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Aktuell Europa

Zehntausende Norweger singen gegen Anders Breivik

Musik gegen Massenmörder: Als Zeichen des Widerstandes gegen Thesen des Attentäters Breivik kamen in Oslo 40.000 Menschen zusammen, um ein Kinderlied zu singen. Doch warum hasst der Rechtsextremist gerade dieses Lied?

Rund 40.000 Menschen singen im Nieselregen in Oslo zum Protest gegen Breivik (Foto: AP)

Norwegen Oslo Gesang gegen Breivik

Der Ort des kollektiven Singens war kein Zufall. Nach Schätzung der Polizei stimmten rund 40.000 Menschen das Lied "Kinder des Regenbogens" von Lillebjoern Nilsen auf einem zentralen Platz in Oslo an. Von dort ging die Teilnehmer zu dem Gerichtsgebäude, in dem sich Breivik wegen Mordes und Terrorismus verantworten muss, und legten um das Haus herum Rosen nieder. Breivik hat sich zu den Anschlägen in Oslo und Utöya vom 22. Juli 2011 bekannt, bei denen zusammen 77 Menschen getötet wurden. Der 33-Jährige will aber aus "Notwehr" gehandelt haben, weil er eine fortschreitende Islamisierung Norwegens fürchte.

Das Lied ist eine Adaptation des Songs "My Rainbow Race" des US-Folksängers Pete Seeger und erfreut sich bei den Norwegern einer großen Beliebtheit. Der Refrain lautet: "Zusammen werden wir, Brüder und Schwestern, als kleine Kinder des Regenbogens und der grünen Erde leben." Der Musiker Nilsen, der die Aktion am Donnerstag anführte, sagte, das Lied handele nicht in erster Linie von Menschen, sondern vom Schutz der Umwelt.

Gegenkampagne über Facebook

Jugendliche legen rote und weiße Rosen vor dem Gerichtssaal in Oslo nieder (Foto:reuters)

Jugendliche legen rote und weiße Rosen vor dem Gerichtssaal in Oslo nieder

Viele Sänger, die einem Aufruf zum Gesangsprotest im Internet trotz des Nieselregens gefolgt waren, trugen bunte Regenschirme und Regenjacken, Rosen und norwegische Flaggen. Breivik hatte am Freitag vor Gericht Nilsen als "sehr gutes Beispiel eines Marxisten" bezeichnet, der die Kulturszene infiltriert habe und mit seinen Liedern norwegische Schüler einer "Gehirnwäsche" unterziehe.

Zwei Norwegerinnen starteten daraufhin auf Facebook eine Kampagne, um das Lied wieder "zurückzuerobern". "Ich hatte das Gefühl, dass er auf einem Lied herumtrampelte, mit dem ich aufgewachsen war, und das ich meinem Kind vorsinge", sagte eine der Initiatoren, Lill Hjoennevaag, dem Fernsehsender NRK.

Erster Überlebender im Zeugenstand

Am neunten Prozesstag sagten die ersten Überlebenden des Bombenanschlags im Osloer Regierungsviertel aus. Als die Bombe explodierte, habe er sofort gewusst, dass es ein terroristischer Anschlag war, berichtete der 67-jährige Harald Føsker. Er habe in seinem Büro schwer verletzt am Boden gelegen und nicht getraut, sich zu bewegen, falls die Explosion ein Loch in den Boden geschlagen haben sollte.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 eine 950 Kilogramm schwere Autobombe in der Osloer Innenstadt gezündet. Acht Menschen kamen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt. Beim folgenden Amoklauf auf der Fjordinsel Utøya tötete er 69 Teilnehmer eines Sommercamps der Jugendorganisation der Sozialdemokraten.

Nur nicht in die Psychiatrie

Psychiater und ihre Gutachten spielen eine große Rolle im Prozess gegen Breivik (Foto:reuters)

Psychiater und ihre Gutachten spielen eine große Rolle im Prozess gegen Breivik

Am Mittwoch wies der angeklagte Massenmörder ein psychiatrisches Gutachten zurück, das ihn für unzurechnungsfähig erklärt. "Die Person, die in diesem Bericht beschrieben wird, das bin nicht ich", sagte Breivik vor dem Gericht. "Ich denke, ganz Norwegen hat gesehen, dass ich nicht verrückt bin", fügte der 33-jährige Attentäter hinzu. Der Bericht enthalte "200 Lügen". Ihm darin zugeschriebene Aussagen seien "erfunden".

Die Frage nach dem Geisteszustand Breiviks ist in dem Osloer Prozess von großer Bedeutung und dürfte entscheidenden Einfluss darauf haben, ob er seine Strafe in einem Gefängnis oder in einer psychiatrischen Klinik verbüßen muss. In der Psychiatrie zu landen sei "das Schlimmste", was einem politischen Aktivisten passieren könne, sagte Breivik. "Das entlegitimiert alles, für was du stehst." Er sei sich sicher, dass er nicht in der Psychiatrie enden werde.

kle/sc (afp, dapd, rtr, dpa)

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