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Aktuell Nahost

Zehntausende Syrer sitzen an der Grenze fest

Die Kämpfe um die syrische Stadt Aleppo treiben immer mehr Menschen in die Flucht. Sie wollen in die Türkei entkommen - doch der Schlagbaum ist bisher die Endstation. Öffnet Ankara bald seine Grenzen?

Fliehende Frau im syrisch-türkischen Grenzgebiet (Foto: Reuters)

Das letzte Hab und Gut: Fliehende Frau im syrisch-türkischen Grenzgebiet

Zehntausende Syrer, die vor dem Bombardement russischer und syrischer Regierungstruppen aus der Provinz Aleppo geflohen sind, werden von der Türkei nach wie vor an der Einreise gehindert. Das Grenztor bei Öncüpinar nahe der südtürkischen Stadt Kilis blieb weiterhin geschlossen, wie Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichten. Nach Angaben des Gouverneurs von Kilis, Suleyman Tapsiz, kamen innerhalb von 48 Stunden 35.000 syrische Flüchtlinge an der dortigen Grenze an.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte dagegen, sein Land lasse syrische Flüchtlinge aus der Region Aleppo weiter ins Land. "Wir halten an der Politik der offenen Tür für diejenigen fest, die vor der Gewalt des Regimes und den russischen Luftschlägen fliehen", sagte Cavusoglu nach einem Treffen mit den EU-Außenministern in Amsterdam. "Wir haben bereits 5000 von ihnen aufgenommen, und 50.000 bis 55.000 sind auf dem Weg."

"Genfer Konvention gilt"

Hintergrund der Äußerungen ist offenbar eine Aufforderung der Europäischen Union. EU-Erweitungskommissar Johannes Hahn hatte zuvor erklärt, es gelte nach wie vor die Genfer Konvention, wonach Flüchtlinge aufzunehmen seien. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, Cavusoglu sei bei dem Treffen in Amsterdam deutlich gemacht worden, dass die Grenzen weiter offen bleiben sollten. Cavusoglu versicherte, dass man die Menschen nicht allein lasse, die vor Luftangriffen flöhen und von syrischen Regierungstruppen, unterstützt von schiitischen Milizen aus dem Iran, angegriffen würden.

Nach türkischen Presseberichten haben die Behörden des Landes einen Plan zum Empfang von Flüchtlingen vorbereitet. Seit Freitag würden neue Zelte in einem bereits bestehenden Lager in der Nähe des Grenzübergangs Öncüpinar aufgestellt, hieß es. Die türkische Hilfsorganisation IHH durfte demnach über die Grenze, um den Menschen das Nötigste zu bringen - Wasser, Lebensmittel und Decken.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Russland am Freitag vorgeworfen, zusammen mit der syrischen Regierung für den Tod von 400.000 Menschen in dem Bürgerkriegsland verantwortlich zu sein. Russland unterstützt die syrische Regierung massiv mit Luftangriffen im Kampf gegen die Rebellen.

Syrischer Flüchtling an der Grenze zur Türkei (Foto: BULENT KILIC/AFP/Getty Images)

Politik der offenen Tür? Syrischer Flüchtling an der Grenze zur Türkei

"Im hölzernen Sarg nach Hause"

Die syrischen Machthaber warnen unterdessen vor dem Einsatz ausländischer Bodentruppen in ihrem Land. Jegliche Intervention am Boden ohne Zustimmung der Regierung in Damaskus sei eine "Aggression", sagte der syrische Außenminister Walid Muallem. "Wir versichern euch, dass jeder Aggressor in einem hölzernen Sarg heimkehren wird", drohte er.

Am Donnerstag hatte Saudi-Arabien, das in dem Konflikt islamistische Rebellen unterstützt, seine Bereitschaft zur Entsendung von Bodentruppen nach Syrien erklärt - offiziell, um gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu kämpfen. Sollte sich die Anti-IS-Koalition, die von den USA angeführt wird, für einem Bodeneinsatz entscheiden, "werden wir positiv dazu beitragen", erklärte der saudische Brigadegeneral Ahmed al-Assiri. Die USA schließen den Einsatz eigener Bodentruppen in Syrien bisher allerdings aus.

jj/wl (dpa, afp, rtr)

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