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Aktuell Europa

Zehntausende Kroaten demonstrieren für Bildungsreform

Der Rechtsruck in Kroatien hat eine scharfe Debatte um die Bildungspolitik ausgelöst. Lehrer fordern Eltern auf, mit ihren Schulkindern sofort auszuwandern. Und wütende Demonstranten machen den Politikern Druck.

Allein in Zagreb haben mehr als 15.000 Eltern, Schüler und Lehrer für die Fortsetzung von Bildungsreformen in der Grund- und Oberschule demonstriert. Weitere Demonstrationen gab es in einem Dutzend anderer kroatischer Städte. Zu der Kundgebung aufgerufen hatten mehrere Initiativen der Zivilgesellschaft. Die Veranstalter sprachen von rund 40.000 Teilnehmern.

Die Demonstranten forderten die Politiker auf, sich nicht in die Arbeit des mit der Reform betrauten Gremiums einzumischen, das noch von der vorherigen Mitte-Links-Regierung benannt worden waren. "Politiker ins Parlament - Experten in die Schulen", war auf Transparenten zu lesen, die von Eltern, Lehren und Schülern getragen wurden. "Wir müssen die Reform vor den Politikern verteidigen" und "Wir wollen nicht Geiseln der politischen Elite sein", hieß es auf den Kundgebungen.

Alle Reformbemühungen torpediert?

Der Streit entzündete sich am Rücktritt von 500 Experten, die ein Jahr lang an einer Bildungsreform gearbeitet hatten. In der vergangenen Woche gaben sie geschlossen auf - aus Protest gegen eine Politik, die alle Reformbemühungen torpediere, wie es hieß. Seit dem Amtsantritt der rechtsgerichteten Koalitionsregierung unter der christlich-konservativen HDZ seien sie zunehmendem Druck von kirchennahen Gruppierungen ausgesetzt gewesen.

Ein Lehrerverband forderte die Eltern deshalb auf, mit ihren Kindern das Land zu verlassen, weil sie in Kroatien nicht nach modernen Standards ausgebildet werden könnten: "Wenn Sie wollen, dass Ihre Kinder zu normalen Menschen des 21. Jahrhunderts heranwachsen, retten Sie diese." Rechte Ideologen ließen nicht zu, das veraltete Bildungssystem zu modernisieren und verlangten stattdessen hohle Phrasen: Kirche, Patriotismus, Vater-Mutter-Kind-Ehe und die Verteufelung gleichgeschlechtlicher Beziehungen sollten demnach auf den Bildungsplänen ganz oben stehen.

rb/SC (afp, dpa, rtr)