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Asien

Zankapfel Südchinesisches Meer

Seit Jahren nehmen die Spannungen im Südchinesischen Meer zu. Die Anrainer verfolgen strategische und ökonomische Interessen. Was ist das Südchinesische Meer wirklich wert?

Fischerboot und Schiff der japanischen Küstenwache im Meer (Foto: Reuters)

Japan China Streit um Insel Senkaku alias Diaoyu Küstenwache und Boot

Der Wert des Südchinesischen Meeres hat drei Dimensionen: die besondere geopolitische Lage, den Reichtum an Fischen und an fossilen Rohstoffen. Das Südchinesische Meer ist etwas größer als das Mittelmeer. Es verbindet den Indischen und den Pazifischen Ozean. Zehn Staaten sind unmittelbare Anrainer: die Volksrepublik China, Taiwan, die Philippinen, Malaysia, Brunei, Vietnam, Indonesien, Singapur, Thailand und Kambodscha.

Innerhalb des Südchinesischen Meeres, das die Vietnamesen Ostmeer nennen, gibt es eine Reihe umstrittener Insel- und Riffgruppen: Die Paracel-Inseln (chinesisch: Xisha-Inseln, vietnamesisch: Hoang Sa) und die Spratly-Inseln (chinesisch: Nansha Qundao, vietnamesisch: Truong Sa, philippinisch: Kapuluan ng Kalayaan) sind die wichtigsten. Wer die Inseln und Riffe kontrolliert, kontrolliert das gesamte Meer und damit eine der wichtigsten Meeresregionen weltweit.

Geopolitische Schlagader

Das Meer verbindet Europa, Afrika, den Nahen Osten und Südasien mit Ostasien. "Ein Großteil der Handelsströme der Weltwirtschaft gehen durch diese Region", sagt Asienexperte Gerhard Will. Fast der gesamte Ölimport Chinas nimmt die Route durch das Südchinesische Meer. Umgekehrt werden nahezu alle Waren aus China über diese Region nach Europa und Afrika exportiert.

Der Asienexperte von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin fügt hinzu: "Strategisch-militärisch betrachtet liegt das Südchinesische Meer in einer Schlüsselposition, wodurch man nicht nur Südostasien, sondern auch den weiteren Raum Süd- und Ostasien kontrollieren kann."

Fischreichtum ernährt Millionen

Philippinisches Fischerboot wird von chinesischen Sicherheitskräften untersucht (Foto: dapd)

Fischereikontrolle im Südchinesischen Meer

Das Südchinesische Meer ist darüber hinaus einer der größten und reichhaltigsten Fischgründe der Welt. Zehn Prozent des weltweiten jährlichen Fischfangs entfällt auf die Region, wie die International Crisis Group (ICG) berichtet. Doch der Reichtum des Meeres ist gefährdet: Überfischung und Vergiftung der Küstengebiete durch Abwässer drohen ihn zu zerstören. Die Fischer aller Nationen müssen weiter auf das offene Meer hinausfahren, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dabei geraten sie immer häufiger mit Sicherheitskräften der verschiedenen Anrainer-Nationen aneinander, die bei den Fischgründen patrouillieren, um nationale Interessen durchzusetzen. Die Sicherheitskräfte beschädigen Netze, verhaften Fischer und beschlagnahmen Boote.

Die Fischereiwirtschaft stellt für die meisten Anrainer einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Für Vietnam zum Beispiel ist der Fischfang von existentieller Bedeutung. Er war im Jahr 2010 für sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich und bedeutete im gleichen Zeitraum auch die wichtigste Protein-Quelle für fast die gesamte Bevölkerung, wie die Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtet. Ähnliches gilt für die Philippinen, wo 1,5 Millionen Menschen vom Fischfang im Südchinesischen Meer leben.

Kein Wachstum ohne fossile Rohstoffe

Der Bevölkerungsanstieg und der wirtschaftliche Aufschwung in China und Südostasien ziehen einen enormen Energiebedarf nach sich. Die wachsende Nachfrage in der Region hat den Wert der fossilen Brennstoffe wie Öl und Gas erheblich gesteigert - und damit auch den Kampf um die Reichtümer, die vor der eigenen Haustür liegen. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts haben die militärischen Auseinandersetzungen und Besetzungen einzelner Inseln im Südchinesischen Meer dramatisch zugenommen, weiß Andreas Seifert von der Informationsstelle Militarisierung e.V..

Insel der Spratly-Gruppe im Südchinesischen Meer (Foto: AP)

Insel der umstrittenen Spratly-Gruppe

Noch ist weitgehend unklar, wie viel Öl und Gas das Südchinesische Meer tatsächlich zu bieten hat. Hans Georg Babies von der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sagt im Interview mit der Deutschen Welle: "Man hat die tieferen Gewässern noch nicht genau ausgelotet, weil sich aufgrund der Grenzstreitigkeiten keine Firma traut, mit der Exploration anzufangen." Schätzungen reichen von vier bis zu 30 Milliarden Tonnen Öl. 30 Milliarden Tonnen, das entspräche den gesamten Ölreserven Saudi-Arabiens. Der Analyst Shen Zewei bezeichnete deshalb in der "United Morgenpost", einer Zeitung aus Singapur, das Südchinesische Meer als "zweiten Persischen Golf". Babies steht derartigen Superlativen sehr skeptisch gegenüber. Er verweist auf Untersuchungen des Geologischen Dienstes der USA, der in den neunziger Jahren einige Becken des Südchinesischen Meeres untersucht hat und etwa zwei Milliarden Tonnen Öl bestätigen konnte.

Spekulationen heizen Konflikt an

Aufklärungsflugzeug über den Senkaku-Inseln (Foto: dapd)

Japanisches Aufklärungsflugzeug fliegt über die Senkaku-Inseln

Gerhard Will sieht in den zum Teil wilden Spekulationen einen hauptsächlichen Grund für die Konflikte in der Region: "Ein wesentlicher Konfliktpunkt ist, dass die Schätzungen ungenau und die Erwartungen so hoch sind. Wenn man einmal Klarheit über den Punkt hätte, wie viel wirklich in dieser Region liegt, dann könnte man leichter ein gemeinsames Ressourcenmanagement entwickeln." Eine gemeinsame Lösung ist aufgrund der jüngsten Entwicklungen allerdings in weite Ferne gerückt. Ein philippinischer Beamter erklärte gegenüber der International Crisis Group (ICG): "Jede Kooperation in diesen Gewässern ist gestorben." Die Anrainerstaaten rüsten seit Jahren ihre Marine auf. China hat an der Südspitze von Chinas Inselprovinz Hainan eine Basis zu einem U-Boot-Hafen ausgebaut. Vietnam kauft in Russland Fregatten und Kanonenboot. Die Philippinen planen die Anschaffung südkoreanischer U-Boote.

Trotz der Aufrüstung und der zunehmenden Spannungen in der Region hält die ICG eine größere militärische Auseinandersetzung für unwahrscheinlich. Denn eine handfeste militärische Auseinandersetzung hätte unabschätzbare Folgen, die weit über das Südchinesische Meer hinausgehen würden.

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