Zehn brasilianische Exportartikel, die in Deutschland heimisch wurden | Kultur | DW | 03.08.2016
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Kultur

Zehn brasilianische Exportartikel, die in Deutschland heimisch wurden

Von der Caipirinha bis zur Samba sind kulturelle Errungenschaften des südamerikanischen Landes hierzulande sehr beliebt – und das nicht nur während der Olympischen Spiele. Wir stellen brasilianische Erfolgsprodukte vor.

"Eine Caipi bitte": Vor 30 Jahren hätte man auf den lässig dahin geworfenen Spruch an der Bar nur Kopfschütteln geerntet. "Caipi- was?" Heute hat jede Hinterhof-Bar, die etwas auf sich hält, den brasilianischen Kultcocktail Caipirinha im Angebot. Sogar mit flüssigem braunem Rohrzucker und zerstoßenem Eis. Da ist der deutsche Cocktail dem Original voraus – denn im Heimatland des süffigen Drinks begnügt man sich mit stinknormalem weißen Zucker, und die Eiswürfel klirren ganz ungecrusht im Glas. Auch der eingedeutschte Name ist im Mutterland der Caipirinha unbekannt: Ein schlichtes "Caipi" kommt der hiesigen Klientel nach dem dritten Drink aber viel leichter über die Lippen, und nach dem Genuss fühlt man sich auch gleich irgendwie brasilianisch beschwingt.

Positive Klischees

Die Deutschen, und nicht nur sie, lieben Brasilien. Und zwar allen Negativschlagzeilen zum Trotz, die derzeit die Medien beherrschen - wie Korruption, Gewalt und Favela-Krieg. Die Brasilianer sind eines der wenigen Völker, die fast durchweg mit positiven Klischees bedacht werden. Einen großen Anteil daran hat die Lebensfreude, die die Menschen ausstrahlen. Sie wirkt einfach ansteckend.

Protestierende Brasilianer Foto: Reuters/M. Bazo

Seit Monaten gibt es in Brasilien regelmäßig Protestmärsche gegen die landesweite Korruption - an positiven Klischees ändert das im Ausland wenig

Das zeigt sich auch in der Kultur, oder besser gesagt: den Kulturen des Landes. Brasilien ist 24-mal so groß wie Deutschland und hat über 200 Millionen Einwohner mit den unterschiedlichsten ethnischen Wurzeln: Indios, die Nachfahren sowohl von portugiesischen und holländischen Kolonialherren als auch von Afrikanern, die als Sklaven nach Südamerika verschleppt wurden, und später dann Einwanderer aus Europa und Asien. Viele Traditionen und Bräuche haben sich hier vermischt, und herausgekommen ist weit mehr als Fußball, Samba und Karneval.

Von der Samba zur Hinterwäldler-Musik

Fußball und Karneval brauchen Brasilien-Fans allerdings nicht zu importieren, beides gibt und gab es hier schon lange. Die afrikanisch inspirierte Samba hingegen startete ihren Siegeszug nach Europa in den 1950er Jahren. So stolperten deutsche Tanzschüler im akkuraten Anzug mit ihren Partnerinnen im Glockenrock übers Parkett. Mit dem leichtfüßigen Getänzel leicht bekleideter brasilianischer Schönheiten aus den Samba-Schulen hatten die Schrittfolge allerdings wenig zu tun. Die europäische Variante bedient sich zwar des Rhythmus, aber auch nicht viel mehr. 1959 wurde die Samba ins Turnierprogramm der lateinamerikanischen Tänze aufgenommen.

Paare in einer Tanzschule in bunten Gewändern Foto: picture-alliance/ZB/J.-P. Kasper

Die Samba gehört schon lange zum Repertoire der Tanzschulen

In dieser Zeit schwappte auch die Bossa Nova-Welle über den großen Teich. Überhaupt Musik: Brasilianische Superstars wie Gilberto Gil oder später Daniela Mercury, Vertreter der sogenannten "música popular brasileira" (MPB), füllten ab den 1990ern Jahren auch deutsche Konzerthallen. Und in den 2010ern schafften es sogar Hits der "música sertaneja", der "Hinterwäldler-Musik" aus dem ländlichen Nordosten, in deutsche Charts - wie zum Beispiel "Eu Te Pego!" von Michel Teló. Vereinzelt hört man in deutschen Bars weitere andere Musikstile: Forró, Axé oder Pagode. Brasiliens Musik ist weiter auf Exportkurs.

Lautstark kunden davon immer wieder die Batucada-Trommelgruppen, die bei Großveranstaltungen durch deutsche Städte ziehen und sich im hypnotischen Rhythmus die Seele aus dem Leib trommeln.

Schweineohren, Hawaii und Zahnseide

Danach könnten sie sich bei einer "Feijoada" stärken - noch so ein Wort, das deutsche Zungen nicht einfach bewältigen. Denn das Nationalgericht der Brasilianer ist ein Bohneneintopf mit Schweinohren- und Füßen, der mittlerweile auch in Deutschland auf der Speisekarte steht: In jeder größeren Stadt haben sich nämlich brasilianische Restaurants angesiedelt. Statt behaarten Krallen und spitzen Öhrchen serviert man hierzulande aber für das Auge gefälligere Fleischstückchen.

Capoeira-Tänzer Foto: Scott Griessel

Wer Capoeira tanzen will, muss ganz schön sportlich sein

Zugegeben, die Feijoada ist nicht jedermanns Sache, ebenso wenig wie der Kampftanz "Capoeira". Aber es gibt auch Alltagsutensilien, von denen viele gar nicht wissen, dass sie aus Brasilien stammen. Dazu gehören die praktischen Flip-Flops, die man in Brasilien "Havaianas" nennt – der Name war eine Anspielung auf den von Hollywood in blühenden Farben geschilderten US-Bundesstaat "Hawaii, in den 1960ern für viele der Sehnsuchtsort schlechthin. Und dann wäre da noch der "Zahnseide-Bikini", bei dem sich ein schmales Stück Stoff seinen Weg durch die Pobacken bahnt. Er machte vor allem in den 70ern Furore, als dunkelhaarige Schönheiten ihn am Strand von Copacabana zur Schau trugen – und deutsche Frauen sich kurz darauf ebenfalls in das fast nicht vorhandene Kleidungsstück wagten. Heute sind auf beiden Seiten des Atlantiks allerdings eher Tangas angesagt. Und während man sich darin am Strand bräunt, kann eine "Caipi" nicht schaden. Saúde, Prost!

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