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Wirtschaft

Zehn Jahre nach Asiens Finanzkrise: Chancen und Risiken heute

Für Thailand war es ein schwarzer Tag: Am 2. Juli 1997 hatte der Crash auf den Finanzmärkten begonnen und zog schnell weite Kreise. Nach erneuten Kurseinbrüchen in Asien werden die Erinnerungen daran wieder wach.

China Börse Chengdu Kurstafel Kursfall

Das freut keinen Investor: sinkende Kurse in China

Die Notenbank Thailands hatte damals den Wechselkurs des thailändischen Baht, der bis dahin fest an den US-Dollar gekoppelt war, freigegeben. Thailands Währung verfiel innerhalb kürzester Zeit drastisch. Der Verfall kam nicht von ungefähr: Ein paar Wochen zuvor hatten ausländische Spekulanten den Baht attackiert, die Notenbank hatte die Angriffe nicht abwehren können - obwohl sie dabei fast die gesamten Dollarreserven Thailands verpulverte - etwa 38 Milliarden US-Dollar. Doch das Desaster war nicht mehr aufzuhalten. Die Asienkrise begann und riss nicht nur Thailand, sondern ganz Südostasien sowie Hongkong und Südkorea in den Abgrund.

Heute schauen die betroffenen Länder zurück. Viele Probleme waren hausgemacht, die Ursachen vielschichtig. Westliche Investoren hatten bedenkenlos Kredite vergeben - schließlich galt Asien als Finanz-Eldorado. Der Westen wollte beim Goldrausch dabei sein.

Wiederholt sich die Geschichte?

Ist eine Krise wie die von 1997 heute ebenfalls denkbar? "Es wird hoffentlich nicht diese Art von Blase sein, noch nicht", sagt Dr. Chalongphob Sussangkarn vom "Thailand Development Research Institute" in Bangkok. "Aber was wir heute bereits beobachten, hat schon einiges von der Krise von 1997. Das heißt: Die Länder der Region nutzen alle dieselbe Entwicklungsstrategie, den Export - nach Europa und vor allem in die USA. Aber der Weltmarkt ist nicht groß genug, um all diese Exporte zu absorbieren."

Daher können nicht alle Länder der Region gleichzeitig auf hohem Niveau wachsen, meint Sussangkarn. Das Risiko bleibe, dass manchen Ländern die Exporte wegbrechen. Wenn das passiert, werde die Weltwirtschaft eine neue Krise erleben. Diese könnte ähnlich wie 1997 dazu führen, dass viele Fabriken schließen müssen, dass Arbeitslosigkeit und soziale Probleme entstehen. Diese Angst vor einem Export-Minus gilt auch als Auslöser des jüngsten Kursgewitters, das am Dienstag (27.2.2007) von Schanghai ausgehend nahezu alle Börsen der Welt erschütterte.

Thailand ganz unten

Besonders hart hatte es vor zehn Jahren außer Thailand unter anderem Indonesien, die Philippinen und Südkorea getroffen. Südkorea erholte sich relativ schnell, die südostasiatischen Staaten aber kämpften teils jahrelang, um aus dem wirtschaftlichen Tief heraus zu kommen. Heute wächst die Wirtschaft Südostasiens wieder. Aber Korruption, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und politische Instabilität bedrohen den Aufschwung.

Als Garant für Stabilität in der Region gilt weiterhin China, meint Stephany Griffith-Jones vom "Institute of Development Studies" der britischen Universität Sussex. "China ist ein Bollwerk an Stabilität", sagt sie. Eine interessante Frage dort ist derzeit, ob das Land seine Wechselkurse flexibler gestalten sollte, wie es die USA gerne hätten, und ob es die Kapitalkonten liberalisieren sollte. "In beiden Punkten war China stets sehr vorsichtig, und das hat dem Land gut gedient", sagt Griffith-Jones. "Es wurde von der Asienkrise nicht mitgerissen und war ein Anker, der geholfen hat, diese Krise früher zu beenden. Ich denke, China macht seine Sache ziemlich gut, obwohl es ein schwaches Bankensystem hat. Daran muss es arbeiten."

Aus Fehlern lernen

Es ist gerade der Finanzsektor, an dem nicht nur China, sondern auch die Staaten Südostasiens arbeiten müssen. Die faulen Kredite abzutragen, dauerte Jahre. Und auch heute wird in Asien wieder mit ehrgeizigen Infrastrukturprojekten geliebäugelt, von denen nicht klar ist, wie sie gegenfinanziert werden sollen. In einem Punkt ist man sich in China aber wohl einig: Kurzfristige Kreditvergabe soll es nicht mehr geben. Das ist eine wichtige Erkenntnis aus der Asienkrise.

Die Länder in der Region haben zudem begriffen, dass sie enger zusammenarbeiten müssen. Vor der Asienkrise hat es keine regionale Kooperation im Finanzsektor gegeben, erinnert Chalongphob Sussangkarn vom "Thailand Development Research Institute". Deswegen hätten die Länder nach der Krise sehr schnell die Initiative "Asean plus drei" gegründet, welche die zehn Länder Südostasiens plus China, Japan und Südkorea umfasst. "Und sie haben sehr schnell eine Initiative der Finanzkooperation geschaffen, zum Beispiel in Form des asiatischen Anleihen-Marktes, um eine langfristige Finanzierung für die Entwicklung sicherzustellen."

Aber noch mehr regionale Zusammenarbeit, stabile Finanzmärkte und mehr Transparenz sind gefordert, wenn Asien eine Situation wie die von 1997 vermeiden will. Ob das gelingt, ist fraglich. Denn die Probleme, die zu einer ähnlichen Krise führen könnten, zeichnen sich schon heute ab.

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