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Kultur

Zartbitter - Hilfe für Missbrauchsopfer

Nirgendwo scheinen Kinder sicher zu sein vor sexueller Gewalt. In Köln gibt es seit über 20 Jahren eine Beratungsstelle, deren Tür offen steht für die Opfer. Im Büro "Zartbitter" arbeiten Sozialarbeiter und Psychologen.

Gefahren für Mächen und Jungen lauern im Internet (Foto: AP Graphics)

Die Beratungsstelle bietet Mädchen und Jungen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, Hilfe an, auch deren Vertrauenspersonen. Ursula Enders hat die Initiative "Zartbitter" vor 20 Jahren gegründet und in dieser Zeit eine Menge Grausames anhören müssen.

Portrait-Foto der Gründerin von Zartbitter (Foto: Zartbitter Köln e.V.)

Ursula Enders

Sie hat Mädchen wie Jungen gesehen, die verstört und verschüchtert in die Beratungsstelle gekommen sind und irgendwann angefangen haben zu erzählen. Weil ihnen endlich jemand zuhörte und glaubte. Ursula Enders findet es wichtig, dass über Missbrauch in Institutionen jetzt gesprochen und diskutiert wird. Sie sagt: "Es ist ein Thema, was seit Jahren verschwiegen wird und wir nicht an die Öffentlichkeit kamen, obwohl wir es immer wieder versucht haben. Uns rufen viele Menschen an, denen alte Erinnerungen wieder hochkommen und die heute extrem belastet sind."

Als im Jahre 1987 "Zartbitter Köln", die Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, gegründet wurde, hätte niemand geglaubt, dass sich aus der Initiative eine im gesamten deutschsprachigen Raum geschätzte Beratungsstelle entwickeln würde. In den 80er und 90er Jahren leistete "Zartbitter" nicht nur einen bedeutenden Beitrag zur Enttabuisierung der sexuellen Ausbeutung von Jungen, sondern auch zu den Problembereichen "Missbrauch im Rahmen von Pornoproduktionen", "Missbrauch durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Institutionen" und "Frauen als Täterinnen".

Bildschirmschoner gegen Missbrauch im Chat zeigt einen geszeichntenJungen am Computer. Im Monitorhält ein Mann eine Maske vor sein Gesicht(Foto: Zartbitter Köln e.V.)

Gegen Missbrauch im Chat

In den letzten Jahren übernahm "Zartbitter" unter anderem mit dem Projekt "click it!" eine Vorreiterrolle in der Präventionsarbeit unter anderem gegen sexuelle Gewalt im Internet. Überregional bekannt ist das Büro nicht zuletzt durch die Publikation von "Zart war ich – bitter war’s". Ebenso erfolgreich sind die "Zartbitter"-Präventionsmaterialien und das "Zartbitter"-Tourneetheater.

Vielfach beginnt der Missbrauch dort, wo Kinder am sichersten sein sollten: in den eigenen Familien. Auch weil Angehörige, Freunde und Nachbarn weggeschaut oder Anzeichen verdrängt haben. Für Ursula Enders sind die jetzt aufgedeckten Fälle, die wachsende Zahl der Opfer, die ihr Schweigen endlich brechen, nur die Spitze eines Eisberges. Skrupellose Erwachsene nutzen die Schutzlosigkeit von Kindern aus. Wer hierzu schweigt, mache sich mit schuldig an der Zerstörung der Kinder, betont Enders.

Eine Männerhand schlägt einem Jungen auf den Kopf (Foto: picture alliance/ dpa)

Gewalt in der Familie

Zwar hat in den vergangenen Jahren - nicht zuletzt nach bekannt werden spektakulärer Missbrauchsfälle - das Bewusstsein für das Leid der betroffenen Kinder zugenommen. Doch trotzdem gibt es immer noch ein Defizit bei der Verfolgung der Täter. Über all die Jahre leistete "Zartbitter" zudem eine sehr erfolgreiche politische Lobbyarbeit: Die Mitarbeiter sind bis zum heutigen Tage geschätzte Experten in politischen Anhörungen und brachten erfolgreich Vorschläge für Gesetzesnovellierungen in die politische Diskussion ein. Und dennoch. Opferberatungsstellen finanzieren sich nicht etwa durch Steuermittel, sondern ganz überwiegend aus Spenden.

Ursula Enders wünscht sich, dass die Politik zunächst einmal die parteilichen Beratungsstellen absichert. "Ich kann nicht verstehen, dass beispielsweise die größte Beratungsstelle für männliche Opfer in Deutschland keinen Pfennig Geld bekommt und im Jahr mindestens einhundertfünfzig Männer alleine berät", empört sich die Gründerin von "Zartbitter", "denn das ist wirklich auch ein Skandal. Ebenso sind wir auch nur absolut unzureichend abgesichert. Und es geht vielen Opferberatungsstellen so. Deshalb denke ich, die Politik sollte endlich mal die Opfer zu Wort kommen lassen. Und nicht wieder mauscheln und nur mit den Trägern von Institutionen reden."

Autor: Peter Kolakowski

Redaktion: Conny Paul

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