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Deutschland

Zapfenstreich für Wulff, zum Glück

Der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff ist mit dem militärischen Zeremoniell des Großen Zapfenstreichs feierlich verabschiedet worden. Das ist gut, und wer dagegen war, ist kleingeistig, meint Peter Stützle.

Vielleicht war es ja ein verstecktes Revanche-Foul von Christian Wulff, dass er sich zu seiner Abschiedszeremonie vier Musikstücke wünschte statt der üblichen drei: Um beobachten zu können, wie sich die Kritiker auch noch darüber ereifern, dass er selbst hier noch den kleinen Vorteil suche, er, der "Schnäppchenjäger", der "Schnorrer". Und wie sie sich damit so richtig als Kleingeister entlarven.

Die vorausgehende Diskussion, ob Wulff der Große Zapfenstreich überhaupt zustehe, hatte etwas Unwürdiges, nicht weniger als das Verhalten Wulffs, das zu seinem Rücktritt führte. Wulff hatte sich im Amt des Bundespräsidenten, aus dem er nun feierlich entlassen wurde, nichts zuschulden kommen lassen. Hätte es etwas gegeben, es wäre wohl zutage gefördert worden bei der lupenbewehrten Suche nach Fehlern in den letzten drei Monaten.

Porträt Peter Stützle

Peter Stützle, DW-Hauptstadtstudio

Alle Vorwürfe gegen Wulff beziehen sich auf dessen vorausgegangene Amtszeit als Ministerpräsident von Niedersachsen. Was ihn schmerzen mag: Sein Vorgänger in diesem Amt, Gerhard Schröder, hatte einen nicht minder innigen Umgang mit – zum Teil denselben – reichen Gönnern gepflegt wie Wulff, ohne dass ihm daraus ein Strick gedreht wurde. Als "Genosse der Bosse" Schröder später als Bundeskanzler abtrat, machte ihm niemand den Zapfenstreich streitig. Auch seine üppige Pension samt Büro und Dienstwagen wurde nicht in Frage gestellt, genauso wenig übrigens wie, trotz Parteispenden-Skandal, bei Helmut Kohl.

Ein Unterschied besteht freilich zwischen Wulff und Schröder: Wegen einem der zahlreich im Raum stehenden Vorwürfe ermittelt die Staatsanwaltschaft. Allerdings führen die meisten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht zu einer Anklage, und viele Anklagen enden mit Freispruch. Und dann? Hätte dann Wulffs feierliche Verabschiedung mit womöglich mehrjähriger Verspätung nachgeholt werden sollen?

Nein, es ist gut, dass Christian Wulff jetzt, vor der Wahl seines Nachfolgers, diese würdevolle Art des Abgangs bekommen hat – allen Störversuchen von Moralaposteln in Parteibüros, in Redaktionsstuben und hinterm Zaun, mit Vuvuzelas lärmend, zum Trotz.

Autor: Peter Stützle

Redaktion: Nina Werkhäuser

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