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Europa

Zahlreiche Tote bei Anschlägen in Moskau

Zwei Metro-Stationen in Moskau sind von schweren Bombenanschlägen erschüttert worden. Mitten im Berufsverkehr sprengten sich zwei Selbstmordattentäterinnen in die Luft und rissen mindestens 35 Menschen mit in den Tod.

Polizisten vor einem Absperrband an der U-Bahn-Station Kulturpark (Foto: AP)

Polizisten sperren die Metrostation Kulturpark ab

Wie der russische Inlandsgeheimdienst FSB mitteilte, zündeten die beiden Attentäterinnen am Montag (29.03.2010) ihre Sprengsätze in den vollbesetzten Zügen an den Stationen Lubjanka, nahe der FSB-Zentrale, und Kulturpark im Zentrum der russischen Hauptstadt. Bei der ersten Explosion um 7.56 Uhr Ortszeit in der Metro-Station Lubjanka wurden mindestens 23 Menschen getötet. Etwa 45 Minuten später detonierte in der U-Bahn-Station Kulturpark die zweite Bombe. Dabei starben mindestens zwölf Menschen. Zahlreiche weitere Personen wurden bei den Anschlägen verletzt.

Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow bestätigte, dass die Anschläge von zwei Selbstmordattentäterinnen verübt worden waren. Diese hätten vermutlich Sprengstoffgürtel gezündet, gab der leitende Staatsanwalt Juri Sjomin an.

Verkehrschaos nach Anschlägen

Moskaus Bürgermeister beantwortet Fragen von Journalisten (Foto: AP)

Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow wurden die Anschläge von zwei Frauen verübt

Nach den Anschlägen rannten Passagiere weinend und in Panik aus den Bahnhöfen auf die Straßen. Es kam zu einem Verkehrschaos in der russischen Millionen-Metropole. Die Moskauer U-Bahn wird täglich von mehreren Millionen Menschen genutzt. Die Rettungsfahrzeuge versuchten, sich einen Weg durch die verstopften Straßen zu bahnen. Hubschrauber kreisten über der Station Kulturpark, die in der Nähe des bekannten Gorki-Parks liegt.

Die Bluttaten in der Hauptstadt alarmierten auch die Regierungsspitze: Russlands Regierungschef Wladimir Putin, der derzeit in Sibirien unterwegs ist, lasse sich ständig über die Vorgänge auf dem Laufenden halten, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow.

Spur führt in den Kaukasus

Menschen strömen aus einer U-Bahn-Station (Foto: AP)

In der russischen Metropole brach nach den Anschlägen ein Verkehrschaos aus

Experten vermuten, dass es sich bei den Anschlägen um einen Racheakt islamistischer Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus handelt. Russische Sicherheitskräfte hatten in der Region, in der auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, zuletzt Dutzende Rebellen getötet.

Moskau war in der Vergangenheit immer wieder Ort von Terroranschlägen, zu denen sich tschetschenische Extremisten bekannten. Und auch die Moskauer Metro war bereits häufiger Zielscheibe terroristischer Anschläge: Bei einem Anschlag auf die U-Bahn der russischen Hauptstadt waren im Februar 2004 mehr als 40 Menschen getötet und etwa 250 verletzt worden. Ein Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus soll der Täter gewesen sein. Nur wenige Monate später, im August 2004, kam es ebenfalls an einer Moskauer Metrostation zu einem weiteren Terroranschlag mit zehn Toten. Dabei hatte sich eine Selbstmordattentäterin in die Luft gesprengt.

Ende November 2009 waren bei einem Anschlag auf einen Schnellzug im Nordwesten Russlands 26 Menschen getötet worden. Zu der Tat bekannte sich eine islamistische Rebellengruppe.

Die Islamisten kämpfen für ein von Moskau unabhängiges Kaukasus-Emirat. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte in Anbetracht vieler Anschläge in den vergangenen Jahren eine verstärkte "Jagd auf die Banditen", wie sie in Moskau offiziell genannt werden, gefordert.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte das Attentat. "Diese Anschläge in Moskau sind verabscheuungswürdig und durch nichts zu rechtfertigen", kommentierte der Bundesaußenminister die Vorgänge in der russischen Hauptstadt. Deutsche waren nach seinen Angaben nicht unter den Opfern.

Autor: Marcus Bölz (rtr, dpa, afp)
Redaktion: Ursula Kissel

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