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Europa

Zehntausende nehmen Abschied von Havel

Trauer um eine europäische Symbolfigur: Mit klingelnden Schlüsseln, hochgereckten Plakaten und respektvollem Applaus haben die Tschechen dem ehemaligen Staatschef Vaclav Havel das letzte Geleit gegeben.

Menschen klingeln mit Schlüsseln in der Prager Innenstadt (Foto:dapd)

Klingelnde Schlüssel in der Prager Innenstadt

In der tschechischen Hauptstadt Prag haben zehntausende Menschen Abschied von Vaclav Havel genommen. In einem langen Trauerzug wurde der Sarg des ehemaligen Präsidenten, Dissidenten und weltweit anerkannten Dramatikers am Mittwoch (21.12.2011) durch die Innenstadt zur Prager Burg überführt. In der Burg, seit jeher Sitz der tschechischen Staatsoberhäupter, wird Havels Leichnam bis zum offiziellen Trauergottesdienst am Freitag aufgebahrt sein. Am Vortag hatten die Menschen noch bis spät in die Nacht in der früheren Kirche St. Anne, heute ein von Havel gegründetes Kulturzentrum, still Abschied genommen.

Ein Verfechter von Idealen

Soldaten tragen Havels Sarg in die Prager Burg (Foto: dapd)

Soldaten tragen Havels Sarg in die Prager Burg

Auf dem Prager Hradschin wurde der Sarg in einer Zeremonie voller Symbolik und Pathos empfangen. Ein Pferdegespann zog den Sarg auf einer Geschützlafette über den Burgvorplatz, vorbei am Erzbischöflichen Palast, auf dem eine schwarze Flagge wehte. Eine Ehrengarde von 200 Soldaten begleitete den Sarg in langsamem Schritt. Ihm folgten im leichten Regen Havels Witwe Dagmar, sein Bruder Ivan, Staatspräsident Vaclav Klaus und höchste staatliche Würdenträger.

Mehr als 10.000 Menschen versammelten sich vor der Burg, um der militärischen Zeremonie beizuwohnen. Als der Sarg das Gigantentor passierte, klatschen sie im Andenken an Havel spontan in die Hände. "Er war ein Verfechter von Idealen, das wird in der heutigen Zeit fehlen", sagte einer der Trauernden. Ein junger Mann beklagte, dass mit dem ehemaligen Außenminister Dienstbier, dem Schriftsteller Jiri Grusa und nun Havel eine ganze Elite der Nation abgetreten sei. Die drei engen Weggefährten und Freiheitskämpfer waren alle in diesem Jahr verstorben.

Bewegende Gesten entlang des Trauerzugs

Entlang des Trauerzuges hatten die Menschen auf zum Teil ganz persönliche Weise ihre Trauer bekundet. Eine Trauernde hielt ein Plakat mit Havels Lebensmotto "Wahrheit und Liebe müssen siegen" hoch. An der Fassade der Kirche neben der Karlsbrücke hing ein handbemaltes Transparent mit der Aufschrift "Danke, Vaclav". Junge Leute klingelten mit ihrem Schlüsselbund und erinnerten daran, wie Havel mit seinen Wegbegleitern vor mehr als zwei Jahrzehnten das Ende des Kommunismus einläutete.

Am Freitag wird Erzbischof Dominik Duka im Veitsdom die katholische Trauerfeier zelebrieren, zu der unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton und Bundespräsident Christian Wulff erwartet werden. Die Beisetzung wird zu einem späteren Zeitpunkt im Kreis der Familie erfolgen.

Havel war Sonntagmorgen im Alter von 75 Jahren in Prag gestorben. Im Wendejahr 1989 wurde er zur Symbolfigur des demokratischen Aufbruchs. Von 1989 bis 1993 war Havel Präsident der damaligen Tschechoslowakei, anschließend bis 2003 Staatsoberhaupt der neu gegründeten Tschechischen Republik. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt betrieb Havel erfolgreich die Anbindung Tschechiens an NATO und EU. Vor und nach seiner Zeit als Präsident war er auch ein erfolgreicher Theaterautor.

Autor: Florian Meyer (dpa, ap)
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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