doch schon 2005 hatten angeblich 11 Prozent der Amerikaner einen iPod – Tendenz steigend.

Image zählt

Dass amerikanischen Senioren mit weißen Stöpseln in den Ohren durch die Gegend laufen, das ist ein eher seltenes Bild. Die jungen Besserverdienenden stellen die Hauptkäufergruppe für iPods. Und das ist es auch, was die Kritiker damals vergaßen: Images verkaufen sich leichter, als ausgefeilte Technik. Trage einen iPod und Du signalisierst "Ich bin jung, erfolgreich und lebe am Puls der Zeit". Wer will das nicht!

Längst befasst sich auch eine Reihe wissenschaftlicher Studien mit den Auswirkungen der "iPodisierung" der USA. Macht ständiger Musikgenuss glücklicher (ja!)? Steigt gar der IQ einer ganzen Generation? Die ständige Konfrontation des Gehirns mit komplexen Klängen soll einem mentalen Jogging gleichkommen (noch unsicher). Wird Apple sich andererseits in zehn bis zwanzig Jahren zahlreichen Klagen wegen Schäden am Hörorgan durch zu laute Beschallung gegenüber sehen (bleibt abzuwarten)?

Musikgeschmack hilft bei Partnersuche

Die "University of Texas" gewährte 3500 Probanden Einblick in die Top 10 iPod-Songs einer Reihe von Personen. Anschließend wurden die Versuchsteilnehmer gebeten, anhand der Titelzusammenstellung Aussagen zur Persönlichkeit des jeweiligen Besitzers zu machen. Es sei unglaublich, mit welcher Exaktheit die Probanden ihr Gegenüber nur anhand des Musikgeschmacks hätten einschätzen können, sagt Jason Rentfrow, der betreuende Psychologe. Möglicherweise könnte sich hier ein ganz neuer Weg auftun, Freunde oder gar Partner zu finden.

Machen wir doch mal den Test: Angenommen sei eine Person, die in ihrer Musikbibliothek eine ganze Reihe an Country-Songs hat, beispielsweise von George Jones oder Alan Jackson, gemischt mit etwas rock'n'rolligem Van Morrison und ein bisschen Folk-Pop in Form von Joni Mitchell. "Extrovertiert und irgendwie entspannt", analysiert Rentfrow. "Gleichzeitig aber nicht offen für Neues und alles andere als unkonventionell." Es scheint was dran zu sein an der These vom "Zeig mir Deine iPod-List…". Es handelt sich hier nämlich um die Musikbibliothek von niemand Geringerem als George W. Bush persönlich. Vielleicht sollte im Präsidentschaftswahlkampf 2008 die Offenlegung der Top 10 aller Kandidaten zur Auflage gemacht werden. Einen Versuch wäre es jedenfalls wert.