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Fokus Osteuropa

Zehn Jahre nach der Aktion "Blitz" in Westslawonien

Viele der aus Westslawonien geflohenen Serben leben noch immer in der Region von Banja Luka und in Serbien. Kroatien feierte indes den 10. Jahrestag der Befreiung.

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Vukovar-Prozess 2004 in Belgrad gegen mutmaßliche kroatische Kriegsverbrechern

Am 1. Mai vor zehn Jahren flohen vor den kroatischen Streitkräften bei der Aktion "Blitz" etwa 18.000 Serben aus Westslawonien nach Bosnien-Herzegowina, einige von ihnen später weiter nach Serbien. Von der Grenzbrücke in Bosanska Gradiska werden traditionell Kränze in die Sava zum Gedenken an die Opfer und Vermissten geworfen. Nur 30 Kilometer von diesem Ort entfernt wurde in Okucani die erfolgreiche Befreiung des kroatischen Territoriums begangen. Die Aktion "Blitz" der kroatischen Armee dauerte 36 Stunden. Damit gelangte die damalige UN-Schutzzone Westslawonien wieder unter die verfassungsrechtliche Ordnung der Republik Kroatien.

Traditionelles Gedenken

Dieses Gebiet entlang des Savelaufs bewohnten damals mehrheitlich Serben. Es stand seit Kriegsbeginn 1991 bis zur Aktion "Blitz" unter der Kontrolle der aufständischen Serben der selbsternannten Republik Serbische Krajina. Vor der angreifenden kroatischen Armee flohen über die Savebrücken nach Bosnien und Herzegowina etwa 18.000 Westslawonier. Zum Gedenken an die 283 Todesopfer und Vermissten werden an jedem 1. Mai auf der Brücke, die Bosanska Gradiska vom kroatischen Gradiska trennt, Kränze in die Save geworfen. Einer der Letzten, der sein Geburtshaus verließ, war Ljubomir Majstorovic aus dem Dorf Borovac bei Okucani. Heute lebt er ebenso wie etwa 10.000 weitere Westslawonier in der Region Banja Luka. Sein Status ist indes noch nicht geklärt, er befindet sich einer Art Schwebezustand. "Zurückkehren werde ich niemals. Und wenn ich nicht aus Kroatien Rente beziehen würde, könnte meine Familie nicht überleben. Wir müssten in Abfallcontainern nach Brot suchen."

Unterdessen beging Kroatien im slawonischen Okucani den Feiertag der Befreiung. An den Feierlichkeiten nahm auch die kroatische Führung teil. Zur Feier der Aktion "Blitz" erschien kein pensionierter kroatischer General, auch wenn sie laut Kroatiens Präsident Stipe Mesic und Premier Ivo Sanader eingeladen waren. Sie begründeten ihr Fernbleiben mit ihrer Unzufriedenheit über die Tatsache, dass sie vor Kriegsverbrecher-Tribunale sei es in Den Haag oder Kroatien "gezerrt werden".

"Kein einziges Grab"

Von den 283 Opfern oder Vermissten sind 168 bis heute nicht einmal identifiziert und 115 nicht gefunden worden. Dem Verband der Familien der Vermissten aus der Krajina wurde in Zagreb gesagt, es gebe andere Prioritäten wie Knin und Lika. "Etwas mehr als 50 Prozent seien bislang identifiziert worden, dies sei angeblich der Grund. Für Westslawonien gibt es aber keine Rechtfertigung. Bis heute gibt es noch kein einziges Grab. Gebe es wenigstens eins, so würde wenigstens der gute Wille demonstriert."

Wegen der Kriegsverbrechen in Westslawonien sei kein Gerichtsverfahren eingeleitet worden. Wegen dieser Verbrechen sollte nicht das Volk angeklagt werden, sondern das Individuum, sagte auf der kroatischen Seite der Sava Kroatiens Präsident Stipe Mesic. "Der Heimatkrieg wurde sauber geführt und der Kampf war gerecht, daher müssen wir die Schuld für die verübten Kriegsverbrechen individualisieren und Prozesse gegen die Verantwortlichen führen", so Mesic. Er sagte ferner, die kroatische Bevölkerung, die nun in diesem Gebiet lebe, sei aus der Region Banja Luka vertrieben worden. Allerdings würden immer mehr Serben nach Westslawonien zurückkehren. Mesic rief ferner dazu auf, Extremismus und Intoleranz scharf zu verurteilen.

Stanko Smoljanovic, Banja Luka
DW-RADIO/Bosnisch, 2.5.2005, Fokus Ost-Südost

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