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Aktuell Afrika

Zehntausende in Mali auf der Flucht

Die Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und der Armee in Mali haben mehr als 125.000 Menschen in die Flucht getrieben. Ist die geplante Präsidentenwahl durch das Blutvergießen gefährdet? Die UN sind alarmiert.

Foto: AP

Tuareg

Die Lage der Flüchtlinge im westafrikanischen Mali wird zunehmend prekärer. Dringend benötigt würden Unterkünfte, Wasser, Nahrung und Hygieneartikel, warnt das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe. Viele Flüchtlinge müssten ausgerechnet in Regionen versorgt werden, die ohnehin schon unter der Nahrungsmittelkrise in der Sahelzone litten.

Durch die seit Januar anhaltenden Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und der malischen Armee sind mehr als 125.000 Zivilisten vertrieben worden. Davon seien gut 60.000 Menschen innerhalb Malis in andere Regionen geflüchtet, so die UN. 65.000 weitere hätten sich in den Nachbarländern Mauretanien, Burkina Faso, Niger und Algerien in Sicherheit gebracht.

Grafik: DW

Rund die Hälfte der Vertriebenen ist in die Nachbarländer Malis geflüchtet

Tuareg verlangen Autonomie

Die Rebellen-Organisation "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad" (MNLA) hatte im Januar eine Offensive gestartet. Sie kämpft für Autonomie im Norden des Landes. Verstärkung erhält sie von Tuareg-Kämpfern, die in Libyen den im Oktober getöteten Machthaber Muammar al-Gaddafi unterstützt hatten und jetzt in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Zum Volk der Tuareg gehören rund 1,5 Millionen Menschen. Seit Jahrhunderten leben sie als Nomaden in Algerien, Burkina Faso, Libyen, Mali und Niger. Mit den neuen Kämpfen endete eine gut zweijährige Friedenszeit, die allerdings gelegentlich von Feindseligkeiten unterbrochen worden war.

Jugendliche protestieren vor dem Sendezentrum des nationalen Fernsehsenders in der Hauptstadt Bamako (Foto: dapd)

Proteste wegen der Kämpfe zwischen den Tuareg-Rebellen und der Armee

Luftangriff auf Tuareg-Lager

Sowohl die Rebellen als auch die Armee berichten immer wieder von militärischen Erfolgen. Unabhängige Berichte liegen aber so gut wie nicht vor. Seither kamen bei Angriffen auf mehrere Städte zahlreiche Menschen ums Leben. Zuletzt wurden bei einem Luftangriff der Armee auf ein Lager der Tuareg ein junges Mädchen getötet sowie zahlreiche Frauen und Kinder verletzt, wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mitteilte. Das Lager sei am Mittwoch von Schüssen aus einem Helikopter getroffen worden.

Bereits 1990 und 2007 hatten die Tuareg zu den Waffen gegriffen. Bei Friedensverhandlungen wurden ihnen jeweils mehr politische Mitsprache und ein höherer Anteil am Staatshaushalt versprochen. Nach ihrer Ansicht löste die malische Regierung diese Versprechen aber nie ein.

Regierung soll härter gegen Rebellen vorgehen

Die neue Offensive überschattet die für Ende April geplante Präsidentschaftswahl. In den vergangenen Wochen kam es immer wieder in der Hauptstadt Bamako und andernorts zu Kundgebungen, deren Teilnehmer ein härteres Vorgehen der Regierung gegen den Tuareg-Aufstand verlangen.

Den Rebellen werden Morde und andere Übergriffe auf Zivilisten vorgeworfen. Die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré verdächtigt sie zudem, mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Verbindung zu stehen.

Die Amtszeit von Präsident Amadou Toumani Touré, der allgemein ATT genannt wird, läuft in wenigen Monaten ab. Die Präsidentenwahl findet am 29. April statt. ATT versprach, sich an die Gebote der Verfassung zu halten und keine dritte Amtszeit anzustreben.

uh/det (afp, rtr, dpa, epd)