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Ostmitteleuropa

Zehn Jahre Internet in Tschechien

– Hohe Gebühren verderben den Tschechen nicht die Lust, online zu gehen

Prag, 15.2.2002, RADIO PRAG, deutsch, Ludmila Clauss

Genau vor zehn Jahren, im Februar 1992 wurde die damalige Tschechoslowakei offiziell ans Internet angeschlossen. Anfangs konnten nur Wissenschaftler, Hochschullehrer und Studenten die Internetdienste nutzen. Innerhalb kürzester Zeit haben sie die Vorzüge der elektronischen Post für sich entdeckt. Mit Hilfe des Internets konnten sie auf Informationen in Datenbanken, Bibliotheken und anderen Quellen, die sich hauptsächlich in den USA befanden, zugreifen.

Zu den Anfängen des Internets auf dem tschechischen Boden befragten wir Jiri Peterka, der als Fachjournalist im Bereich Kommunikation und Internet tätig ist.

"Zum aller ersten Anschluss der Tschechischen Republik an das Internet kam es um die Jahreswende 1991/92. An der Technischen Hochschule in Prag hat man mit dem Anschluss an das Computernetz der Universität Linz experimentiert, die bereits mit dem Internet verbunden war. Damals gab es auf der österreichischen Seite internationale Programme, die die Zugangsmöglichkeiten der osteuropäischen Länder in Bezug auf das Internet fördern sollten. Ganz offiziell hat sich die Tschechische Republik dann am 13. Februar 1992 an das Internet angeschlossen."

Das zehnjährige Jubiläum des tschechischen Internets ist hierzulande aber kein großes Medienereignis. Die tatsächliche Geburtsstunde des neuen Mediums ist für die meisten erst mit der Erstellung der ersten nicht rein akademischen Internetseiten verbunden. Das geschah in Tschechien Mitte der 90er Jahre, als sich auch Firmen und Privathaushalte an das Internet anschließen konnten. Anfang 1996 entstanden dann die ersten Webseiten mit kommerziellen Inhalten. Die tschechische Suchmaschine "Seznam" wurde ins Leben gerufen, es erschienen die ersten Online-Tageszeitungen. Im folgenden Jahr zeigten auch die politischen Parteien und die Staatsverwaltung Präsenz im Internet.

Es schien, als ob nichts die weitere Entwicklung stoppen könnte. Das Internet war lange nicht mehr nur eine Informationsquelle oder ein bloßes Kommunikationsmittel - die Firmen entdeckten nach und nach sein großes Werbepotential und auch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, die das Internet für den Verkauf ihrer Waren bot.

Wie sieht aber die Situation um den tschechischen Internetnutzer aus?

Verglichen mit den meisten EU-Ländern, ist die Situation in Tschechien ziemlich spezifisch. Die Zahl der User ist sehr hoch, bedenken wir, dass die Kosten für den Internetzugang bezogen auf die Kaufkraft der Bevölkerung zu den höchsten in Europa gehören. Trotzdem gehen die Tschechen online, was ja von einer enormen Motivation und Lust zeugt, das Internet zu nutzen.

Den jüngsten Umfragen zufolge wird heute das Internet von rund 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung genutzt. Am häufigsten gehen die tschechischen User von ihrem Arbeitsplatz aus ins Internet, denn nur 14 Prozent von ihnen haben auch zu Hause einen Internetzugang.

Wir fragten Jiri Peterka, was der Grund für diese relativ kleine Zahl ist und was sich verändern muss, damit mehr Tschechen von zu Hause aus online gehen.

"Zunächst müssten die Gebühren für den Internetanschluss deutlich gesenkt werden. Das Problem dabei ist, dass die Tschechische Telecom hier immer noch eine Monopolstellung hält. Wir brauchen also dringend eine Markterweiterung im Bereich der Anbieter. Der zweite Faktor sind die Internetinhalte selbst, je mehr die Leute darin finden können, desto mehr werden sie auch das Internet nutzen wollen. Den dritten Faktor stellen dann die einmaligen Anschaffungskosten für die Hard- und Software dar. Viele haben bei uns immer noch nicht genügend Mittel, um sich einen entsprechend ausgestatteten Computer zu leisten." (ykk)

  • Datum 19.02.2002
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