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Aktuell Welt

Zehntausende aus Protest gegen Israels Militäreinsatz auf der Straße

Washington, Santiago de Chile und Paris sind dieses Mal die Stätten der größten Demonstrationen gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen gewesen. Es fielen harte Worte, doch die Gewalt blieb außen vor.

Mehrere tausend Menschen haben am Samstag vor dem Weißen Haus in Washington gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen protestiert. Viele Demonstranten schwenkten palästinensische Flaggen und forderten ein Ende der Offensive in dem Küstengebiet im Nahen Osten. Auf Schildern war etwa "Schluss mit den US-Hilfen für den jüdischen Staat" und "Israel sanktionieren - ein Terrorstaat" zu lesen. Auf einem Spruchband wurde Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Hitler verglichen.

Viele Kinder protestieren mit

Die Menge hielt sich vor allem im Lafayette Park gegenüber der Präsidentenresidenz auf. Unter den Demonstranten, die aus dem ganzen Land angereist kamen, waren auch viele Kinder. Nach Angaben der Organisatoren protestierten rund 50.000 Menschen vor dem Weißen Haus, die Polizei gab keine Schätzung zu Teilnehmerzahlen ab. Es war die wichtigste pro-palästinensische Demonstration seit dem Beginn des israelischen Militäreinsatzes im Gazastreifen am 8. Juli. In der Nähe demonstrierte am Samstag auch eine kleine Gruppe orthodoxer Juden, die von der Polizei geschützt wurden. Abgesehen von Beleidigungen, die sich Demonstranten beider Seiten an den Kopf warfen, kam es aber nicht zu Zwischenfällen bei den Protesten.

Auch in der chilenischen Hauptstadt Santiago kam es zu Protesten. Hier forderten tausende Demonstranten Präsidentin Michelle Bachelet auf, den israelischen Botschafter auszuweisen und die diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen.

Auch Hollande Ziel der Kritik

In Frankreich demonstrierten ebenfalls Tausende gegen die israelische Militäroffensive. Zugleich wurde die "schändliche" Haltung der französischen Regierung in dem Konflikt angeprangert. In Paris, Lyon, Marseille, Lille und anderen Städten skandierten die Demonstranten "Israel Mörder", hielten Banner mit der Aufschrift "Wir sind alle Palästinenser" hoch und schimpften Frankreichs Präsidenten François Hollande einen "Komplizen" Israels. Gewalttätige Ausschreitungen wurden zunächst nicht gemeldet.

Anti-Israel-Protest in Paris (Foto: picture-alliance/dpa)

Nicht gerade freundlich gingen die Demonstranten in Paris mit ihrem Staatschef um

"Wir sind hier, um dem palästinensischen Widerstand unsere volle Unterstützung zu erklären und diese Regierung der Schande anzuprangern, die der Position Israels folgt", sagte Omar Alsoumi von der Palästinensischen Jugendbewegung, die in der französischen Hauptstadt mitmarschierte. Auch Anhänger linker, kommunistischer und antikapitalistischer Bewegungen beteiligten sich an der dortigen Demonstration.

Mangelnde Unterstützung durch Muslime beklagt

Vor dem Hintergrund jüngster antisemitischer Vorfälle in Deutschland beklagte der Zentralrat der Juden unterdessen eine fehlende Unterstützung durch muslimische Verbände. Zwar versprächen die Verbände, gegen Antisemitismus vorzugehen, sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Konkrete Schritte müsse man aber "mit der Lupe suchen." Der Zentralrat der Juden habe sich stets für Muslime im Land eingesetzt, eine Solidarisierung von Muslimen mit Juden bleibe nun aber aus, kritisierte Graumann.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann (Foto: picture-alliance/dpa)

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann

Auf pro-palästinensischen Kundgebungen gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen waren jüngst in mehreren deutschen Städten judenfeindliche Parolen skandiert worden. Die Bundesregierung verurteilte dies scharf. Graumann sagte dazu, in den vergangenen Wochen sei viel Vertrauen kaputt gemacht worden, das müsse nun gemeinsam wieder aufgebaut werden. Das Gefühl der Unsicherheit habe bei Juden in Deutschland stark zugenommen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, wies den Vorwurf der Untätigkeit zurück. In den Freitagsgebeten und im Austausch mit Jugendlichen setzten sich die Gemeinden sehr wohl mit Antisemitismus auseinander, sagte er der Sonntagszeitung. Mazyek mahnte eine klare Unterscheidung zwischen der Kritik an dem israelischen Militäreinsatz und Antisemitismus an. Der Islam sei "strukturell antirassistisch" und dem Judentum sowie dem Christentum zugewandt.

sti/kle (afp)