1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Europa

Zahlreiche Verletzte bei Fußball-Krawallen in Marseille

Beim EM-Spiel zwischen England und Russland ist es in Marseille auch im Stadion zu Gewalt gekommen. Zuvor wurden bei Krawallen mehr als 30 Menschen verletzt, einer schwebt in Lebensgefahr. Die UEFA nahm Ermittlungen auf.

Englische Fans versuchen nach dem Spiel, Schlägereien zu entgehen (Foto: Reuters)

Englische Fans versuchen nach dem Spiel, Schlägereien zu entgehen

In ganz Frankreich herrscht Terrorgefahr, doch die Polizeikräfte in Marseille werden von englischen und russischen Fans gebunden: Auch nach dem Abpfiff des ohnehin von Krawallen überschatteten EM-Spiels zwischen England und Russland (1:1) gab es im Stade Vélodrome von Marseille Ausschreitungen. Nach dem späten Ausgleich der Sbornaja wollten russische Fans einen englischen Block stürmen, Leuchtraketen flogen, Fahnen wurden von den Zäunen gerissen.

Die englischen Fans flüchteten sich an den Rand, die Treppen hoch oder über die Zäune in den Innenraum. Es kam zu Schlägereien, die Ordner wurden überrannt. Einige Zuschauer mussten sogar in den Innenraum springen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Englische Fans kletter über Absperrungen, um dem Stadion zu entkommen (Foto: Reuters)

Englische Fans klettern über Absperrungen, um dem Stadion zu entkommen

Über Stunden war es zuvor am alten Hafen und vor dem Stadion zu schweren Ausschreitungen gekommen, bei denen mindestens 31 Menschen verletzt wurden. Ein britischer Fußball-Fan schwebt nach Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve in Lebensgefahr. Dem Mann wurde nach Polizeiangaben mit einer Metallstange auf den Kopf geschlagen. Helfer versuchten den blutüberströmten Mann wiederzubeleben, bevor er in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Englische Gewalttäter werfen vor dem Spiel in Schwaden von Tränengas mit Gegenständen (Foto: Reuters)

Englische Gewalttäter werfen vor dem Spiel in Schwaden von Tränengas mit Gegenständen

An den gewalttätigen Auseinandersetzungen waren neben englischen und russischen auch französische Randalierer beteiligt. Sechs Krawallmacher wurden festgenommen. Drei Polizisten wurden bei den Einsätzen leicht verletzt, wie der Polizeipräfekt von Marseille, Laurent Nuñez, dem Sender BFMTV sagte.

Betrunken und aggressiv

Rivalisierende Fangruppen zogen nach stundenlangem Alkoholkonsum randalierend durch die Straßen der Stadt, warfen mit Stühlen und verhöhnten sich gegenseitig. Bilder der Ausschreitungen zwischen Hunderten Beteiligten am Mittag zeigen, wie Fans am Boden liegen, andere treten auf sie ein. Im französischen Fernsehen waren blutüberströmte Personen, fliegende Stühle und Mülleimer zu sehen. In den Straßen spielten sich Jagdszenen ab. Auf dem Weg zum Stadion kam es ebenfalls vereinzelt zu Konflikten. Dagegen blieb es nach dem Spiel zunächst rund um das Stadion sowie im Zentrum von Marseille ruhig.

England-Fans vor dem Spiel in Marseille (Foto: Reuters)

England-Fans vor dem Spiel in Marseille

Die Polizei setzte wie an den beiden Vortagen immer wieder Tränengas ein, um die Hooligans auseinanderzutreiben. Zunächst waren 250 Polizisten und Angehörige der Gendarmerie im Einsatz, weitere Kräfte wurden hinzugezogen, am Himmel kreiste ein Hubschrauber. "Die Polizei hat in Auseinandersetzungen eingegriffen, an denen Fans aus England, Russland und Frankreich beteiligt waren. Es war massiv", sagte Polizeichef Nuñez der Nachrichtenagentur AFP. In Marseille seien 1200 Polizisten mobilisiert. Für mögliche weitere Provokationen kündigte Nuñez an: "Wir werden sehr konsequent vorgehen."

Die Regionalzeitung "Nice Matin" berichtete nach Spielschluss in Marseille von Auseinandersetzungen mit nordirischen Fans in Nizza, die von der Polizei beendet wurden. Dabei gab es nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP sieben Verletzte. Weitere Ausschreitungen gab es in Lyon, wo vier Franzosen nach einer Auseinandersetzung mit Engländern in einer Bar festgenommen wurden.

"Kein Platz im Fußball"

Die Disziplinarkommission der Europäische Fußball-Union (UEFA) nahm nach den Ausschreitungen Ermittlungen auf. Zuvor hatte der Verband per Statement reagiert: "Die UEFA verurteilt entschieden die Vorfälle in Marseille. Menschen, die sich an solchen Gewaltakten beteiligen, haben keinen Platz im Fußball." Auch Innenminister Cazeneuve verurteilte die Ausschreitungen scharf.

Polizisten versuchen vor dem Spiel, die Fangruppen zu trennen (Foto: Reuters)

Polizisten versuchen vor dem Spiel, die Fangruppen zu trennen

Marseille hatte schon bei der WM 1998 schlechte Erfahrungen mit englischen Fans gemacht, als es zu Auseinandersetzungen mit Anhängern aus Tunesien gekommen war. Die Begegnung zwischen England und Russland war im Vorfeld von der "Nationalen Direktion zur Bekämpfung des Hooliganismus" als eine von fünf Vorrundenspielen der Alarmstufe 3, der höchsten Sicherheitsstufe, genannt worden. Darunter ist auch das Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft am 16. Juni im Stade de France gegen Polen.

Deutsche Hooligans im Visier

Um Ausschreitungen zu verhindern, arbeiten deutsche und französische Behörden zusammen. "Wir haben mit Frankreich einen Informationsaustausch über die polizeibekannten und gewalttätigen deutschen Hooligans eingerichtet und die Namen und Daten von rund 2500 Personen übermittelt", sagte Innenminister Thomas de Maizière in einem Interview der "Bild am Sonntag". Bei Grenzkontrollen unterstützen deutsche Beamte, die sich in der Szene auskennen, ihre französischen Kollegen.

Offenbar waren bei den Fangruppen große Mengen Alkohol im Spiel (Foto: Reuters)

Offenbar waren bei den Fangruppen große Mengen Alkohol im Spiel

Zudem würden ehemalige deutsche Kämpfer und Rückkehrer der Terror-Organisation "Islamischer Staat" stärker durch Sicherheitsbehörden überwacht."Es gibt offiziell circa 500 Gefährder, die wir im Blick haben. Das ist sehr aufwändig, aber unabdingbar." Bei den Sicherheitsbehörden gingen zwar aktuell eine Vielzahl an Hinweisen ein. Einen konkreten Hinweis auf einen Terror-Anschlag während der Fußball-EM gebe es aber nicht, so de Maizière weiter.

stu/wl/kle (afp, dpa, sid)

Die Redaktion empfiehlt