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Evakuierung in Koblenz und Frankfurt

Zehntausende müssen Fliegerbomben weichen

Die Aktion war seit dem Morgen vorbereitet worden: In Koblenz mussten 21.000 Anwohner ihre Wohnungen verlassen. In Frankfurt läuft die größte Evakuierung in der Geschichte der Bundesrepublik.

Fliegerbombe in Koblenz (picture alliance/dpa/Thomas Frey)

Mitarbeiter des Rettungsdienstes bei der Evakuierung des Koblenzer Brüderkrankenhauses

Nach Behördenangaben gelang es den Experten vom Kampfmittelräumdienst gegen 16.15 Uhr, die 500 Kilogramm schwere US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Koblenz unschädlich zu machen. Bei der Evakuierung des Gebiets rund um den Blindgänger war es zu leichten Verzögerungen gekommen, weil einige Anwohner ihre Wohnungen erst nach intensiven Gesprächen hatten räumen wollen. In zwei Fällen hätte das Ordnungsamt eingreifen müssen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Insgesamt musste fast ein Fünftel der 113.000 Einwohner von Koblenz seine Wohnungen und Häuser verlassen.

In der Sperrzone mit einem Radius von einem Kilometer wurden auch zwei Altenheime, ein Krankenhaus und ein Gefängnis geräumt. Am Hauptbahnhof und dem Bahnhof Moselweiß hielten seit dem Mittag keine Züge mehr. Hilfsorganisationen, Polizei und Feuerwehr waren mit einem Aufgebot von rund 800 Einsatzkräften vor Ort.

70.000 Frankfurter müssen Wohnungen räumen

Auch in Frankfurt soll am Sonntag eine 1,8 Tonnen schwere Luftmine unschädlich gemacht werden. Dort läuft mit gut 70.000 Betroffenen derzeit die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Deutschlands. Aus der Sperrzone wurden bereits Patienten aus zwei Krankenhäusern verlegt, wie Sprecher von Polizei und Feuerwehr berichteten. Außer dem Bürgerhospital und dem Marienkrankenhaus müssen noch zehn Altenheime geräumt werden.

Deutschland Entschärfung Fliegerbombe in Koblenz (picture-alliance/dpa/T. Frey)

Frank Bender vom Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz inspiziert die Fliegerbombe in Koblenz

Von der größten Geburtsstation Hessens im Frankfurter Bürgerhospital wurde am Samstag das letzte Baby verlegt, wie Steffen Kunzmann, Chefarzt der Neonatologie, sagte. Bereits seit Donnerstag seien nach und nach Neugeborene in andere Krankenhäuser gebracht worden. Insgesamt waren 20 Babys betroffen. Aus dem Bürgerhospital mit 320 Betten mussten laut Klinikangaben etwas mehr als 100 Patienten verlegt werden.

Deutschland Entschärfung Fliegerbombe in Koblenz Evakuierung JVA (picture-alliance/dpa/T. Frey)

In Koblenz mussten rund 160 Gefangene in andere Haftanstalten verlegt werden, weil das Gefängnis im Sperrgebiet lag

Zehntausende unentdeckte Blindgänger

Zwischen Mai 1940 und Mai 1945 warfen die Alliierten im Zweiten Weltkrieg mehr als 1,35 Millionen Tonnen Fliegerbomben über Deutschland ab. Bis zu 250.000 davon sollen nicht explodiert sein. Zigtausende von ihnen schlummern noch unentdeckt im Erdreich, manche metertief, andere nur knapp unter der Oberfläche. 

Experten gehen davon aus, dass das Aufspüren und Beseitigen der Bomben noch Jahrzehnte dauern wird. Das Ruhrgebiet und der Niederrhein, aber auch Großstädte wie Dresden, Hamburg oder Hannover sind besonders betroffen. 

hk/jj (dpa, afp)

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